Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 10

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eine dicke Wolke und prasselte als Tropfen auf die Zuhörer. Hin und wieder nickten ihm einige Zuhörer zu aber richtig verstanden schienen sie seine Botschaft nicht zu haben.
Ich wurde aus meinen Gedanken entrissen als der Pfarrer sein letztes Wort in den Raum rief, als wolle er eine Herde Ungläubiger aus dem Saal befehlen. Sein Zeigefinger zeigte dabei auf die Eingangstür. Mit hochrotem Kopf und nassen Lippen beschwor er die Gemeinde sich dem Willen Gottes und der Bibel zu beugen. Eine Trennung von Mann und Frau sei nicht nur naturgegeben sondern auch der Wille Gottes.
Dann fasste er sich, zog sich den Kragen zurecht und glitt sanft über den Holzboden zu seinem Sitzplatz, am Tisch auf der Empore. Neben ihm saß Mr. Richards. Wie in der Firma war er auch an diesem Abend sehr edel gekleidet. In einem Anzug, sichtbar aus teurem Stoff und maßgeschneidert.

Er begrüßte die Gemeinde und entführte alle in die alten Zeiten, als er noch ein kleiner Junge war und sein Vater hart in der Fabrik arbeiten musste. Er erzählte von all den erbrachten Opfern seiner Familie, über Generationen hinweg, um die Fabrik am Laufenden zu halten.
Die Arbeitsplätze und die karitativen Arbeiten seiner geschätzten Ehefrau.
Ich tauchte wieder tief in die Welt meiner Gedanken. Je tiefer ich tauchte, desto mehr verschwamm alles um mich. Gähnende Leere im schwarzen und finsteren Nichts war rings um mich. Doch dann tauchte sie auf. Sie glich einer Sonne, Ihr blondes Haar füllte die Leere und spendete Licht gleich einer Sonne. Und ihre tiefblauen Augen zogen mich in ihren Bann.
Doch dann fuhr ich auf vor Schreck und wurde aus meiner Gedankenwelt entrissen. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war doch die Rede Mr. Richards schien sich ihrem Ende zu neigen. Auch er beschwor das Publikum, blickte zornig in die Leere des Saals mit hochrotem Kopf und zeigte mit seinem Zeigefinger nach oben.

Der Abend glich einem Theater. Jedes Wort und jede Bewegung schien vorher bestimmt worden zu sein. Zudem zeigte der Autor keine große Kreativität und Ideenvielfalt in der Beschreibung seiner Charaktere.
Die Abstimmung habe ich nicht abgewartet. Das Gestellte nervte mich tierisch wie das Schreien eines Säuglings nach einer durchzechten Nacht. Ich verließ den Gemeindesaal und machte mich durch die dunklen Gassen auf den Weg nach Hause.

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„Guten Morgen Mrs. Hofmann“ . Mit diesen Worten erfüllte die raue Stimme von Mr. Becker den Gang als er auf Mrs. Hofmann traf. Er würdigte ihr nur einen kurzen Blick mit einem aufgesetzten Lächeln und lief an ihr vorbei und verschwand.
Unbeeindruckt und nur mit einem wortlosen Nicken erwidernd lief Mr. Hofman den langen Gang zu ihrem Büro. Sie legte ihre Handtasche auf den Arbeitstisch und blickte in den Raum. Pete war noch nicht erschienen. Überhaupt war es noch viel zu früh. Mrs. Hofmann setzte sich an ihren Arbeitstisch und sortierte ihre Notizen und Texte. Sie hat tagelang unermüdlich geschrieben. Hin und wieder packte Pete die Neugier und er versuchte sie in einem Gespräch dazu zu bringen ihn über ihre Arbeit zu berichten oder Hinweise zu geben, worüber sie ständig am Schreiben war. Den Artikel über Mr. Richards Firma hatte sie doch längst abgegeben.
Aber wie immer waren die Gespräche stets kurze Gespräche und Mrs. Hofman machte sich keinen Anstand und brach das Gespräch stets nach einigen Sekunden ab und widmete sich erneut ihrer Arbeit.

Als Pete den Raum betrat geriet er in Verlegenheit, da er es nicht mochte wenn Mrs. Hofman vor ihm bereits im Büro war und schon arbeitete. Er grüßte flüchtig in ihre Richtung und eilte zu seinem Arbeitsplatz. Mit schnellen und geübten Bewegungen zog er sich seinem rostbraunen Jackett aus und legte es sorgsam über die Stuhllehne und setzte sich hin. So genau wusste er nicht, was er machen sollte doch er war sich sicher, dass Mrs. Hofman ihn gleich mit Aufgaben überschütten würde. In den Sekunden der Stille machte er sich Gedanken über seine Zusammenarbeit mit Mrs. Hofman. Wieso wollte sie das ausgerechnet er mit ihr Arbeiten sollte und warum hat sie seine Notizen, die immer noch am rechten Ende ihres Schreibtisches unberührt lagen, nicht gelesen bevor sie den Artikel geschrieben hatte?
Das Gefühl, seine Arbeit werde nicht geschätzt oder gar gebraucht öffnete einen Abgrund im inneren von Pete und alles in ihm drohte in das dunkle tief zu entgleiten. Sein Inneres fühlte sich so leer und er wusste, dass wenn er jetzt nicht aufstehen würde und sich Arbeit verschaffen würde ihn ein langer und beschwerlicher Tag erwarten würde. Das wollte er auf keinen Fall riskieren.
„Pete, können sie bitte meinen fertigen Text einreichen? Und bringen sie mir doch bitte frisches Wasser mit“
Wie das heulen der Sirenen klang ihre Stimme im Raum und lockte Pete zu ihr. Er konnte ihr nicht widerstehen. Auch wenn er wusste, dass seine Arbeit die eines einfachen Boten war und keiner besonderen Qualifikation bedurfte, stand er wie besessen auf und folgte ihrer Bitte.
Als er auf dem Büro rausging schritt er erschrocken zur Wand um dem wütenden und mit einem hochroten Kopf den Gang eilenden Mr. Becker nicht in die Quere zu kommen. Dieser schien blind vor Wut zu sein und betrat mit großen Schritten das Büro von Mrs. Hofman, oder sein eigenes Büro. Wie man es auch nehmen wollte.

Kaum betrat Mr. Becker das Büro fing er ohne Rücksicht an mit lauter Stimme auf Mrs. Hofman einzureden. Pete stellte sich an die Tür und konnte das Gespräch mitlauschen, da Mr. Becker die Tür offen ließ. Wenn Mr. Becker unzufrieden war, scheute er sich nicht dies auch zu zeigen und seinem gegenüber das Gefühl des Versagens zu vermitteln. Jedes Wort aus seinem Mund glich dann einem Säbelhieb.
„Ich bin immer noch der Chefredakteur in diesem Laden. Ich weiß nicht was sie in New York gewohnt sind aber hier gibt es eine eindeutige Hierarchie und Regeln. Ich habe sie ausdrücklich gebeten alle Texte und Artikel vorher bei mir abzugeben bevor sie es dem Lektorat schicken. Ich dachte ich hätte mich klar ausgedrückt und sie wären in der Lage gewesen mich zu verstehen!“
Die Stimme von Mrs.

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