Die Kunst in mir - Page 4

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und von wem wurde das Unternehmen ‚Apple‘ gegründet?«
Las Robert die Frage leise und still vor, damit die gleichgesinnten Arbeitslosen von ihm nichts mitbekommen. Mitredend mischt sich erneut die Unwissenheit ein, die dennoch eine wissentliche und darstellende Antwort darstellen kann: „Vor langer zeit. Von Elton John?“
»Wie überprüft man die Echtheit von Goldschmuck?«
Fragte Robert sich selbst, als er jene leichtere Antwort mit seinem Auge erblickt hatte. Und so schreibt er diese passende Antwort auf: „mit beißen!“
»Wo lebte Maria Magdalena ihre letzten Jahre?«
Sagte die Frage über eine berühmte Person etwas aus, was Robert erneut als Belustigung und Unterhaltung begreift: „auf dieser welt!“
»Wer ist Padme Amidala aus den ‚Star Wars‘-Filmen?«
Ergattert Robert eine nützliche Frage, die im Alltag sicherlich viele Bereicherungen und Anreicherungen für einen Menschen einbringen kann: „das ist Cristiano Ronaldo!“
»Die Nobelpreisträgerin Doris Lessing reichte ihrem Verlag ein Manuskript unter einem Pseudonym ein und erhielt eine Absage. – Aus welchem Grund ist dies passiert?«
Entzifferte Robert schon wieder eine weitere Frage, die schon wieder jämmerlich nach weiteren Antworten brüllt: „Die Brüder Grimm waren schnelerr!“
»Was ist ein Monolog?«
Las Robert vor, was er auf dem Zettel sehen kann, und stellt dabei hervorrufend fest, dass er die gestellten Fragen individuell und nach eigenen Wünschen umschreiben kann: „Was ist ein Monopoly? – Ein Spiel!“
»Wie viele Bundesländer hat Deutschland?«
Stellte die Frage sich manierlich vor, die doch vornehmlich und interessant zu sein scheint; und die Robert scheinheilig mit einer Antwort erwidern kann: „311!“ Die Eile vergeht rasch, wenn Spaß und Begeisterung sich wie Wildtiere paaren, und wie Robert bereitwillig die Mathematik-Aufgaben und Gedicht-Rezensionen nachholt, bleibt als Begattung der Leistung liegen, die leistend Robert mit Leistungsziel und Rolligkeit ablegt. Abgelegt von dem Papierstapel wird nichts, sondern verweilt als eine nützliche Herausforderung, die herausstechend ein einziges Ziel besitzt: den Eignungstest mit Freude und Schwärmerei aufzufüllen, damit die verbleibende Zeit rasend dahinfliegen kann. Dahingehend erreicht Robert mit eigenen bescheidenen Möglichkeiten und Durchschnittswerten eine wertvolle Abgabe, die zwischenzeitlich viele Aufgaben in vielen verschiedenen Testabschnitten ableisten wird. Ausgelassen wird nichts, wo Robert die Stellung nicht beziehen kann, und die berüchtigte Befürchtung des Versagens fliegt so übereilig fort, dass die Eile die Zeit auch für die Gedichte von Axel C. Englert findet. Selbst die „Krieg und Frieden“-Romane von Lew Tolstoi und sogar das „Jenseits von Gut und Böse“-Werk von Friedrich Wilhelm Nietzsche werden mit Stellungnahmen beglückt. Und auch wenn die Antworten regelrecht als sinnwidrig und irrwitzig schlummern, irritiert die verflogene Zeit noch so jede Beschäftigung, die aus einem Schaffensdrang und Erfindungsreichtum erschaffen wurde …
»Jobcenter-Frau! – Entschuldigen Sie mich bitte!«
Rief freundlich und entgegenkommend Robert, der nachkommend durch sein Lächeln etwas verborgen hält, was schleunigst gelüftet werden soll.
»Wie bitte? – Wie haben Sie mich gerade genannt?«
Antwortete leicht barsch und streng die Dame, die die ganze Zeit ihr Dasein mit einem „Jurones“-Handy ausgelebt hat.
»Ich bin mit dem Test fertig!«
Sprach stolzierend Robert, der gravierend von all den gleichgesinnten Langzeitarbeitslosen eine stille Beachtung empfängt.
»Sie haben für den Test noch eine Stunde Zeit? – Haben Sie wirklich alle Fragen und Aufgaben beantwortet?«
Fragte verwundert die reiche Jobcenter-Dame, die nun Robert als ein Wunder oder auch Genie ansieht.
»Na ja, ich habe das beantwortet, was ich wusste.«
Erwiderte wesentlich Robert, der jetzt all die Anwesenheit und das Vorhandensein der anderen Langzeitarbeitslosen spürt.
»Oh … Gut … Den Eignungstest dürfen Sie mir jetzt geben. Da Sie als Erster den Test absolviert haben, werden Sie nach der Auswertung mit Frau Kiefereisen als Erster ein Gespräch führen. – Ihren Eignungstest dürfen Sie mir jetzt überreichen, Herr Grimm.«
Verkündete neutral und sachlich die Dame, die sachgemäß ihre Hand nach dem Papierstapel ausstreckt.
»Hier sind meine Unterlagen! – Darf ich jetzt die Toilette aufsuchen?«
Erkundigte sich Robert Grimm, der seit zwei Stunden einen menschlichen Instinkt und ein Bedürfnis unterdrückt hat.
»Was Sie mit Ihrer Freizeit anstellen, bleibt nur Ihnen überlassen. – Sie dürfen gehen und werden vor Zimmer 311 auf Frau Kiefereisen warten.«
Antwortete selbstverständlich leicht gröblich die Jobcenter-Dame, die den Eignungstest Roberts in die Hand gedrückt bekommt, und ausdrücklich miterlebt: Wie rasend und schleunigst Robert den Raum verlässt.
»O Gott! …«
Brüllte leicht erschrocken die Dame, als sie mit zwei Augen den Mathematik-Abschnitt aufgeschlagen hat; und festgestellt hat, dass Robert fast bei jeder Mathe-Aufgabe Folgendes geschrieben hat: „viel!“ ...

Der Hausflur im Jobcenter-Königreich mag lang und ausgedehnt sein, doch nach zwei Stunden Darmentleerungs-Unterdrückung erscheint Robert die Strecke als ein Langzeitmarathon, bei dem der Verlierer zweideutige Sachen zu verlieren hat. In der Tat trödelt Robert durch den Flur, als wäre der Teufel hinter ihm her, der bei diesem Marathon ebenfalls etwas zu verlieren hat. Sich verlaufen, das kann Robert im Jobcenter-Königreich nicht, denn der Flur bleibt ihm beiläufig und zweitrangig bekannt, und schon die nächste Tür trägt die ersehnte Kennzeichnung: TOILETTEN – die Robert kenntnisreich und rasch betritt.
»Oh! … Hier wurde alles umgebaut!«
Sprach entgeistert und verblüfft Robert, der sich nun im großen Toilettenraum aufhält. Das nötige und dringende Verlangen kann Robert geradeso noch aushalten, doch die einfallende Erkenntnis über den großen Raum bleibt wie der Eignungstest unbeantwortet stehen. Die Kloschüssel ist zum Glück nicht weit entfernt, und zum Glück ist der Augenblick zum Kacken gekommen! Die Toilettentür im großen Raum ist für den unentgeltlichen Eintritt bereit; die Kloschüssel wird soeben runtergeklappt; die Hose wird schleunigst heruntergelassen und die Pobacken werden sorgsam auf die Kloschüssel platziert. – Doch eine unerwünschte Überraschung überdauert diese unübliche und einsame Situation nicht, denn bedauerlicherweise hat Robert vergessen, die Tür abzuschließen, er muss noch vor dem Kacken erleben, dass er jetzt unerwünschte Zuhörer und Gäste hat, die den Toilettenraum betreten haben. Anhand der Schritte kann Robert umfassend und gewissenhaft hören, dass es zwei Personen sind, die den Raum betreten haben. Betreffend über diese unglückliche Gegebenheit überblickt Robert, dass er aufgebracht vor anderen Menschen seinen Kot nicht ausscheiden kann.
»Sind wir hier alleine, Frau Kiefereisen? – Können wir hier ungestört mein Anliegen besprechen?«
Sprach eine männliche Stimme, die Robert klar und deutlich im Toilettenraum wahrnehmen kann.
»Ja, Herr Weber! – Das ist eine Behindertentoilette. Selbst die Putzfrau verrichtet ihre Arbeit selten hier.«
Verkündete anscheinend die besagte Frau Kiefereisen, mit der Robert bald

Lektor: Axel C. Englert

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