Das Ende bevor das Neue beginnen konnte

von Karin Sophie
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„Überall auf der Welt wurden Nester bestehend aus ca. Zehn Eiern gefunden, welche so groß wie Autoreifen waren.“.........“Sie tauchen mittlerweile schon an mehr als 100.000 Orten auf.“.........
“Heute morgen hatte ein Fischer in Jamaika ein Ei in seinem Netz.“.........

So fing alles an, so berichteten die Medien darüber, mehr oder weniger gezwungenermaßen. Natürlich hatte das Militär zusammen mit den Regierungen auf der ganzen Welt versucht es zu verheimlichen, aber es waren einfach zu viele, zu viele Zivilisten hatten diese Eier entdeckt und so gab man dem Volk was es wollte, in kleinen, kontrollierten Portionen.
Keiner wusste woher sie so urplötzlich kamen und vor allem von wem und so machten sich Forscher mit dem größten Vergnügen an die Eier.
Beobachteten, machten Messungen, Untersuchungen und entschieden sich schließlich dafür ein paar aufzubrechen. Anscheinend war das was sie darin gefunden hatten zu schrecklich um es uns Normalos zu berichten, deshalb erfuhren wir nur, dass die Versuche schief gegangen seien und man sich einstimmig dazu entschlossen hatte alle Eier weltweit zu zerstören. Es musste wirklich sehr gefährlich gewesen sein, damit alle einheitlich für die Vernichtung des uns noch damals noch unbekannten Inhaltes waren.
Lustig...Okay, es war nicht lustig, aber Karma fickt jeden, denn die 100.000 bekannten Nester waren eine Untertreibung, im Nachhinein müssen es an die 1.000.000 Nester gewesen sein, wohl bedacht mit jeweils 10 Eiern, denn nach ungefähr einem Jahr schlüpfte das was in ihnen war.
Und mein Gott ja, das Militär hatte wirklich gut daran getan gehabt sie zu zerstören, denn wer konnte schon damit rechnen, dass plötzlich wieder Dinosaurier auf der Erde waren, und sie waren verdammt nochmal sehr scheiße gelaunt, zuzüglich den Pflanzenfressern, die mit ihrer Masse und Körpergröße genauso tödlich wie die „Scharfzähne“ waren. Ebenso zu unserem Leidwesen verlief ihre Entwicklung nicht normal, sodass sie innerhalb von ein paar Monaten schon vollkommen ausgewachsen waren und im vollem Ausmaß vor uns standen, ungefähr zu dem Zeitpunkt entdeckte man sie auch in Zahlen. Dann brach selbstredend der dritte Weltkrieg aus und jegliche effektiven Waffen die wir hatten wurden ausgegraben. Sorgen um menschliche Verluste wurden nicht gemacht, Hauptsache der Feind starb, hierbei verlor auch ich meine Familie und alles was ich hatte. Dennoch, ihr könnt euch ausrechnen wie viele es von ihnen waren auf den Land und im Wasser, jedenfalls zu viele. Und abermals zu unserem Leidwesen vermehrten sie sich wie die Karnickel und durch ihre rasante Entwicklung, wäre es ein nie endender Krieg geworden, beziehungsweise hätte wir Menschen irgendwann verloren.
Die Menschen die nicht gefressen, oder zerbombt wurden suchten Schutz in den Untergrundmetropolen der U-Bahnen, oder zum Beispiel in alten Bergwerken, denn unser einziges Glück bestand darin, dass es nur große Dinosaurier gab, sodass keiner von ihnen in unsere Lager rein passte.
Überraschend angenehm und nicht hierarchisiert, so wie man es aus den ganzen Hollywoodfilmen kannte, war der Zusammenhalt der Menschen. Man kümmerte sich um seinen Nächsten und teilte liebend gerne sein Abendessen, denn zumindest ich war froh hier unten in Sicherheit zu sein und überlebt zu haben, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich jemals wieder angstfrei an die Oberfläche gehen konnte.
Mit dem Essen holen lief es wie folgt ab: Abwechselnd ging eine kleine bewaffnete Gruppe raus aus unseren „Bunkern“, auch wenn die Waffen ein Witz gegen den Feind waren, so gaben sie einem doch ein Gefühl von Sicherheit. Dann wurde so schnell wie möglich alles essbare gesucht, selbst wenn es nur Gras war. Am besten war es, wenn man totes Fleisch entdeckte und ich schreibe mit Absicht nur Fleisch, denn es stammte nicht immer von Tieren.
Wasser bekamen wir jedes mal bei Regen über eine selbstgebastelte Rinne.
Zum Überleben reichte das alles aus, zum Leben allerdings nicht.
Auf unseren Touren an der Oberfläche entdeckten wir immer wieder eine neue, unbekannte, eigenartige Pflanze. Ihr Aussehen glich dem von Schilfrohr, nur waren die Blütenköpfe wie Federn und sie schimmerte in einem hellen Blau. Anfangs sah man sie nur vereinzelt am Wegrand wachsen, doch nach ein bis zwei Jahren gab es plötzlich ganze Felder von ihr. Wir nannten sie Alien, da sie aussah, als ob sie nicht von dieser Welt stammte. Irgendwann berichtete eine Gruppe von „Essensholern“ sie wurden von einem Dino entdeckt und gejagt, bis sie in ein Feld von den Aliens gerannt waren, dann blieb der Menschenfresser davor stehen und brüllte fürchterlich. Endlich hatten wir gedacht die unschlagbare Waffen gegen unsere unwillkommenen Gäste zu haben und gaben die Entdeckung sofort per Funk an unsere anderen Siedlergruppen weiter, bis hin zum Militär. Doch als ein paar mutige sich trauten nur mit Aliens bewaffnet raus zu gehen, kamen sie nie mehr wieder. Kurze Zeit darauf gab das Militär die Meldung durch, dass die Pflanze nutzlos sei und die aufkeimende Hoffnung auf ein besseres Leben wurde sofort wieder erstickt.
Allerdings boten die Felder dieser Pflanze immer noch Schutz, wenn man in ihnen Zuflucht suchte. Und so gingen die Jahre auf und ab, man hatte sich schon an alles mehr oder weniger gewöhnt gehabt und versuchte sein Leben danach auszurichten. Ich weiß nicht ob ich glücklich war, ich weiß nur, dass ich irgendwann nicht mehr traurig war, vielleicht war ich abgestumpft, vielleicht war ich aber auch nur zufrieden mit dem was ich hatte und am Leben zu sein. Es war ein komischer Zustand der Menschen, viele haben sich selbst umgebracht, viele entwickelten ein ganz neues Ich ihrer Selbst und wiederum viele hatten Wahnvorstellungen. Allgemein war der Grundton sehr drückend, da keine Hoffnung mehr in Aussicht war. Ich hatte aufgehört zu reden, dass was es zu erzählen gab war nur traurig, oder depressiv und draußen auf der Suche nach Essen musste man eh Mucksmäuschenstill sein. Also wieso noch Energie an Worte verschwenden? Ich wusste nur, dass ich irgendwann alles aufschreiben wollte und so machte ich mir stetig Gedanken darüber was wichtig war aus meiner Sicht der Dinge und was nicht.
Kommen wir nun zu dem wohl skurrilsten Ereignis der Geschichte der Menschheit, dass was schon so oft in Filmen gezeigt wurde und nachdem Astrophysiker seit Jahren vergeblich suchen. Das leben aus dem All.
Ohne jede Vorwarnung erschienen Unbekannte Flugobjekte am Himmel und landeten bedenkenlos auf unserer Erde. Natürlich brach erst Panik aus, jeder dachte sie würden uns angreifen, es kommt noch ein Feind dazu bla, bla, bla. So Paranoid wie wir Menschen eben sind. Natürlich hatte sich das ganze Militär um die Raumschiffe formatiert, jederzeit bereit loszuschlagen, aber als ob wir sie besiegen konnten, wenn wir es nicht einmal mit Dinosauriern schaffen.
Später gab es hunderte von Filmaufnahmen von diesem einen Moment.
Sie stiegen leichtfüßig von Bord, groß, schlank, ohne Haare, sie trugen lange einfarbige Gewänder, wahrscheinlich je nach Rangordnung einer anderen Farbe zu geordnet, wer Männlein, oder Weiblein war konnte man ihnen nicht ansehen. Sie schauten uns kurz in die Augen, nahmen uns war und gingen dann ohne zu reden zu der Alienpflanze, sie ernteten sie Körbeweise ab, auf Fragen unsererseits reagierte keiner von ihnen, sie schauten uns nicht einmal mehr an. Einer von ihnen kam nach einer Weile über den Steg ihres Raumschiffen gelaufen und hielt ein Schild mit einer durchgestrichenen Waffe hoch in die Luft. Das anschließende Aufatmen hörte man wahrscheinlich auf der ganzen Welt, sie kamen in Frieden. Dennoch, keiner wollte sich ihnen nähern, nicht einmal das Militär und so standen wir alle im Schutz der Pflanze und schauten unseren neuen Gästen bei ihrem tun zu. Komischerweise war kein einziger Dinosaurier in Sichtweite, es war totenstill. Immer wieder trugen sie ihre vollen Körbe ins Mutterschiff, kamen daraufhin erneut zurück und wiederholten das Ganze wortlos. Sie verscheuchten uns friedlich von unseren Plätzen bis wir irgendwann am Rande eines leeres Feldes standen. Daraufhin gingen sie alle für fünf Tage an Bord und man bekam keinen Muckser von ihnen mit, bis sie ihre Luken abermals öffneten, hinausmarschierten und uns genug Patronen für all unsere Waffen aushändigten. Anschließend erklärten sie anhand von Bildern auf lustige und unbeholfene Art, dass wir damit auf die Dinosaurier schießen müssen, dann könnten sie keine Eier mehr legen und wir könnten sie somit ausrotten. Wenn wir die weiteren Bilder richtig gedeutet hatten, dann haben sie uns schon länger beobachtet und fanden es sei nun an der Zeit einzugreifen und zu helfen. Doch mehr konnten wir nicht fragen, erforschen oder herausfinden denn sie schlossen ihre Luken und flogen sofort wieder zurück ins Universum, keiner wusste woher sie kamen, wer sie waren und warum sie uns geholfen hatten.
Natürlich benutzen wir alle sofort die neuen Patronen und nach erneuten zwei Jahren bitteren Krieg, war unsere Mutter Erde wieder Dinosaurier frei und ein paar Monate danach vertrocknete auch die Alienpflanze und verschwand schließlich wieder voll und ganz.

Schlussfolgernd war die Welt besser, als sie noch da waren. Nun mussten wir beim Aufbau der Trümmer helfen und wer hätte gedacht dass ich sie jemals vermissen würde. Damals wusste wenigstens jeder was er zu tun hatte, wo er sich unterzuordnen hatte und die einzige Sorge bestand darin, wie man sich das nächste Essen beschafft und dabei überlebte.
Es war mehr als nur anstrengend, überall die weinende Menschen auf der Suche nach Angehörigen, Freunden oder Liebsten, Politiker stritten sich über neue Regierungen und Gesetze, dass ganze Ausmaß kam nun erst zum Vorschein, es war gleichermaßen deprimierend, als auch gleichsam Schwarz und kotze mich an. Aber man musste weiter machen, nicht wissend wann wieder normales Leben einkehren würde, was auch immer normal war. Für mich war es nach fast einem Jahrzehnt der Krieg. Und so endete es, bevor das Neue beginnen konnte.

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Kommentare

27. Dez 2017

So weit wird es wohl kommen müssen, vor dem Begreifen!

Lieben Gruß
Sven