„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
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Ich ertappe mich immer wieder, dass ich mich oftmals mit der Vergangenheit auseinandersetze.
Allerdings nicht mit meiner eigenen, sondern mit der Geschichte, deren Errungenschaften und den Großen, die diese Welt entscheidend geprägt haben und bis heute in unser kulturelles Leben hineinwirken. Lebe ich, oder besser formuliert, beschäftige ich mich zu sehr mit Geschichte, vernachlässige ich Gegenwart und zukünftige Ausrichtungen? Diese Frage stelle ich mir manchmal.
Wenn ich den blauen wolkenlosen Himmel betrachte, spüre ich Bewegung, Veränderung, eine innerliche Neugierde, die befreit werden will und das Unbekannte herausfordert. Theorien wollen bewiesen werden. Einfach loslaufen und austesten, was hinter vielem noch steckt. Ich habe nie in klein karierten Systemen gedacht, sondern weltoffen und Dinge weltweit auf mich wirken lassen. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (…..); seit Monaten hören wir diesen Satz aus Hermann Hesses „Stufen“.
Gerade jetzt wieder von der Bundeskanzlerin in ihrer Harvard Ansprache bei der Verleihung ihrer Ehrendoktorwürde. Sie hatte diesen Satz in der nahen Vergangenheit diverse Male in politischen Statements erwähnt und es scheint, dass andere Politiker sich dieser Wortwahl im Bundestag bedienten. Auch die Presse hat zu verschiedenen Themen auf Hesses Anfangszauber in Artikeln künftiger Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zurückgegriffen.
Als ich vor einigen Jahren das Gedicht lass, hatte es mich sofort vereinnahmt. Ich konnte mich mit jeder Strophe identifizieren was Leben, Denken, Hoffnung, ja was Bewegung im Einzelnen bedeutet.
(… ) „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, wird lähmender Gewohnheit sich entraffen!“ ( …). Dieser Satz hallt mir immer nach, ermahnt mich stets dazu aktiv neugierig zu sein. Platon und Aristoteles staunten darüber, dass wir leben, dass etwas ist oder vielmehr nichts, nichts ist. Geburtsstunde der Philosophie im westlichen Kulturkreis.
(… )„Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegenbringen“ (…), heißt, dass wir selbst im hohen Alter uns der Lähmung entraffen sollen. Dass das Staunen und Erleben bis zum letzten Atemzug uns in Bewegung hält und das auf eine ganz besondere Art. Ja, es hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich innerlich auch erfrischt:
„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“.

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Kommentare

01. Jun 2019

Ja, der große Hermann Hesse, Stufen, ein Gedicht, das gerahmt über meinem Bett hängt, „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ … der sich nur leider immer wieder zu schnell verflüchtigt … und einfach los laufen und austesten, was hinter Vielem noch steckt, das möchte auch ich im mir gesetzten Rahmen bis zum Schluss so halten. Jürgen, Du hast mich berührt mit Deinen Zeilen.

LG zu Dir – Marie

02. Jun 2019

Es gibt Gedichte, die nachhaltig wirken. Sie ermahnen zur Einsicht und spenden Trost. Jeder hat da sicherlich seine Lieblingsverse auf die er gerne in besonderen Situationen zurückgreift. Eine Art verinnerlichtes Mantra, könnte man sagen.
Auch Hesses "in Sand geschrieben" hat so eine wunderbare Wirkung.

Vielen Dank für deine Worte und sonnige Tage.

Grüße aus Tunesien.

Jürgen

01. Jun 2019

Bedeutsam, sowie licht und leicht machend, deine Worte, lieber Jürgen!
LG Uwe

03. Jun 2019

Danke dir Uwe! Ich mag deine lockere und leichte Art Kommentare zu verfassen. Dafür bin wahrscheinlich noch viel zu verklemmt zu.
Beste Grüße aus Tunesien

Jürgen

03. Jun 2019

Tunesien!
Wie heiß scheint da die Sonne (und bist du bei 40° C noch du selbst?)
Aber du scheinst keinesfalls "verklemmt", sondern in angenehmster, lebendig machender Temperatur, lieber Jürgen!
LG Uwe