Übers Kino: Filme aus dem Jahr 2015 - Page 3

von Klaus Mattes
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fast überhaupt nicht mehr. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass er nur der Einleitungsteil von etwas viel Längerem ist. Am Schluss ist die Dame so weit, einen Vertrag, dass sie hinfort Sklavin eines superreichen, gutaussehenden, gut ausstaffierten, über Geschmack verfügenden jungen Mannes sein wird, zu unterschreiben. Nämlich, aufgepasst, weil sie den liebt und denken muss, sie sei die einzige auf der Welt, ihn von seinen frühkindlichen Störungen (SM!) zu erlösen. Wie schade, dass es nicht Loriot verfilmt hat.

Teil D

Katastrophenfilme

Black Sea
Manche Filme tauchen weg unterm deutschen Kino. Man begegnet ihnen nur in vereinzelten Sneak Previews - so „Black Sea“, in welchem ein Jude Law, dem das volle Haar, das er bei „Spy“ dann doch noch einmal hat, ausgegangen ist und der jetzt einen auf Trevor Howard macht. Knorriges britisches Raubein. Man will hier irgendwelches Nazigold den Russen unterm Meer wegkapern. Dann bricht im U-Boot aber die Katastrophe durch und das geht zehn kleine Negerlein. Bis nur der fiese Jude Law und der eine Gute da ist, dem er am Ende geläutert das ganze Gold überlässt. Höchst altmodisch, dennoch, es hatte was.

Everest
In „Everest“ vom Isländer Baltasar Kormákur sah das Dach der Welt manchmal eher wie ein Dolomitenfreizeit-Sportgelände aus. Die Geschichte beruht auf einer Unglücksserie in den neunziger Jahren am Mt. Everest, wie sie der Reiseschriftsteller Jon Krakauer beschrieben hat. Der Konflikt, wie er jedenfalls hingedreht wurde, ist sehr Hollywood: Menschen sterben, weil ein Bergführer die vorher ausgemachte Umkehrzeit um mehrere Stunden verstreichen lässt, damit ein einfacher Amerikaner, ein Postbote aus der Provinz, am Gipfel für die Kinder seiner Heimatstadt einen Wimpel hissen kann. Rührung kostet Menschenleben. Leider stört die Faktizität der Ereignisse den erwartbaren Katastrophenplot, wonach die Überheblichen, die Schuldigen und immer die Feigen auf der Strecke bleiben, die Mutigen und Guten aber alle zu überleben hätten. Da wird zwischen dem neuseeländischen Bergführer, den Jason Clarke (from Australia) gibt, und einem Hippie-Freak, den der auf hohläugige Jake Gyllenhaal, immer öfter auf den Typus des Fast-nicht-mehr-Ansprechbares festgenagelt, eine alte Rivalität konstruiert, aber im weiteren Verlauf führt dieses dramaturgische Movens zu gar nichts. Stillleise und ungesehen erfrieren sie am Wegrand alle beide, jedoch viele Kilometer voneinander getrennt. (War das eine Romantik in „Titanic“!)

Southpaw
„Southpaw“ war kein Katastrophen- vielmehr ein Boxer- und mithin Sportfilm - und darf hier erscheinen, weil er sich ganz auf die Extremszenen-Darstellungskunst des Jake Gyllenhaal stützt. Anfangs wirkt das wie die Duellforderung Antoine Fuquas an Regievorbild Martin Scorsese, an dessen monströses „Wie ein wilder Stier“ (1980). Bei welchem der beiden sehen die Blutspritzereien wohl einsamer, verzweifelter, perverser aus? Wessen Champion wird tiefer abstürzen unter dem Einfluss von Ruhm, Reichtum und Drogen? Doch da verliert Fuqua den Zweikampf haushoch, weil er, auf Teufel komm raus, aus dem schmutzigen Männerkino auch noch einen Parkplatz für eine süßliche Alleinerziehender-Vater-süße-Tochter-Schnulze raus hauen muss. „Töchterlein, vertraue nur, Pappi holt dich von den fürchterlichen Leuten (öffentliches Heim) weg!“ Jetzt spritzen die Tränen. (Oona Laurence, das bebrillte Mädchen, ist eine unglaublich präsente Mimin. Und sie ist erst zwölf.)

San Andreas
Dwayne „The Rock“ Johnson war Wrestling-Star, ein Fleischberg, mit negroidem und pazifischem Blut. Auf Grund dieser Physis lässt man Johnson als Herkules-Figur in Action- und Superheldenfilmen agieren. Selten zuvor sah man ihn so normal-menschlich, quasi schon im Besitz eines Charakters, einer Persönlichkeit, wie bei „San Andreas“. Der ist an sich zwar der strunzdumme, supertypische Katastrophenfilm, wie er seit den siebziger Jahren jedes Mal läuft. Ein Brandschutz-Helikopter-Flieger aus L.A., soll von seiner Frau zugunsten eines Spekulanten-Arschlochs in San Francisco verlassen, erst die gemeinsame Tochter, die sich neu in einen spinnerten Engländer verliebt hat, vor dem Untergang Kaliforniens in der berühmten Erdbebenspalte und dann auch noch die angeknackste Ehe retten, die Familie halt mal wieder, mit allem, was dazugehört. Hochhäuser stürzen, die Erde bebt, Tsunami überfließt die Stadt. Logo, wer hier dann untergeht und wer in letzter Sekunde wen rettet und aus der Katastrophe fliegt. Intellektuell freundlich anspruchsreduzierter Film, der aber zupackend und effektiv nach vorne erzählt, sich in keiner Sauce lange suhlt und ein paar sehr gut aussehende Tricks hat. Amerika, das hatte Charles Bronson und Chuck Norris, jetzt hat es also The Rock.

Teil E

Feinde, die an der Tür klingeln

Knock knock
Keanu Reeves hat’s noch schwerer als Tom Cruise. Beide waren ultracoole Säue, als sie noch Jungs waren. Jetzt sind sie fünfzig plus irgendwas und sie sehen nicht mal aus wie ältere Männer, sondern wie plastinierte Jungs sehen sie jetzt aus. Man muss - es wird immer schwerer - Umfelder für sie entwickeln, wo sie noch einmal diese coole, ewigjunge Comicfigur sein können. Keanu Reeves (51) sagt in „Knock knock“, er wäre 43, bekommt von einer Anfangszwanziger-Mieze geschnurrt, nein, nicht wahr, dreißig sei er höchstens. Doch die zwei schönen Mädchen hier gehören zum Genre „Unbekannter klopft erst zögerlich an deiner Tür, benimmt sich nett, enthüllt sich als Irrer und beginnt, Heim und Familie zu vernichten“. In einer aberwitzigen Logikverdrehung reden die Mädchen Keanu ein, er wäre Pädophiler, weil er, obwohl verheiratet und Vater, mit ihnen geschlafen habe, sie aber nur gelogen über zwanzig sind, in Wirklichkeit noch nicht mal ganz. Und jetzt müsse er also sterben, Gerechtigkeit gegen Perverse. Das Ärgste aber ist, dass Keanu Reeves nicht die coole Comic-Figur sein darf, sondern sich bis zum Hals hinauf begraben lassen muss, in diesem Zustand von Frau und Kindern gerettet und zugleich ertappt werden muss.

John Wick
In „John Wick“ ist er darüber dann weg. Die Frau seines Lebens ist gestorben und da wird auch noch sein Hund umgebracht. Die einzige Liebe, die er noch hatte. Eher einer coolen Comic-Figur entsprechend, ist er früher ein geheimer Superkiller fürs russische Kartell gewesen, wo aber jetzt eben auch diese Hundemörder herkommen. Er fängt einen Ein-Mann-Kreuzzug an. Der hat seinen schönen Bums und düstere schöne Stimmungswerte. Das Bemerkenswerteste ist, dass Mister „Einer gegen alle“ lebendig den Film verlässt, obwohl er massig Leute abgeschlachtet hat. Allerdings, was soll ein Wort wie „lebendig“ für einen Schemen aus der Vergangenheit schon heißen, wie Keanu Reeves inzwischen einer ist?

The Gift
Der klassische Eindringling-Terror-Film scheint es in „The Gift“ zu werden. Ein irgendwie rattig aussehender Joel Edgerton (auch Regisseur und Drehbuchautor) will sich mittels aufdringlicher

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