Emma, die Wahrsagerin, 23. Sitzung:

von Sabrina Jung
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Heute bekommt Emma Besuch von einem Mann namens Ingo, er ist 25 Jahre alt. Emma hat wie immer alles vorbereitet. Kräutertee ist gleich fertig, Meditationsmusik läuft schon. Da klingelt es auch schon oben an der Wohnungstür. Emma öffnet die Tür und dort ist Ingo, er sieht ein wenig verloren aus, eben noch wie ein kleiner Junge, der noch nicht erwachsen werden will. Emma bittet Ingo herein: „Schön, dass Du da bist Ingo, kannst gleich schon mal ins Nebenzimmer gehen, hole nur noch den Tee.“ Ingo macht es sich in Emmas Sessel gemütlich, da kommt auch schon Emma mit dem Tee. Ingo fragt: „Was für ein Kräutertee ist das denn?“ Emma daraufhin: „Gemischte Kräuter im Tee.“ Ingo erwidert: „Muss schon genau wissen, was das für Kräuter sind, denn manche Kräuter mach ich einfach partout nicht.“ Emma daraufhin: „Na möchtest Du lieber einen Saft oder ein Glas Wasser?“ Ingo daraufhin: „Also auch, wenn ich erst 25 Jahre bin und wahrscheinlich noch viel jünger aussehe als ich bin, bitte ich Sie mich nicht zu Dutzen, bin da sehr empfindlich und zum Saft, haben Sie frisch gepressten Saft?“ Emma daraufhin: „Nein, tut mir leid.“ Ingo weiter: „Welche Wassersorte haben Sie denn? Ein Gläschen Kona Nigari würde ich glatt trinken.“ Emma denkt so bei sich, jemand von der ganz verwöhnten Sorte und erwidert daraufhin: „Aber natürlich, was denken Sie denn, für meine Kundschaft nur das Beste, allerdings muss ich gleich mal vorne weg noch ankündigen, dass die Sitzungen bei mir seit letztem Monat ein wenig mehr kosten, aber das sollte für Sie kein Problem darstellen, denke ich oder?“ Ingo daraufhin: „Ach, kein Problem, kann mich uneingeschränkt von dem Konto meiner Eltern bedienen.“ Emma wiederum: „Ihre Eltern haben großes Vertrauen, na dann hole ich mal das edle Wässerchen.“ Emma geht in die Küche und nimmt ganz normales stilles Wasser aus der Leitung schön kühl, packt noch ein paar Eiswürfel rein und bringt noch ein Päckchen Brausepulver auf einem kleinen Tablett mit, dann lässt sie ihrer Fantasie entsprechenden Freiraum und sagt sie: „Das ist der letzte Schrei für dieses köstliche edle Wässerchen, aber Sie dürfen nur ca. 1/8 von dem Brausepulverpäckchen hinzufügen, sie werden staunen, ein absolutes Geschmackserlebnis, übrigens ist das, wie Sie sehen, ganz besonderes Brausepulver, Sie werden gleich sehen, es pufft ein wenig mehr wie normales, die chemische Reaktion ist größer, habe ich mir extra für besondere Kundschaft von den Fidschi-Inseln einfliegen lassen.“ Eigentlich hat Emma dieses Brausepulver im chinesischen Supermarkt um die Ecke gekauft für die Tochter ihrer Freundin, aber hatte es dann vergessen ihr zu geben, manchmal ist es halt gut, wenn man solche besonderen Dinge aufhebt, denkt sich Emma jetzt, außerdem hat Ingo bestimmt noch nicht so viele Supermärkte von innen gesehen. So nun hat Ingo die paar Krümelchen von dem Brausepulver in das Wasser gegeben und rührt mit einem Dessertlöffel um, dann nimmt er den ersten Schluck und sagt: „Wow, das ist ja der Megahit, das Brausepulver, können Sie mir das auch besorgen?“ Emma: „Aber natürlich, sagen Sie mir einfach, wieviel Päckchen, Sie möchten, dann bestell ich Ihnen ein paar Päckchen mit, natürlich ist das auch etwas kostspielig, ein Päckchen kostet 10 Euro, aber das ist sicherlich kein Problem für Sie oder?“ Ingo: „Nein, nein kein Problem.“ Emma weiter: „Aber nun erzählen Sie doch mal, weshalb Sie mich besuchen.“ Ingo daraufhin: „Also es geht um Folgendes, habe mit meinem besten Freund eine Super-Geschäftsidee und eigentlich möchte ich nur wissen, ob das alles was wird und wir erfolgreich sein werden.“ Emma daraufhin: „Um was für eine Geschäftsidee geht es denn?“ Ingo daraufhin: „Mein Freund und ich haben vereinbart, dass wir uns mit niemandem darüber unterhalten werden, denn es geht darum eine neue Substanz zu entwickeln, aber mehr kann ich nicht sagen, mein Freund ist in Chemie der absolute Crack und möchte sich nicht gern in die Karten schauen lassen.“ Emma erwidert spontan: „Na dann werden wir mal schauen, ob meine Karten auch so verhalten sind wie die Deines Freundes, aber sag mal, was sagen denn Ihre Eltern dazu?“ Ingo ein wenig verhalten: „Zum Einen sind die ganz froh, wenn die ihre Ruhe haben und außerdem dürfen die Nichts davon wissen, dann würden die ausflippen und mir sofort den Geldhahn abdrehen.“ Emma denkt sich, das hört sich nicht gut an, da scheint der jungenhafte Ingo wohl was im Schilde zu führen, dann sagt sie: „Na dann lassen Sie uns mal in meine verhaltenen Karten schauen, ich mische jetzt und Sie sagen stopp.“ Ingo sagt: „Stopp.“ Emma legt die Karten aus: „Also die Geschäftsidee können Sie vergessen, das bringt einen Haufen Probleme, welche kann ich nicht sehen, aber Probleme und viel Ärger.“ Ingo daraufhin: „Mist, wir haben schon so halb angefangen, ups, können Sie nochmal in Ihre Karten schauen, ob wir Ärger mit der Polizei bekommen werden?“ Emma daraufhin: „Könnte wohl sein, zumindest sehe ich Polizei in der Zukunft, wenn Sie Ihre Geschäftsidee weiter fortsetzen möchten, wenn Sie das aufgeben mit der Geschäftsidee, umgehen Sie die Probleme natürlich, also Sie sollten sich eine andere Geschäftsidee einfallen lassen.“ Ingo daraufhin: „Ich kann da nicht mehr so einfach aussteigen, mein Freund und ich, wir haben schon eine Menge Geld investiert und außerdem haben wir auch schon einen Großabnehmer, der uns zugesichert hat, die Substanz abzukaufen für einen bestimmten Preis, er hat sogar gesagt, er legt auch noch was drauf, wenn das Zeug gut ist, aber sollten wir auf die Idee kommen ihn auch nur ansatzweise ver ….. äppeln zu wollen, dann müssten wir mit dem Schlimmsten rechnen.“ Emma seufzt über soviel Naivität: „Ohje, Sie stecken wohl ganz schön in Schwierigkeiten, was, also eins kann ich Ihnen schon einmal vorab sagen, im Gefängnis werden Sie so ein edles Wässerchen aber nicht bekommen, wieso setzen Sie das alles aufs Spiel?“ Ingo fängt plötzlich an zu weinen: „Ach sagen Sie ruhig Du zu mir, bitte helfen Sie mir, können Sie mir nicht einfach bestimmte Energien schicken, das geht doch oder? Weiß ja auch nicht, wie wir nur auf so eine blöde Idee mit dem Drogenlabor gekommen sind, aber wir fanden den Film „Breaking Bad“ so toll und irgendwie haben wir uns einen kleinen Spaß erlaubt und das selbst mal ausprobiert und dann sind wir halt auf die Idee gekommen, damit Geschäfte zu machen, damit wir unabhängig von unsern Eltern leben können und das Studium abbrechen können, macht uns eh keinen Spaß, aber unsere Eltern sehen uns schon in Ihrem Unternehmen ihre Jobs übernehmen, damit die sich dann endlich mal ausruhen können und uns weiter herumkommandieren können.“ Emma unterbricht: „Na, wenn Sie nicht in die Fußstapfen Ihrer Eltern treten möchten, dann machen Sie doch einfach etwas Anderes.“ Ingo wieder: „Das geht aber nicht, dann drehen die uns den Geldhahn zu und mein Vater würde mich sofort aus meiner eigenen Wohnung schmeißen.“ Emma wiederum: „Wieso aus Ihrer Wohnung?“ Ingo wieder: „Na, ist ja offiziell Papas Eigentumswohnung und eine bessere Wohnung werde ich wohl kaum finden und habe natürlich auch keine Lust in einer kleinen Einzimmerwohnung zu wohnen und dann weiß ich nicht mal, wie ich die bezahlen soll. Im Prinzip könnte ich dann gar nichts mehr machen, wenn meine Eltern mir den Geldhahn zudrehen.“ Emma hat irgendwie keine Lust mehr, sich das weiter anzuhören und sagt: „Tja, da gibt es nur eine Lösung, Sie müssen weiterhin das machen, was Ihre Eltern Ihnen sagen, so ist es, wenn Sie keine Probleme bekommen möchten, da führt kein Weg dran vorbei.“ Ingo wiederum: „Und was mach ich jetzt mit unserer Kundschaft dem Großabnehmer, der uns bereits gedroht hat, dass was passieren könnte, wenn wir nicht liefern?“ Emma wiederum: „Sie reden ein offenes Wörtchen mit Ihrem Vater, und zwar so schnell wie möglich, sicherlich hat der ein paar gute Anwälte an der Hand oder? Dann werden Sie zwar für die nächsten Monate kurzgehalten, aber das verkraften Sie, nur Mut. Ihr Vater wird zwar sauer sein, das können Sie sich ja denken, aber glauben Sie mir, alles wird gut.“ Ingo wieder: „Ja natürlich mein Vater kennt die besten Anwälte, aber das letzte Mal als ich mit dem Auto von meinem Vater zu schnell gefahren bin und danach einen blöden Unfall hatte, hat der Anwalt von meinem Vater zu meinem Vater gesagt, dass er keine Lust hat, mich noch einmal aus so einem Mist, den ich verzapft habe, herauszuholen, denn immerhin hätte er einen guten Ruf zu verlieren und eigentlich hat er keine Lust auf kleine unerzogene schräge Bubis, die von Papas Konto leben und Narrenfreiheit genießen.“ Emma: „Na, Ihr Vater, kennt bestimmt noch ein paar andere gute Anwälte.“ Ingo möchte gerade ansetzen und weiter ausholen, da sagt Emma: „Es tut mir schrecklich leid, aber unsere Zeit ist vorbei, muss gleich noch etwas Dringendes erledigen und ich habe Ihnen im Prinzip klipp und klar gesagt, was Sie tun müssen, glauben Sie mir, alles wird gut.“ Ingo ist zwar nicht ganz zufrieden mit der Lösung, die Emma vorschlägt, dass er mit seinem Vater reden muss, aber er sagt: „Na gut, dann muss ich da wohl durch.“ Emma: „Genau, das schaffen Sie schon.“ Beide verabschieden sich und Emma konnte aus der Zeitung zwei Wochen später vernehmen, dass Ingo seine Geschäftsidee doch verwirklicht hat und dabei von der Polizei ertappt wurde, allerdings stand auch in der Zeitung, dass der Herr Papa sofort ein riesiges Sümmchen für den Freikauf seines Sohnes zur Verfügung gestellt hat. Ob das wohl das letzte Mal gewesen war, dass Ingo Ärger mit seinem Vater und anderen bekommen hat, bleib wohl offen, aber man kann hoffen.

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