Das Gefäß

von Christof Bauersch
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Es war nun endgültig zerbrochen.
Da lag es, das zerborstene Herz.
Noch ein leichter Schimmer seiner so wunderbar zarten Gehäuse Häute
schwebte über dem Schlachtfeld.
Was war denn geschehen?

Das Gefäß, es dachte, nicht geliebt zu sein, glaubte fest, dass es nicht liebenswert, nicht schön sei.
So schleuderte es seine Gaben, seine guten Fähigkeiten und Schönheiten hinaus, wie Waffen.
Stattdessen füllte es sich mit Dingen der Vernichtung, des Unglaubens. Die Gedanken regierten das Herz.
Der Verstand verstand nicht mehr.
Begreifen konnte es nicht. Was es auch tat, es fühlte sich nicht gut ,nicht ganz an.

Hoffnungen auf Hingabe, Leidenschaft und Wahrhaftigkeit, sie verkümmerten. Stattdessen überfielen es Überheblichkeiten, Kälte. Eisblöcke stießen sich in die Wandungen das Gefäßes, formten mit ihren spitzen Ecken schmerzvolle Krusten der Verachtung und der Unlust.

Suchte, suchte, suchte !
Was war denn noch möglich ?
Gestopft mit Unwürde, Selbsthass, Erfolgsgeilheit, egozentrischer Verblendung und einem letzten Hilfeschrei zur Welt, zersprang es dann endlich.

Nun liegt es da, das Herz.
Aber, wie schön.
Ich liebe es zum ersten Mal.
Ich verstehe endlich.
Das Herz, es ist nicht schuld.
Es ist gut.
Was ich ihm gegeben habe, das hat es zerstört.
Nun, da ich ja weiß, dass ich dich liebe, werde ich dich mit den zartesten, edelsten Stoffen meiner Liebesfähigkeit und meiner Kreativität, endlich annehmen. Dich bejahen,
denn Du bist ein Gutes, ein Schönes.
Du bist mein Herz.

Für Chris

Dein Hirsch.

Hörbuch:

Gesprochen,Text und Musik: C.Bauersch
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