auftauchen

von stefan sch
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Ich wache auf. Nein ich stehe nicht auf. Ich wache auf und liege und warte gespannt, aber nur kurz. Steil kommt sie angeflogen, die Übelkeit. Hat mich und enttäuscht mich nicht. Der kurze Moment vor dem Anflug von Übelkeit ist es, der den Tag verlässlich beginnt. Es ist dieser kurze Abschnitt, wirklich kurz, ein paar Sekunden vielleicht. Aber es ist ein Abschnitt, denn er steht in sich geschlossen mit absehbarem Ende und klar erfahrbarem Inhalt. So anders als alles danach. Es ist dieser Zustand, nach dem man wach wird und aus dem Traum an die Oberfläche taucht und während man noch mit den Füßen antreibt, der Kopf aber das Wasser verlässt, steigt einem die Übelkeit nach und fährt in den Magen, den Kopf und formt das Gesicht. Der Fels in der Brandung einer hochflexiblen Welt. Es kommt die Angst, dass alles gestrige einerseits verloren und dass das Passierte, das was war zerstörte und vor sich treibt was nicht treiben sollte. Es ist diese Übelkeit,die den Tag in einer Weise vorbereitet, die ich ablehne. Gegen die ich kämpfe, aufbegehre, nicht begehre was sie mir bietet. Sondern begehre was mich von ihr abwendet. Manchmal möchte ich mit der Übelkeit alleine sein, sie wächst nicht alleine, sucht ihre Kost in der Situation. Die Vielfalt der menschlichen Interaktion lädt sie zur Tafel und füttert sie. Sie ist der Freund jener, die sich selbst der Nächste sind, deren reiche Hand nur sie und sich selbst füttert. Und trotzdem stehe ich auf. Um der Entscheidung willen, die Entscheidung zu treffen.

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