C-Dur

von Nikola M
Mitglied

Der Notenschlüssel schwebt über den fünf blassen, geordneten Linien, die sich in der Ewigkeit verlaufen. Sie strecken sich über das sepiafarbene Papier, hinaus über den hochglanzpolierten Tisch und scheinen immer deutlicher zu werden.
Sanft legt sich der geschwungene Schlüssel über die Linien und haucht ihnen Leben ein, schenkt ihnen eine Bestimmung.
Zwischen und auf den Linien beginnt das gelbliche sepia und das dunkle Teakholz feine, tiefblaue Tintenflecken zu gebären, sie scheinen chaotisch, werden größer und deutlicher.
Ihre anfänglich blasse undefinierbare Silhouette nimmt eine runde, klare Form an und die kleinen, runden Tintenflecken treten allmählich in den Vordergrund. Dünne Striche sprießen aus den Punkten und verbinden einige miteinander. Einige erhalten einen Hals, andere werden zu kantigen Strichen verwandelt, die nichts mehr mit den kleinen runden Flecken gemeinsam haben.
Das verspielte Chaos verliert an Geschwindigkeit bis schließlich der dunkelblaue Tanz gänzlich zum stehen kommt.

Und [es ]war wüst und […] es war finster auf der Tiefe.

Ein leises rascheln, der Stuhl wird bewegt. Ein leises knarzen, jemand sitzt.
Behutsam streicht ein Zeigefinger längst über das Papier und scheint die wirren Punkte zum Leben zu erwecken. Wieder ein rascheln, dann ein leises knarzen. Etwas wurde geöffnet.
Zärtlich fällt ein Lichtstrahl auf das Blatt und taucht es in feines Gold.
Der Finger ist verschwunden und ein leiser, gebrechlicher Ton schwingt selbstbewusst durch die Luft. Es folgt ein zweiter, etwas tiefere Ton. Die feinen Klänge gewinnen immer mehr an Festigkeit und legen sich in die Atmosphäre. Mehr und mehr Töne reihen sich aneinander und bilden eine zarte Melodie, die sich sanft in die Luft legt.
Unaufhörlich klingt die Melodie und gewinnt allmählich an Leben.
Eine weiche Vibration schwingt durch den Raum.
Stille.
Dann wieder ein milder Klang, ein dumpfer Ton der sich zu einer neuen Melodie auftürmt.
Sie ist lauter, dynamischer, die Vibration ist schwerer.

Immer weiter klingt die weiche Melodie.
Immer weiter spielt die dynamische Musik.
Immer weiter schwingen Töne durch die Luft.
Immer weiter sinken die Klänge in die Atmosphäre.
Immer weiter spielt der Künstler sein atemberaubendes Werk.

Ihm zu Ehre schwingen wir.
Ihm zu Ehre klingen wir.
Ihm zu Ehre sind wir.

Wir sind ein Klang in der perfekten Komposition unseres Schöpfers.

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