Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 7

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Benzin muss gebracht werden. Nur noch diese paar Meter wird es die Kehrmaschine sicherlich noch schaffen … Noch mehr Geld ist vonnöten, denn das Rauchen ist eine kostspielige und sehr teure Angewohnheit! Die Geldausgabe für die Kehrmaschine wird durch den Betriebsleiter sorgfältig überprüft und eine kleine Geldsumme wird monatlich bereitgestellt. Bereits mehrere Male hat Tim Käufer dieses Budget überzogen, er finanzierte die Kehrmaschinen-Fahrt auf eigene Kosten. Der Monat hat vor ein paar Tagen begonnen und somit kann er das Geld für Benzin in Anspruch nehmen. Mitnehmen muss er seinen MP3-Player und die Boxen nicht. Die lässt er bei der Kehrmaschine liegen und rennt mit der Zigarette im Mund durch die Tiefgarage. Höher muss er rennen, um ins Parkhausbüro zu gelangen. Das erste Parkdeck wurde geschafft und der Hafen-Container lässt sich erblicken. Währenddessen stehen vor dem Hafen-Container ein paar Persönlichkeiten, die als Kunden gewisse Meinungsverschiedenheiten laut aussprechen. Sie reden über die Wandmalerei, die den Hafen-Container künstlerisch unterstreicht. Unter Unmut und Verärgerung stehen die Kunden und fluchen dabei laut. Ein Gebrauch von Schimpfwörtern wird dort gemacht … Als diese Menschen, Personen und Persönlichkeiten Tim sehen, sehen sie endlich den Menschen, an dem man den Zorn, Ärger und Unmut auslassen kann. Wie gewöhnlich ist ein Streit zu erwarten, wenn die Toleranz zu erwarten ist. Nett empfangen wird Tim Käufer und diese Aufnahme spricht für sich:
»Seit etwa dreißig Minuten stehen wir hier und warten auf Sie! Sie haben hier zu sein, wo wir auf Sie warten … Anscheinend haben Sie ihren Arbeitsplatz verlassen und solches Verhalten muss durch die Arbeit bestraft werden! – Sehen Sie dieses Graffiti … Es muss auf der Stelle weg, sonst werden wir eine Sammelklage gegen Sie einreichen!«
Rauchen ist für Tim eine Angewohnheit und für solche Menschen empfindet er eine Gewohnheit der Dummheit und Intoleranz. Irgendwie muss er die Menschen hier loswerden, damit Ruhe und Frieden wieder einkehren kann. Eine Frau spricht dennoch weiter:
»Weiter kann es so nicht bleiben! Das Parkhaus sieht unsauber aus, und mein Auto muss solch einen Anblick ertragen! Der Kassenautomat auf dem zweiten Parkdeck funktioniert seit Wochen nicht und wir müssen hier warten, bis Sie sich blicken lassen … Seit dreißig Minuten stehen wir hier, damit Sie von uns Geld bekommen.«
Eine missliche Lage und Situation muss nun Tim Käufer offenbaren:
»Leider muss ich sagen, dass Sie hier nicht bezahlen können. Mein Büro hat zwar eine Kasse, aber die ist nur für die Notfälle gedacht. – Dementsprechend müssen Sie einen anderen Kassenautomaten benutzen …«
Mit einer Handgeste zeigt er die Richtung, wo sich der Kassenautomat befindet. Nicht begeistert wirken die Kunden und mit bösen Blicken werden Drohungen ausgesprochen:
»Danke, Arschloch!«
Dankend gehen die Kunden fort und eine Zufriedenheit kehrt zurück. Zum Glück ist die Kehrmaschine ohne Gefühle und kann tagelang und wochenlang warten. Lang wird sein Arbeitstag heute dauern und diese Arbeits-Zeit muss mit Freude am Fahren überbrückt werden. Alles begann früher mit der Kehrmaschine und endete ebenfalls so. Eben waren die Kunde hier und schon sind sie unterwegs. Unter Zeitdruck steht Tim … Geht ins Parkhausbüro rein und nimmt fünfzig Euro aus der Spielzeug-Registrierkasse. Das Geld sollte ausreichen und ist sogar ein bisschen zu viel. Bis der nächste Monat anbricht, muss er mit dem Geld auskommen. Die Kehrmaschine muss damit auskommen und ganz gewiss wird es ausreichen. Zur Not und für die zukünftige Versorgung nimmt er zwei Benzinkanister mit. Mit Körperkraft und aus Gewohnheit hebt er die Benzinkanister zu doll. Obwohl nichts drine ist, ist der Duft im Raum … Der gesamte Hafen-Container riecht danach und sein Pullover ist mit Benzin-Flecken beschmutzt. Bevor er geht, stellt er die Spielzeug-Registrierkasse um und lässt die angeschweißte Tür versehentlich zuknallen. An den Hafen-Container ist immer noch ein Graffiti … „Höhöhö Marty McFly, Axel C. Englert und Alligatoah wäaren hiiiöör! Höhöhöhö!“ Vielleicht ist es eine unbewusste Vorhersehung, die die Bedeutung und Wichtigkeit erst später verraten kann. Wahrscheinlich beherbergt jeder Name seine eigene Botschaft und besitzt einen geheimnisvollen Stellenwert. Obwohl Tim Käufer niemanden von denen kennt, lässt er sich von solchen Vorwarnungen nicht beeinflussen. Nicht er muss überlegen, was dieser Vandalismus bedeutet und auf sich hat. Er muss sich darüber Gedanken machen, wie er es schnellstmöglichst entfernen kann. Schnell und rasend läuft er über das erste Parkdeck. Die Herbstblätter sagen, dass das Wetter heute Regen bringen kann. Diese Monologe und Selbstgespräche beachtet er nicht und er rennt unverwandt weiter. Das Licht geht in der Tiefgarage an und die Musik spielt immer noch weiter. Heiter fühlt er sich, dass die Batterie noch nicht leer ist. Die Tiefgarage schweigt und hört der Musik zu. Er nähert sich der Kehrmaschine mit zwei Benzinkanistern. Noch sind die leer und sehr leicht zu tragen. Bald wird sich der Arbeitsaufwand ändern, wenn die Tankstelle ein paar Tröpfchen Benzin abgibt. Er lässt die Behälter neben der Kehrmaschine stehen und macht die Tür der Abstellkammer auf. Unnützes Zeug kann man hier nicht sehen, denn alles ist hier von Bedeutung und erfüllt den Zweck … Ein Autoreifen, zwei alte Heizungen, ein Gartenzwerg, vier Waschbecken, Ganzkörper-Pappaufsteller von dem Betriebsleiter, ein kleiner Wasserbrunnen, eine Klobrille – und auch ein Fahrradanhänger nimmt einen Platz im Raum ein. Vieles davon kann man wegwerfen und entsorgen, oder vielleicht auch auf dem Flohmarkt verkaufen … Für das Beeilen gibt es für Tim Käufer zwei Gründe: Das Parkhaus muss in Ordnung gebracht und die Kehrmaschine muss für die nächsten Wochen mit Benzin versorgt werden. Ohne Sorgen und Rücksicht montiert er den Fahrradanhänger an die Kehrmaschine Den Anhänger befestigt er an der hinteren Stoßstange der Kehrmaschine und legt die Benzinkanister hinein. Ein reines Gewissen hat er dabei und mit einem Kurzschluss bringt er die Kehrmaschine zum Laufen. Nur noch die Zigarette fehlt, und an diesem Bedarf mangelt es hier nicht! Die Tankanzeige spricht und sagt, dass er nicht viel Zeitabstand hat und er hofft beachtlich, dass die Strecke nicht viel Benzin benötigen wird. Falls doch, dann wird die Route, der Weg zu Fuß zurückgelegt. Die Fahrzeugbeleuchtung ist für die Straße noch nicht bereit und er putzt sorgfältig die Scheinwerfer. Es scheint alles in Ordnung zu sein

Lektor: Axel C. Englert

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