Nonsense oder 99 endliche Geschichten

von Qayid Aljaysh Juyub
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Story I: Schultzens Trip
Schultze war voller unendlicher Frustration. Schon wieder so ein öder Familienurlaub mit seiner spießigen Alten und die tyrannischen Blagen. Gran Canaria ‚all inclusive‘ im Touristenghetto nebst ebenso primitiver wie aufdringlicher Animation. Sehnsüchtig dachte der Finanzbeamte an Kollege Heiko. Der pflegte sich regelmäßig mit Gleichgesinnten ebenfalls Richtung Kanaren abzusetzen, allerdings ohne familiären Anhang und mit dem konkreten Ziel, eine möglichst besinnungslose Sauftour durchzuführen. ‚Mann, war das ein Kerl‘, ging es durch den strapazierten Kopf des emsigen Staatsdieners. Heikos Bemerkung, dass er nun manchmal seiner besseren Hälfte grundlos eine verpassen würde und bei Nachfrage dann die zweite Ohrfeige fällig wäre, fazinierte Schultze überaus.
Wir müssen natürlich dazu bemerken, dass Heikos Ehefrau einige Zeit später während einer Lustreise ihres so sensiblen Mannes merkwürdigerweise das Weite suchte und die besondere Fürsorge ihres Mannes damit belohnte, indem sie das gemeinsame Konto plünderte und seinen geliebten Porsche verscherbelte; Heiko konnte sich dann das alles nicht erklären und fühlte sich so richtig als Opfer.
‚Papa, ist ne Knackwurst‘.
Scylla, die jüngere seiner beiden Töchter grinste ihn spitzbübisch an.
‚Detlef nun stell Dich nicht so an, Du bist wirklich so ein Schwächling. Ich könnte Dich glatt fressen.‘
Eine erstaunlich Wendung, so findet der geneigte Leser, aber der mutige Heros unserer Geschichte befand sich in der sündhaft teuren Tiefgarage des Hauptstadtflugplatzes, der nach 20-jähriger Bauzeit mit ein wenig zeitlicher Verzögerung in Betrieb gegangen war, beschäftig damit, das überaus reichhaltige Familiengepäck in das dafür vorgesehene Vehikel zu bugsieren. Bei all seinen künstlerisch wertvollen Gedanken, entglitt unserem geschickten Apparatschik leider ein etwas unhandlicher Koffer und verursachte sozusagen eine harte Landung.
‚Bitte Charybdis. Ich bemühe mich ja.‘
‚Immer diese dummen Ausreden, mach hinne!'
Angela die Größere verzog hinsichtlich des Geschehens nur verächtlich bis angewidert das Gesicht und enthielt sich jeglicher Äußerung. So aus seinen tiefgründigen Gedanken gerissen, sammelte der emsige Ehemann das gefallene Gepäckstück unter liebevollen Seufzern seiner besseren Hälfte und dem Gekicher seiner respektvollen Tochter auf. Leicht genervt schaltete sich die bis dahin schweigsame Angela in die niveauvolle Konversation ein.
‚Könnte es jetzt vielleicht endlich weiter gehen Mama?! Der Flieger geht schon in drei Stunden und ich möchte noch shoppen! Außerdem bin ich hungrig‘
‚Detlef, Du hörst Deine Tochter, nun beeil Dich gefälligst! Keine Sorge Schatz, das reicht noch trotz unseres lahmen Dackelschens!‘
Schultze war den Tränen nahe, wie sehr er diesen Spitznamen hasste, warum quälte sie ihn nur so, er tat doch alles, um sie zufriedenzustellen. Wie oft hatte er schon an eine Trennung gedacht und auch gelegentlich zu seinem Lieblingssong dem Klassiker ‚Ich war noch niemals in New York‘ heimlich geweint. Aber leider fehlte es unserem Helden doch ein wenig an Mut, um sich scheiden zu lassen oder auszusteigen. Gelegentlich neckte ihn seine liebevolle Gefährtin mit den Worten ‚Das wird teuer!‘ nachdem sie ihm eine erstklassige Scheidung angedroht hatte. Aber allmählich war das Maß voll! Heiko würde jetzt gehörig auf den Tisch hauen und ihn zumindest in Gedanken zertrümmern. ‚Genug ist genug‘, so ging es in Schultzens Gedankenwelt weiter. All seinen Mut fasste er jetzt zusammen:
‚Sorry Schatz, ich werde mich beeilen. Kannst Du mir vielleicht ein bisschen helfen und aufpassen, das nichts herunterfällt, wenn ich den Gepäckwagen schiebe, entschuldige nochmals.‘
‚Der spinnt wohl, jetzt lass die Hosen wackeln!‘
So endete der mutige Versuch einer rudimentären Spur von Widerstand in voraussehbar kläglicher Form und unser tapferer Held fügte sich in sein Schicksal. Prädestination? Zielstrebig und orchestriert vom Gekicher Scyllas der Jüngeren bewegte Schultze das Gepäck in Richtung Lift. Seltsamerweise befand sich niemand auf dem Parkdeck, sodass die Vorstellung ohne geneigtes Publikum ablief. Mit leichter Panik dachte unser verwegener Staatsdiener an die Reaktionen seiner Liebsten falls der Aufzug nicht innerhalb von spätestens 30 Sekunden zur Verfügung stand oder gar besetzt sein sollte. Aber, um es kurz zu machen, die Götter waren unserem Protagonisten hold. Der Lift befand sich in Wartestellung und nach einigen weisen Ratschlägen seiner Frau begleitet von den ermunternden Vibrations seiner Töchter gelang es dem wagemutigen Hausvater das Gepäck im Lift zu deponieren, dessen geräumiges Innere damit fast zur Hälfte ausgefüllt war.
‚ Ihr Lieben, wir können dann. Kommt Ihr bitte?‘
‚Was denn? Dackelsche, Du glaubst doch wohl nicht, dass ich in diesem engen Ding nach oben fahre!‘
Angela sah den geliebten Vater mit mitleidiger Verachtung an und schüttelte energisch das blondgelockte Haupt.
‚Danke mein Schatz! Detlef jetzt reiß Dich jetzt zusammen. Du fährst jetzt zum Check-In und gibst die Koffer auf. Anschließend treffen wir uns am Gate und vergiss nicht, den Fahrstuhl gleich herunterzuschicken. Was meint, ihr Mädels, euer Vater ist doch entbehrlich.‘
In gewohnter Weise kicherte Scylla die Jüngere beifällig, während Angela leicht verächtlich ihre Mundwinkel verzog.
‚Ja Schatz, ich fahr dann einmal. Wir sehen uns dann‘
Die drei Grazien unterhielten sich derweil mit fürsorglicher Nichtachtung hinsichtlich der Weisheiten des gestrengen Patriarchen über den bevorstehenden Einkaufsbummel
Mit einem gewissen Fatalismus setzte Schultze das geräumige Vehikel in die gewünschte Richtung in Gang. Voller Vorfreude wenigstens einige Zeit den liebevollen Zuwendungen seiner Familie entronnen zu sein, fuhr unser Held seinem Schicksal entgegen. Als sich die Lifttüren mit einem knirschenden Geräusch öffneten, das war am Hauptstadtflughafen keine Selbstverständlichkeit, blickte er schon fast euphorisch in das betriebsame Terminal.
‚Dann wollen wir mal.‘
Beherzt zog das treusorgende Familienoberhaupt an dem überladenen Gepäckwagen. Aber, oh Wunder, das verdammte Dingen bewegte sich nicht einen Millimeter. Unser Pater Familias war nun doch höchstlich überrascht. Trotz seiner mit hartnäckiger Unsportlichkeit gepflegten geringen physischen Kräfte, sollte sich das Gerät doch zumindest etwas bewegen. Vielleicht hatte er doch wirklich zu viele weibliche Hormone, wie schon seine alleinerziehende Mutter in zärtlichen Momenten behauptete.
‚Welche Idioten lassen denn hier ihr Gepäck einfach so herumliegen?!‘
Ein korpulenter Herr, der Schultze leicht an seinen liebsten Z-Promi im Dschungelcamp erinnerte, drängte sich raumergreifend in den Fahrstuhl.
‚Egal, die haben eben Pech gehabt!‘ Unsanft und mit typischen -wieder der an den Helden des Urwalds erinnernd- Grunzlauten schob sich der wutzige Wutzenbauer… Okay Freund*innen oder wie auch immer, da gibt es doch tatsächlich eine echt bescheuerte Kuppelshow im Televisor auf die ich gerade in einfacher Manier anspiele, aber das sollte ich wirklich lassen. Sagen wir einmal: Der gut gebaute Herr schob unseren völlig

Ich hoffe, Ihr habt eure Freude daran!

Veröffentlicht / Quelle: 
Twentysix

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Kommentare

02. Mai 2019

Hab mir Nonsense oder 99 endliche Geschichten gekauft und mich köstlich amüsiert- sehr kurzweilig-ich mag den Humor und liebe die Ausdrucksweise. Bin auf neues gespannt

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