Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 9

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mit einem kleinen Fenster. Als wäre etwas Geheimnisvolles dahinter versteckt.
Mrs. Weller griff mit ihren kleinen den Knauf und drückte mich der Schulter gegen die Tür und sie öffnete sich.
Als wir an einem leeren und sterilen Gang standen, gleich einem Krankenhausflur, bat mich Mrs. Wellers mit einer Handbewegung an meinem Platz stehen zu bleiben. Ihre Geste mit der Hand war nicht fehl zu deuten.
Sie schritt mit kleinen und eiligen Schritten zu einer Tür, klopfte zaghaft an und öffnete sie und verschwand dahinter. Kurze Zeit später kam sie wieder raus und hielt mir die Tür auf:
„Mr. Richards wartet auf sie. Kommen sie bitte“.

An einem großen Schreibtisch saß Mr. Richards. Seine grauen Haare waren perfekt zur Seite gekämmt. Die Jahre zogen tiefe Falten in sein Gesicht und seine Augensäcke waren Zeugen von schlaflosen Nächten in Gesellschaft mit Alkohol und was oder wem auch immer. Er trug einen perfekt sitzenden teuren Anzug. Seine Zähne waren außergewöhnlich gepflegt und strahlten wie Perlen.
Er las in einer Akte und schien unzufrieden zu sein mit dem, was er vor sich hatte. Ich stand einige Sekunden vor seinem Schreibtisch. Mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Wann wollte er endlich zu mir aufsehen?
Doch dann, plötzlich klappte er die er die Akte vor sich zu und zwang sich ein Lächeln auf und stand auf um mir die Hand zu geben. Er drückte dabei meine Hand so fest, dass ich am liebsten mit einem Schrei meine Hand weggezogen hätte.
Ich stellte mich kurz vor, nahm mein Schreibblock aus meiner Tasche und einen Bleistift und setzte mich hin ohne auf eine Aufforderung zu warten.
Er schien nicht verwundert über meine große Art zu sein, welches meiner Unsicherheit verschuldet war.

Er erzählte mich von seinem Unternehmen. Von seinen Plänen in der Zukunft die Arbeitsplätze aufzustocken und der tiefen Verbundenheit seiner Familie mit dieser Gegend. Mir fiel auf, dass in seinem Büro keine Fenster waren.
Ich notierte fleißig alles was er sagte und gab mir Mühe meine Unsicherheit nicht preiszugeben. Keinen Blick würdigte ich ihm aus Angst er könne aus meinen Augen lesen.
Dann hörte er auf zu reden und holte aus einer seiner Schubläden eine hölzerne Schachtel hervor. Behutsam öffnete er den Deckel und ein starker Tabakgeruch breitete sich im Raum. Als er mir ohne ein Wort zu sagen die Schachtel hinhielt verneinte ich freundlich und blickte wieder auf meine Notizen, als hätte ich es eilig.
Unbeeindruckt von meiner Abweisung holte er sich eine dick gerollte Zigarre raus und schnitt das eine Ende. Steckte sich die Zigarre in den Mund und zündete sie an. Nachdem er ein paarmal daran paffte und den Raum mit seinem Rauch füllte sah er zu mir und fuhr fort.
„Die Menschen in dieser Gegend sind stets gegen Veränderungen. Sie glauben, man könne die Zeit aufhalten oder gar am besten immer wieder zurück drehen. Aber so läuft das nun mal nicht. Veränderungen sind immer als eine Anpassung und eine neue Chance zu begreifen. Ich bin auf Fachkräfte angewiesen. Gute und verlässliche Mitarbeiter. Die Auswahl ist hier wie sie es sich auch sicherlich vorstellen können nicht gerade überwältigend. Aber ich versuche das Beste daraus zu machen.
Sehen sie, Susan ist begabt und fleißiger als die meisten meiner Männer. Ich möchte auf sie nicht verzichten nur weil ein Dorfpfarrer und einige Greise der Meinung sind, die Frau gehöre in die Küche.
Da die Aufträge aus Europa so gestiegen sind gedenken wir eine weitere Produktionswerkstatt zu eröffnen. In Detroit. Mein Sohn soll sie führen. Er hat Erfahrungen über die Jahre im väterlichen Unternehmen gesammelt und sein Studium mit Auszeichnung beendet. Ganz wie sein alter Herr der Bengel. Ich habe wirklich viel um die Ohren und solche Kleinigkeiten halten mich nur auf. Ich vertraue auf ihre Redaktion. Wir müssen diese alten Köpfe knacken und neues Wind in dieses verschlafene Städtchen bringen. Arbeit soll jedem zugänglich sein. Ich bat auch meine Frau für diese Sache sich stark zu machen. Sie wissen ja, diese ganzen Charité Veranstaltungen die sie in regelmäßigen Abständen organisiert.“
Ein Schweigen herrschte im Raum und ich hatte das Gefühl, daß somit das Gespräch auch beendet war. Doch dann blickte ich ihm tief in die Augen.
„ Ich danke ihnen Mr. Richards für ihre Zeit. Meine Arbeit hier wäre somit getan aber eine Fragen hätte ich noch an sie“.
Er blickte kurz auf seine teure Uhr, lächelte dann zu mir auf und nickte interessiert.
„ Gedenken sie auch in Detroit Frauen in ihrem Unternehmen als Fachkräfte einzustellen?
„In Detroit gibt es genug Fachkräfte und Arbeiter. Das Problem werden wir da nicht haben wichtige Posten an Frauen zu vergeben. Ich danke ihnen.“

Ich klappte mein Notizbuch zu, bedankte mich bei ihm und gab ihm nicht die Hand. Stattdessen entfernte ich mich von seinem Tisch während ich in meiner Tasche etwas zu suchen vorgab.

Angekommen in der Redaktion war ich stolz auf meine verrichtete Arbeit und eilte wie ein kleines Kind in das Büro von Mrs. Hofmann. Ich berichtete ihr detailliert über das Unternehmen und griff in meine Tasche und holte das Notizbuch hervor. Als ich es ihr überreichen wollte reichte sie mir schon einige Blätter, frisch getippt, über ihren Arbeitstisch und bat mich sie ins Lektorat zu bringen. Sie hatte bereits den Artikel fertiggeschrieben ohne meine Notizen zu sehen. Ich war enttäuscht aber gab mir Mühe dies nicht zu zeigen. Ich legte meine Notizen ihr auf den Schreibtisch und nahm ihren Artikel entgegen ohne ihr einen Blick zu würdigen. Eilte ins Lektorat und bat um eine schnelle Bearbeitung des Artikels.

X

Die Tage vergingen. Die Versammlung im Gemeindehaus fand statt. Mrs. Hofmann nahm an der Veranstaltung nicht teil. Da meine Notizen über die Gespräche von ihr nicht wirklich beachtet worden sind, hatte ich mir ernsthaft überlegt nicht daran teilzunehmen. Doch am Abend packte mich die Neugier und lockte mich aus dem Haus. Ich eilte in das Gemeindehaus. Von der Ferne sah man schon die Lichter brennen. Ich öffnete die schwere Tür und suchte mir einen Sitzplatz in der hintersten Reihe.

Den Einstieg machte der Pfarrer der Stadt. Er erzählte von der Bibel und Anekdoten die ziemlich zusammenhanglos daherkamen. Die Langeweile machte sich im Raum breit wie

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