"Die Zauberflöte" - Eine Bearbeitung (1. Auftritt)

Bild von Valeska Csar
Mitglied

Hastige Schritte halten von den Wänden des felsichten Thales, die schroffen Gebürge an beider Seyten trugen sie zum Himmel empor. Hie und da wachten Bäume auf dem Fels, doch eilte keine Hand zur Hülfe dem gejagten Jüngling.

„Zu Hülfe! zu Hülfe! sonst bin ich verloren,
Der listigen Schlange zum Opfer erkoren.
Barmherzige Götter! schon nahet sie sich;
Ach rettet mich! ach schützet mich!“

Das vom Winde getragene prächtige javonische Jagdkleide zeugte von seiner Kunft, in seinen Armen hielt er Bogen ohne Pfeil. Es war alles nun vergebens und so gab er sich der Ohnmacht hin. Freudig kreiste die Schlange um ihn. Zungelnd türmte sie sich auf fletschte ihr messersscharfes Zahnwerk um ein Maul voll aus zu reißen, da vernahm sie die silbernen Wurfspieße die durch ihren Leib ragten.

„Triumph! Triumph! sie ist vollbracht
Die Heldenthat. Er ist befreyt
Durch unsers Armes Tapferkeit“.

Drey verschleierte Damen versammelten sich um den Bewusstlosen und gaben ihm Betracht.

ERSTE DAME
„Ein holder Jüngling, sanft und schön.“

ZWEYTE DAME
„So schön, als ich noch nie gesehn.“

DRITTE DAME
„Ja, ja! gewiss zum Mahlen schön.“

ALLE DREY IN EINKLANG
„Würd' ich mein Herz der Liebe weih'n,
So müsst es dieser Jüngling seyn.
Lasst uns zu unsrer Fürstinn eilen,
Ihr diese Nachricht zu ertheilen.
Vieleicht, dass dieser schöne Mann
Die vor'ge Ruh' ihr geben kann. „

ERSTE DAME
„So geht und sagt es ihr!
Ich bleib' indessen hier.“

ZWEYTE DAME
„Nein, nein! geht ihr nur hin;
Ich wache hier für ihn.“

DRITTE DAME
„Nein, nein! das kann nicht seyn!
Ich schütze ihn allein.“

Jede der Dunklen sprach für sich, doch hatten sie alle drey das gleiche im Sinn.
„Ich sollte fort? Ey, ey! wie fein!
Sie wären gern bey ihm allein.
Nein, nein! das kann nicht seyn.“
Und so stimmten sie alle ein.
„Was wollte ich darum nicht geben,
Könnt ich mit diesem Jüngling leben!
Hätt' ich ihn doch so ganz allein!
Doch keine geht; es kann nicht seyn.
Am besten ist es nun, ich geh'.
Du Jüngling, schön und liebevoll!
Du trauter Jüngling, lebe wohl,
Bis ich dich wieder seh'.“

Als alle drey gegangen waren, begann nach einiger Zeit sich der Jüngling langsam zu regen, bis er schließlich erwachte und furchtsam umher sah.
„Wo bin ich! Ist's Fantasie, dass ich noch lebe? oder hat eine höhere Macht mich gerettet?“

Bald kam er auf und erspähte Unglaubliches.
„Wie? - Die bösartige Schlange liegt todt zu meinen Füssen?“
Plötzlich vernahm er aus der Ferne ein Waldflötchen klingen.
„Was hör' ich? Wo bin ich? Welch' unbekannter Ort! - Ha, eine männliche Figur nähert sich dem Thal."
Ungewiss suchte er rasche Zuflucht hinter einem der wachenden Bäume.

Libretto: Emanuel Schikaneder
Bearbeitung: Valeska Csar
(c) Valeska Csar

Bild: Liebigbilder 1909 (Ausschnitt), gemeinfrei
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Interne Verweise

Kommentare

24. Aug 2020

Einmal etwas anderes. Oder fast. Zumindest einmal eine Bearbeitung eines Teils einer Oper, getragen von dem Gedanken das Libretto von Emanuel Schikaneder einzukleiden, um es außerhalb der Tempelhalle des Bühnenspiels lesbar zu machen.

Stay mysterious!
xxx
Valeska