Radio mit Whatsapp

von JU63 -
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Das erste Mal

Letztes Jahr, es war Pfingsten, meine Frau und ich hatten unseren Sohn mit Freundin zum Grillen eingeladen. Als Gastgeber und Grillchef war doch mal hier und da etwas zu tun. Unterwegs in meine blau weißen Badelatschen, dann war da die Rasenkante. Ein lautes Knacken, Schmerz, Schmerz und noch mal Schmerz, sowie das Lachen der Anderen.
Meine Schwiegertochter in Spee, gelernte Krankenschwester, tepte mir den kleinen Zeh am nächsten Zehen fest. Zur professionellen Behandlung fuhren wir erst am nächsten Tag ins Krankenhaus, „Zeh gebrochen!“
Jetzt war sie da, Zeit, schönes Wetter zum draußen sitzen und Radio zu hören.
Radio bestand für mich bis dahin aus Musik, Nachrichten und Verkehrsmeldungen. Klar muss man wissen, wo die Wächter der öffentlichen Ordnung und deren behördliche Stellvertreter für geschwindigkeitsübertretende Autofahrer ihrer Fallen aufstellen, um Geld in die öffentlichen Kassen zu spülen oder vielmehr, den verkehrserzieherischen Zeigefinger mal hoch zu halten.
Bei uns lief immer Sonnenschein Radio, ob früh, mittags, am Nachmittag oder Abend. In der Frühsendung wechselten sich wöchentlich Jeanette und Simon als Top Moderatoren ab. In der Woche meine schmerzlichen Missgeschick war Simon am Mikrofon.
Simon ist ein ideenreicher, wortgewandter und schlagfertiger Mann. Mit seiner Art fällt es ihm nicht schwer, Menschen am Radio oder in Telefongesprächen
mitzureißen.
Mir war aufgefallen, er hatte einige Male seinem Kumpel Bruno aus der Nachrichtenredaktion im Studio behalten. Dieser Bruno war ein guter Nachrichtensprecher, aber dem schlagfertigen Simon oft nicht gewachsen. Simon schlug Bruno einen coolen Spruch oder einen Witz um die Ohren und er konnte nicht so schnell reagieren, da lief schon der nächste Titel. In einem Kindermärchen hätte man Fuchs und Bär agieren sehen.
Ich dachte mir, „Mal sehen, ob man dies nicht an die Beiden schreiben kann?“ ,suchte in meinem Handy die Homepage vom Sonnenschein Radio und schrieb das erste Mal in dieser Form an einen Nachrichtensender.
„Ich finde es toll, wenn die Beiden sich so schön necken“.
Nach den nächsten Nachrichten der vollen Stunde teilte Simon mit, „Wir haben elektronische Post“, brachte meine Aussage wie geschrieben rüber.
„Das gibt’s doch nicht“, so funktioniert es also, dachte ich.

Mein Zeh war wieder zusammengewachsen, wir waren zu zwei Hochzeitsfeiern eingeladen. WhatsApp hatte ich noch nicht so lange auf meinem Smartphone. Meistens wurde von zu Hause aus an meinen Sohn oder Freunde geschrieben, war nur über WLAN online.
Auf einmal hieß es, „Wir Sonnenschein Radio, sind jetzt Radio mit WhatsApp. Sie können uns gerne schreiben, Fotos und Videos schicken“.
Während der ersten Hochzeitsfeier, zu der wir eingeladen waren, gab es eine lustige Begebenheit. Zur Film Musik von Dirty Dancing wurde die Braut von drei Leuten hoch gehoben und vor dem Bräutigam gehalten. Es war eine so tolle Stimmung und wir lachten Tränen, es wurde fotografiert.
Dieses Erlebnis wollte ich per Sprachnachricht verschicken. Irgendwie gelang es mir nicht richtig, da nach 9 Sekunden die Nachricht abbrach. Deshalb wurde noch eine zweite hinterher geschickt, „Die Hebefigur aus Dirty Dancing hat auch noch nicht so richtig geklappt.“
Vermutlich gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht so viele Kontakte. Dieser Teil meiner Nachricht wurde gesendet und für einige Zeit in die Werbung für Sonnenschein Radio mit WhatsApp eingebaut. Von nun an war mein Interesse verstärkt geweckt. Es galt beim Radiohören möglichst viel vom Reden der Moderatoren, zwischen den Musiktiteln, gedanklich aufzunehmen. Ich wollte mitreden und schreiben können.
Aufgrund meiner Arbeit ging in die Nachrichten meistens zwischen fünf und sieben Uhr oder in einer Pause ab. Textnachrichten wurden auch nachmittags verschickt, da reagierte Radio Sonnenschein aber nicht so oft darauf. In einer Antwort hieß es einmal, „Hier ist die studentische Aushilfe“. Für mich war klar, Frühsendung die Moderatoren, nachmittags die Studenten.
Bei den Studenten gab es recht unterschiedliche Typen, einige waren gern bereit auf Fragen zu antworten und es macht Spaß mit ihnen zu chatten.
So wurde ich ein Simon und Bruno Fan, schrieb meistens dann, wenn die Beiden auf Sendung waren. 
 Simon sagte gelegentlich zu Hörern, „Du gehörst zur Radio Sonnenschein Familie“.
„Da würde ich auch gerne dazugehören“, ging es mir durch den Kopf.
Die Idee schlich sich ein, Radio Sonnenschein könnte man vielleicht ansehen, eventuell mit Simon reden. Ich schrieb eine E-Mail in das Studio und fragte wegen meines interessanten, ungewöhnlichen Anliegens.
Simon antwortete mir jedoch überraschender Weise, es wäre gar kein Problem.
 In meiner Firma gestatte mir hat der Chef, den 1. November als freien Tag zu nehmen. Als Gag für Bruno und Simon hatte ich mir etwas einfallen lassen. Ein Shirt mit dem Logo vom Sonnenschein Radio, sowie der Aufschrift Bruno und Simon, wurde für diesen besonderen Tag geordert.

Mein Besuch bei Simon
Am 1. November sehr zeitig aufgestanden, sollte man ein Treffen 5:30 Uhr am Sender vom Sonnenschein Radio sein, trotz der nur wenig geschlafen Stunden.

Nach meiner Ankunft am Sender und Parkplatzsuche, ging ich zum Eingang. 
 Eine Frau begrüßte alle Eintreffenden, ausschließlich Mitarbeiter, die mit Zugangskarte ins Gebäude kamen. „Guten Morgen, mit Simon habe ich gesprochen, darf in das Studio und mir alles ansehen“, teilte ihr ich freundlich mit.
Sie erwiderte, „Tut mir leid, ich weiß davon nichts.“ 
 „Sollte meine Vorbereitung und Aufregung umsonst gewesen sein?“
Kurz vor halb sieben sagte die freundliche Dame,
„Ich gehe mal im Studio fragen.“
Die nette Frau kam wieder, brachte mich zum Studio.

Simon begrüßte mich freundlich, hatte meine E-Mail nicht gelesen, in der ich ihm den 1. November genannt hatte.
Bruno betrat das Studio. Wir stellten uns gegenseitig vor und machten ein Handy Bild. Beim Fotografieren sagen viele das Wort „Cheese“ wegen des Lächelns. Simon sagt ein Wort, welches bei mir in der aller untersten Schublade lag, nie ausgesprochen wird. Mit der Geschwindigkeit eines Bob Schlittens im Eiskanal, ging meine Sympathie für Simon nach unten. Trotzdem ließ ich mir nichts anmerken.
Simon erklärte mir dann ein wenig von seiner Arbeit und der Technik vor ihm. Dann kam der alles entscheidende Satz, „Radio spielt sich vor allem im Kopf ab“. Dies begriff ich

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