Losreißen von gewohnter Umgebung - Meine neue Welt (Appetizer 4)

von Ben Bayer
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Die Anfänglichen Tage gut - und ohne großen Jet-Lag - überstanden, waren die letzten Tage doch schon wieder fast nervig. Autosuche war das vorherrschende Thema. Nachdem ich einige Barracken nicht wollte, für manche schönen Vans zu spät war und vor allem meine "Honey Bunny" nicht ergattern konnte (eine Hommage an Tarantinos "Pulp Fiction" mit cooler Lackierung, ein Toyota HiAce mit PopTop), werde ich wohl morgen endlich im Besitz meines eigenen kleinen Vans sein. Es ist ein Toyota LiteAce und somit quasi die kleine Schwester von Honey Bunny.

Die Verkäufer von „Little Honey Bunny“ sind ein junges, deutsches Pärchen, und die Innenverkleidung samt Bett von ihnen selbst gebastelt. Das Bettgestell sieht recht klapprig aus. Doch wenn es ein junges Liebespaar zwei Monate lang aushalten konnte, wird es wohl tauglich sein.

Trotzdem werde ich wahrscheinlich umbauen. Zuallererst wird die riesige Luftmatratze weichen müssen. Sie lässt keinerlei Platz für irgendetwas anderes im hinteren Teil des Vans. Geplant ist ein trennbares Bett, das in Einzelbett nebst Abstelltisch bzw. versenkte Sitzgelegenheit verwandelt werden kann. Mal sehen, ob das handwerkliche Geschick dafür ausreicht.

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Endlich kann es richtig losgehen. Die erste Nacht im neuen Heim kann kommen. Und in den folgenden Tagen kann die vierrädrige Unterkunft dann unterwegs noch etwas heimeliger gestaltet werden.

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Heute Morgen sehe ich nach dem Aufwachen nur ein einziges anderes Auto auf dem Parkplatz an der hübschen Bay in Christchurchs Stadtteil Bromley. Drinnen erwacht gerade ein junger Typ. Ich nicke ihm freundlich zu. Kurz drauf steht er neben mir und fängt an, schier ohne Pause zu reden. Das alles noch vor meinem Frühstückskaffee. Ich bin nur mäßig gesprächig und lasse ihn erstmal erzählen. Und das tut er wie selbstverständlich auf Deutsch, schon bevor ich meine ersten Worte an ihn richte. Als wüsste er, woher ich komme. Überhaupt redet er so, als würden wir uns schon lange kennen.

Ich sehe ihn zum ersten Mal. Etwas amüsiert biete ihm einen Kaffee an, den ich gerade zum ersten Mal mit Gaskocher und Plunger zubereite und er freut sich sichtlich darüber. Im Laufe des Gesprächs wird mir klar, dass er mich mit irgendjemandem verwechselt, den er gestern getroffen hat. Allerdings will er mir das nicht so recht glauben. Moritz ist jetzt seit acht Wochen hier in Neuseeland. Durch ihn bekomme ich einen Vorgeschmack darauf, was dieses freie Leben hier auch mit mir noch so anstellen mag.

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© Ben Bayer

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