Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 4

Bild von Jurones
Mitglied

Seiten

kann Tim Käufer nicht und er muss diese Szene abbrechen:
»Auf dem Zettel ist die Adresse, wo Sie sich beschweren können. Bitte schriftlich oder per E-Mail. – Bitte geben Sie mir jetzt die Ruhe, ich möchte weiterarbeiten.«
Etwas weit Schlimmeres erlebte Tim Käufer als Parkhauswächter hier und hier ist er geblieben, obwohl die Kundschaft ausschließlich aus solchen Menschen besteht. Die Frau besteht unartig darauf, dass er seinen Namen sagt. Sagen tut er es und die Frau gibt endlich die ersehnte Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm … Der Tag kann heiter werden und muss sich so ändern wie diese Frau. Das Gelaber der Frau geht selbstverständlich weiter:
»Was ist denn das für ein Service hier? – Ich werde nie wieder bei euch parken. Und den Zettel kannst du dahin schieben, wo er hinpasst, mein Freund. Nie mehr werde ich mich hier blicken lassen und bald sehen wir uns wieder!«
Wieder wird das Reden überschätzt und solche Sätze hört man hier oft. Oft antwortet Tim Käufer so:
»Es freut mich, dass Sie mich nicht mehr besuchen werden.«
Solche eine Frechheit und so eine Bemerkung hat sie nicht erwartet. Wahrscheinlich ist es ihre Gewohnheit, wenn sie den Unmut an anderen Menschen auslässt. Aller Voraussicht nach zeigt diese Frau ihre Unverschämtheit nur da, wo man es duldet und sich dafür entschuldigt: in einem Supermarkt. Verstehen tut die Frau gar nichts und sie muss dementsprechend handeln. Sie spricht zornig weiter:
»Den Arsch hochkriegen werde ich! – Noch heute werde ich zum Anwalt gehen und schon bald sehen wir uns vor Gericht.«
Den Beschwerdezettel zerknittert die Frau und beim Gehen schmeißt sie ihn gegen den Hafen-Container. Eine Arbeitsaufgabe wurde somit erschaffen und der Beschwerdezettel muss aufgehoben und entsorgt werden. Sorgen hat Tim Käufer nicht. Abgehärtet und resistent gegen den Stress ist er und solche Szenen spielen sich hier öfters ab. Ab einem gewissen Zeitpunkt schafft man sich ein dickes Fell an und wird dadurch unempfindlich und emotional kälter.
Der zerknüllte Zettel liegt noch da und muss den Müllbeutel finden. Finden muss den Zettel Tim Käufer nicht und er hebt ihn auf. Beim Aufheben sieht er die Wandschmiererei an, wo sie deutlich zu sehen ist: „Höhöhö Marty McFly, Axel C. Englert und Alligatoah wäaren hiiiöör! Höhöhöhö!“ Dabei entdeckt er etwas, was einen Zusammenhang mit der Frau herstellt: Die Frau sagte, dass „wir uns vor Gericht sehen“ werden. Solche Strophen verwendete der Alligatoah in seinem Song namens „Vor Gericht“ . Ein Bündnis und wahrscheinlich ein unbedeutender Zufall … Es ist ein Fall für Sherlock Holmes, damit jemand sich für den Vandalismus rechtfertigen muss. Einer muss es gewesen sein, der diese Gewandtheit durch Kunst dargestellt hat. Dabei stellt sich die Frage, wann das Graffiti entfernt werden soll. In der nahen und fernen Zukunft wird diese Herausforderung angenommen, die sicherlich viel Zeit rauben wird. Ein Kiosk ist hier in der Nähe und das Rauchen ist für Tim Käufer bedeutend und wichtig, weil jede Arbeit eine Pause braucht. Ohne Rücksicht auf die Gesundheit verschlingt er täglich zwei Zigaretten-Schachteln und bezeichnet es als Angewohnheit. Hätte diese Arbeit keine Dauer-Pause, wäre der Bedarf an Zigaretten sehr gering. Mit Herz und Seele kann ein Arbeitstag beginnen, und zugleich bedeutend werden die Pausen mit Rauchen belohnt. Das Feuerzeug und die Zigarettenschachtel sind verloren gegangen und der Stundenlohn bietet die Möglichkeit, ein billiges Feuerzeug zu erwerben. An die Arbeitsregeln muss man sich dann halten, wenn es welche gibt. Gibt eine Arbeit einem die Freiheit und Ungebundenheit, so bindet man sich mit der Faulheit an und zuverlässig wird die Arbeit unbedeutend vernachlässigt, weil jede Faulheit die Ruhe und Stille liebt. Lässig kann diese Arbeit nicht werden, jedoch nur dann, wenn man alle Arbeitsaufgaben mit viel Aufwand erledigt hat. Noch muss das Parkhaus einen blitzesauberen Zustand erreichen und ohne das Rauchen geht nichts! Also macht Tim Käufer sich auf den Weg und ein Kiosk-Laden ist nicht weit entfernt. Besorgnis und Rücksicht verspürt er nicht, denn seinen Arbeitsplatz verlässt er manchmal zu oft … Auch sein Name ist irgendwie passend dazu. Der Einkauf soll nicht viel Zeit benötigen und auf dem Rückweg kann er die Kippe sorglos aufrauchen. Gut gebrauchen kann er das kleine Glück, das sicherlich nicht alles verderben kann, wenn er seinen Arbeitsplatz willentlich verlässt. Viele Ausreden hat sein Arbeitgeber in den letzten Jahren von ihm gehört und viele Gründe sind schon ausgesprochen worden, die man nicht mehr wiederholen soll. Vielleicht werden das Pech und das Unglück heute auch eine Pause einlegen und jeden einfach nur verschonen, damit Frieden und Ruhe all die Arbeit erledigen können. Schon sind ein paar Minuten vergangen und die Zeit rückt immer näher. Stets lässt Tim seine Arbeitsmaterialien im Hafen-Container liegen und überlegt währenddessen noch, ob er sich umziehen soll. Sollte er erwischt werden, muss ein aussagekräftiger Grund benannt werden, der viele Konsequenzen und Probleme entlasten soll. Für die Arbeit hat er viel Kraft und Energie, und für das Rauchen und seine Angewohnheit bringt er wahre Lebenskraft mit sich. Mit Kräften und Schwung läuft er durch das Parkhaus und die Baumblätter fliegen bezaubernd mit ihm. Er rennt rasend durch das Parkhaus über den Teppich der Natur und die Strecke ist nicht lang, sondern kurz und irgendwie auch gedehnt. Wie ein Marathonläufer läuft er durch das Parkhaus und sein Ziel ist das ersehnte Kiosk und unzählige Zigaretten. Durch die Ausfahrt kommt er auf die Straße und dort beschleunigt er noch schneller! Würde auf der Straße ein Auto-Blitzer stehen, so hätte man diese Momentaufnahme für die Ewigkeit. Heiter und zugleich fröhlich wirkt er beim Rennen: Seine Arbeitsklamotten sind beschmutzt und durch die Kehrmaschine mit Benzin-Flecken verdreckt und die Kleidung sticht betörend aus der Masse hervor … Wenn das Leben zu schnell vorbeizieht, sollte man hinterherrennen und alles überholen, was die Gegenwart zu bieten hat. Einholen kann der Tod am Ende dann niemanden, sondern nur vergeblich warten, dass jemand heimkehrt oder sich verläuft. Die Strecke ist für Tim Käufer nicht ungewöhnlich, sondern eher vertraut und auch alltäglich. Täglich bringt er guten Umsatz für den Kioskbesitzer rein und selbstverständlich ist er dort ein erwünschter Gast. Am Ende der Straße befindet sich

Lektor: Axel C. Englert

Seiten

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise