Wer bin Ich noch?

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Ich schreibe diesen Brief für mich und an mich. Warum? Weil ich mich doch eigentlich am Besten kennen sollte, aber das tue ich nicht mehr. Ich kenne mich am Aller Wenigsten…. „Ich will nicht mehr“… so beginne ich mittlerweile jeden Tag. Es ist schrecklich, dass ein 20-Jähriges Mädchen so denkt und das Leben nicht unbeschwert genießen kann, bzw. will. Zu meiner Person: Ich bin ein ehrgeiziges Mädchen, ich liebe es, zu quatschen, unterwegs zu sein, Leute kennen zu lernen… Ich mag Sport…Ich will perfekt sein, aber genau das wurde mir zum Verhängnis.
Aber wie fing der Teufelskreislauf einer, ich sage es mal ganz vorsichtig, „Depression“ an…? Was ist aus dem flippigen Mädchen geworden (was auch immer noch in mir schlummert, das weiß ich…) ?
Alles begann während meiner Abiturzeit… ich saß zu Hause und habe gelernt, doch da begannen die Gedanken schon zu rollen… „ich will wieder in die Schule, … da treffe ich meine Freunde, bin mitten im Geschehen und bekomme den neusten Gossip mit… . Meine besten Freundinnen versprachen mir aber bereits, dass ich mich von dieser Zeit schon einmal verabschieden könnte, da jetzt jeder seinen eigenen Weg geht… . Ok, erster Schlag ins Gesicht… . Darüber hinaus bekam ich von ihnen zu hören, dass der Moment gekommen ist, wo wir uns vielleicht alle vier Monate sehen, da sie ja jetzt studieren würden und 3000 andere „Freunde“ kennen lernen. Ich studierte aber nicht. Ich „wollte“ mehr oder weniger eine Ausbildung machen. Was mich erwarten würde, keine Ahnung. Schien mir in dem Moment einfach alles egal, mein Fokus lag schließlich auf dem Abitur und Partys. Der Moment kam schneller als gedacht – Abiball 2018 - . Das war es jetzt endgültig. Eine Woche später war dann auch mit meinem Freund endgültig Schluss. – Wow, wer blieb mir denn jetzt noch? Ich fühlte mich allein… doch dann kam 2 Wochen später der Urlaub und ich war, schneller als ich gucken konnte, wieder in einer Beziehung. Die Beziehung mit C fing toll an: Wir hatten super viele Gemeinsamkeiten und er war die Liebe meines Lebens – dachte ich. Doch dann fing der Alltag an und zudem landete ich im Krankenhaus, aufgrund von schwerem Eisenmangel. – Ich war k.o. und es war alles zu viel neues… Ich war überfordert… ich hatte Streit mit C, dem es erschien, als ob ich nur „rumjammere“, weil ich die Aufmerksamkeit bräuchte…. So ging mein Gewicht Stück für Stück immer weiter zurück, zwar unterbewusst, aber ich fand im Gewicht, die einzige Kontrolle, die ich noch von mir selbst aus beeinflussen konnte… Alles andere schien mich zu überfordern, zu stressen, zu deprimieren,… ok stopp, ihr wisst, was ich meine damit… : Mein Kopf war reines Chaos und ein Durcheinander schlichtweg. Es fiel mir immer schwerer aufzustehen, auf die Arbeit zu gehen, den Tag positiv anzugehen…. Wie sollte das auch funktionieren?! – … Zudem bin ich als kleines, dummes Blondchen abgestempelt worden, was an einer Essstörung leidet, zerbrechlich und verwirrt ist. Mein Ehrgeiz wurde nie geschätzt oder gesehen, eher wurde mir gesagt, ich solle „runter schrauben“… . Ich gehöre da nicht hin und auch wenn mir meine Familie sagt, es ist ein Ende in Sicht, so ist doch jeder Tag kräfteraubend. 9 Stunden deprimiert, das Gefühl, nichts geschafft zu haben, hat mich so aggressiv machen lassen. Obwohl ich schlapp war, habe ich mich immer zum Sport gezwungen… Aber auch da habe ich dann logischerweise keine zufrieden stellenden Ergebnisse erzielen können… Mein Magen-Darm Trakt ist mittlerweile am Ende, ich habe Rippenschmerzen aufgrund von Stress und Unruhe. Ich bin antriebslos und schlapp geworden. Alles scheint wie ein Teufelskreislauf zu sein, der nie endet. Ich will doch einfach keine Schmerzen mehr, doch die habe ich selbst in der Hand… Aber wie lange werden diese noch anhalten? Wenn ich keinen Sport mache, dann habe ich nichts mehr???!!! HILFE!
Frustration macht sich wieder breit, Schmerzen, Trauer, Angst, Essen / Nichtessen, Planen,…
Wann hört das endlich auf???! Wie komme ich hier raus?
Ich habe mit C Schluss gemacht, es war richtig, weil es nicht mehr gepasst hat. Ein erster Schritt in ein neues Laura-Leben. Ein Belastungspunkt weniger. Yeah – Ein Erfolg! Gut gemacht, eine Entscheidung treffen habe ich schon lange nicht mehr alleine gemacht…
Doch es scheinen mir noch so viele andere Baustellen. Das Essen, der Druck, wenn Mama sagt, ich solle mehr essen, doch es geht nicht, weil ich Schmerzen habe… HILFE! Konfrontation, Streit, Stress, Schmerzen, … #Kreislauf… wann endlich wieder Sport??? Wann tut es mir gut, mache ich was falsch, wenn ich zum Sport gehe, und danach wieder Schmerzen habe…? Überbelastung… Körperlich, seelisch,… Stress pur! HILFE!!!
Gedanken bitte hört auf, ich will doch nur Leben! Ist das so schwer? Warum ist das so schwer geworden, Laura? Ich erkenne dich nicht mehr wieder.

… Selbstmordgedanken? – ja, die habe ich, aber ich würde es niemals tun… Weil ich, wie am Anfang schon genannt, eigentlich ein lebensfreudiger Mensch bin und ich weiß, wie viel Spaß das Leben machen kann, wenn man es zulässt… Nur manchmal scheint es mir einfacher, tschüss zu sagen als den Kampf weiter zu führen… Und ja, richtig gehört, es ist nur noch ein Kampf. Ich würde gerne raus doch die Schmerzen hindern mich… aber vielleicht wäre es ja doch das Richtige, rauszugehen, die Schmerzen zu ignorieren und sie von allein wegfliegen zu lassen…
Oh wow, Laura, du findest einfach kein Ende….

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