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Die Kunst in mir

Bild von Jurones
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Und wenn auch die herbstliche Sonne sonderbar nach Achtsamkeit und Augenmerk verlangt, erlegt das Auge der Sonne eine absonderliche Fährte, die sonnenreich noch so jede Spur durch ihre Vorhänge beherbergen lässt. Diese Fährte bleibt stets die scheinheilige Ablenkung, die lenkend und maßgebend viele Sonnenstrahlen im Raum auferlegt, und aufatmend kreischt ein tanzender Vorhang, der wie bei einem Balletttanz seinen Radius nie verlässt. So ablenkend kann dieses Tänzchen, dieser Schub doch gar nicht sein, denn seinerzeit verblieben die herbstlichen Sonnenstrahlen ruhend im Raum, die nun unberuhigt ihrAugenmerk durch Vorhandensein vermerken, und die Vorhänge wälzen und schaukeln in der warmen Luft, die bestimmend der Sonne keine Fährte mehr auferlegt. Dieser Augenblick erblickt eine passende Wendung, die augenblicklich dem Balletttanz einen neuen Darsteller zuführt, der diese Strahlen-Fährte darstellend lenkend und vorsichtig auf sich zieht. Vorsichtshalber bleibt der unbemerkte und unbeobachtete Nebendarsteller ein Flitzer, der sich dem Balletttanz fließend anschließt, denn bekanntlich können die Vorhänge erst dann vollendet und temperamentvoll im Raume tanzen, wenn ein leichter Wind diesem Spektakel seine Achtsamkeit reizend zukommen lässt, und wie überragend diese erschienene Fliege ihr Ensemble-Debüt im Raum ablegt, so erlegt das Auge der Sonne eine absonderliche Fährte, die es absolviert, jede noch so aktive Fliege sonnenreich zu bezwingen. – Und diese zeitlose und unvergängliche Dummheit im Raum durchdringt jeden eingeladenen Gast, der diesen Tanz einladend und verleitend nicht mal bemerkt, sondern lässt diese unbesonnenen Kunstvorstellungen im Raum lässig außer Acht, tolerierend, weil solch ein alltägliches und einförmiges Augenmerk keiner Fliege eine Beachtung schenkt. Leicht verachtenswert verhält sich die uneingeladene Fliege, die rücksichtslos und egoistisch eine feste Bleibe durch ihre Sitzgelegenheit ergreift. Ein greifender Papierstapel dient der Fliege als Aufenthaltsort, der enthaltend und haltend die Fliege sitzen lässt. Und so dumm wie eine Taube verleiht die Fliege ihren Optimismus und ihre Daseinsfreude jedem, der schon fast wie obligatorisch und unzurechnungsfähig jede alltägliche Situation als Insekten-Balletttanz mit Vorhängen und herbstlichen Sonnenstrahlen einschätzt.
»Herr Grimm. Herr Grimm! – Sind Sie noch da?«
Brüllte eine leicht abscheuliche und unansehnliche Dame, die wohl im Raum das Sagen zwischen all den Gästen hat. In der Tat trällert ihre äußerliche und visuelle Erscheinung über ein individuelles Erscheinungsbild, das bildhaft darstellt, dass auch modische und zeitgemäße Kleidungsstücke einer Frau keine Schönheit verleihen. Individuell bleibt diese Tatsache sachlich und objektiv als ihre Eigenschaft liegen, weil die Dame eine eigene und innere Schönheit durch ihr Modebewusstsein wohl nie verdeutlichen kann.
»Herr Grimm! – Hören Sie mir zu? Oder wollen Sie die Fliege weiterhin auf Ihren Eignungstest hin beobachten?«
Erkundigte sich unmanierlich die Dame, die faktisch und wahrlich doch den Insekten-Balletttanz mit Vorhängen und Sonnenstrahlen bemerkt hat.
»Ja, ich bin noch da.«
Antwortete freundschaftlich und harmonisch Robert Grimm, der wohlwollend als Gast im Raum verweilen muss, denn durch seine Stimme und Sprechweise erweist sich die belanglose Beklommenheit, die auch wehrlos all die anderen Gäste durch ihre Gesichtsausdrücke ausdrücklich und klar vorzeigen können.
»Ach, dann erzählen Sie uns allen, worüber ich gerade gesprochen habe?«
Fragte leicht primitiv die Dame, weil durch ihre Frage die Leichtigkeit vorhanden war.
»Sie sagten etwas über den Eignungstest.«
Beantwortete eingeschüchtert Robert Grimm die gestellte Frage, die wahrheitsgemäß richtig beantwortet wurde.
»Ganz genau, Herr Grimm! – Ihr seid alle hier, weil das Berufsleben auf euch wartet. Ihr seid alle hier, weil ihr alle arbeitslos seid. Es ist euch sicherlich bekannt, dass das Jobcenter Geld nur an die Menschen verleiht, die auch ihr Berufsleben wieder aufleben lassen möchten. Aus diesem Grund werdet ihr alle einen schriftlichen Eignungstest meistern müssen, der uns anschließend den Einblick gewähren wird: Wie hoch ihr IQ ist; welche Begabungen Sie mit sich bringen; welche Berufe für euch geeignet sind; welche Bewertung des intellektuellen Leistungsvermögens Sie haben und letztendlich, wie wir euch ins Berufsleben befördern können. – Der Eignungstest besteht aus vielen Teilen. Darunter befindet sich ein Sprachtest der deutschen und englischen Sprache; Sprachverständnis; räumliches Vorstellungsvermögen; Fragen zum Allgemeinwissen; wahrnehmungsgebundenes logisches Denken; Verarbeitungsgeschwindigkeit; Fragen zur Mathematik; verbale Kompetenz und numerische Kompetenz; literarische Auswertungen; rechnerisches Denken; Arbeitseffizienz, und zu guter Letzt ein persönliches Gespräch mit Frau Kiefereisen, die euch die Intelligenzmessung und ihre kennzeichnenden Attribute verkünden wird.«
Erzählte militärisch und stramm die Dame, die genauso stramm eine Brille auf ihrer Hakennase platziert hat. – Angetan von der beschriebenen Herausforderung war keiner, schließlich bleibt auch der Fliege unbekannt und unbedeutend, welche wahre Bedeutung der Eignungstest in sich verborgen hält. Doch im Gegensatz zu der Fliege, die mittlerweile eine kleine Weile im Raum verbringen durfte, ist sie nicht mit Befragen und Antworten ausgestattet, sondern mit einem unbeachteten Dasein ausgeschmückt.
»Wie ich sehe, haben Sie einige Fragen, Herr Grimm.«
Sprach die stilwidrige Dame, die unter Folgewidrigkeit und Protzerei aufsetzt, dass ihre Rolex-Uhr jeden Sonnenstrahl zusammen mit der Fliege im Raum auskosten kann … Aus Kostengründen des Konsums und Verbrauchs von Gütern bleibt der Raum in irgendeinem Jobcenter-Gebäude eine aussätzige und wohlartikulierte Beweisgrundlage, die aufweisend demonstriert und bekundet, dass hier keiner außer der Dame ein Kunde von aufsässigen und überteuerten Modegeschäften ist. Es ist beiläufig und auf den ersten und gründlichen Blick bekannt, dass das rückläufige Geldeinkommen laufstark nur diese Dame auserwählt hat, die wählerisch und hochnäsig eine hochwertige Geldausgabe vorantreibt. Getrieben von derartigen Leidenschaften scheint unter den Arbeitslosen niemand zu sein, denn der erhellte Raum enthält nur Verlierer der Gesellschaft, die ungesellig und unwollend durch ihre eigene Arbeitslosigkeit eine solche Dame erschaffen haben, die profitierend von solchen Menschen ihren eigenen Vorteil und Pluspunkte gezogen hat.
»Sie hatten eine Frage, Herr Grimm.«
Sprach tatsächlich erfreulich die Dame.
»Wie viel Zeit haben wir, um all die Fragen beantworten zu können?«
Erkundigte sich Robert Grimm, der unbewusst und doch so grimmig seine äußerliche Bescheidenheit mit all den anderen Menschen teilt.
»Für den Eignungstest habt ihr drei Stunden Zeit. – Eine Pause wird es nicht geben, somit dürft ihr den Raum erst dann verlassen, wenn ihr mit dem Eignungstest fertig seid.«
Verkündete wohltuend die Dame, die soeben wohlwollend und dienstwillig eine Stoppuhr zur Zeitmessung betätigt hat. Wie ausgemacht und ausgesprochen macht das Herangehen der Arbeitslosen einen Eignungstest, der eigenartig die Einzigartigkeit dem Tester anschließend anvertrauen und ausplaudern soll. Aus langgezogenen und menschlichen Bedürfnissen kann Robert Grimm sich keine Pause erlauben, sondern muss eine erlaubte Aufforderung und Hürde in drei Stunden

Lektor: Axel C. Englert

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