Die Kunst in mir - Page 60

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in den Sinn, die durch das von Niki gesprochene
„Vaterunser“-Gebet die Angst vor den toten Menschen, die Robert sich bei seinem Eintreten leicht furchtsam und angsterfüllt ausgemalt hatte, fortjagt. Gefüllt sind die Räumlichkeiten des Bestattungsinstitutes mit ein paar Särgen, die sich in einem großen Vorraum befinden. Mit guter Gesinnung hofft Robert beim Herumwandern wahrlich, dass Mark Müller sich in einem Sarg versteckt und sich als toter Mensch ausgibt, der als Leiche kein ausgiebiges Interesse seitens der Polizei erwecken würde. Viele Särge sind zum Glück verriegelt, doch die Neugierde fesselt Robert weiter, der weiterhin suchend und ermittelnd durch die Räumlichkeiten weitergeht. Eine weitergehende Feststellung stellt sich unerwartet und zugleich herbeigesehnt vor, die zwischen all den verriegelten Särgen den sehnsüchtig gesuchten, offenen Sarg findet, wo offensichtlich ein toter Mensch liegt, dessen bewohnter Sarg zusätzlich wahnsinnig viele „Bertha Krauses Zaubertrank!“-Bierflaschen auf der Leiche vorweisen kann. Ob das der gesuchte Mark Müller ist, muss Robert untersuchen, und mit einem kleinen Blick ins Gesicht der Leiche feststellen, ob dies Mark Müller ist. Glücklicherweise wird Robert erfreulicherweise erleichtert, dass die im Sarg liegende Leiche den anliegenden Besuchsgrund mit einer Enttäuschung und Verwechslung beglücken kann, denn vor dem Sarg und den Bierflaschen stehend erkennt Robert nur eine Leiche, die vor wenigen Tagen noch lebendig war.
»Hummel, Hummel …«
Sprach ruhig und gelassen die Leiche aus dem Sarg, und Roberts Herz macht vor
Angst einen Sprung.
»Ah! – Oh, ich dachte, Sie wären tot.«
Äußerte Robert sich dazu, der am Sarg mit einer Leiche spricht.
»Das dachte ich auch … Das ‚Bertha Krauses Zaubertrank!‘-Bier ist echt ein Zaubertrank. – Nach nur zwei Bierflaschen wurde mir schon so schwindlig, dass ich mich einfach hinlegen musste. Die Särge sind sehr bequem! Möchten Sie sich reinlegen?«
Sagte ein freundlicher Mann, der beträchtlich älter als Robert ist.
»Nein, danke …«
Antwortete Robert auf die Frage, ob er gerne in einem Sarg liegen möchte.
»Ist auch gut so! – In 50 oder 60 Jahren werden Sie für immer in so einem Bett liegen. Der ewige Schlaf ist kostenlos!«
Teilte der Mann mit, der seinen Körper samt ein paar Bierflaschen aus dem Sarg hievt.
»Also, junger Mann! – Was kann ich für Sie tun?«
Fragte der Herr, der sicherlich der Besitzer des „Erde und Himmel“-Bestattungsinstituts zu sein scheint.
»Mein Name ist Robert Grimm. – Unser Amtsgericht schickt mich zu Ihnen.«
Erwiderte Robert die Frage.
»Oh … Geht es um den Schmuckdiebstahl? – Damit habe ich seit Jahren aufgehört!«
Betonte leicht nervös der Herr.
»Schmuckdiebstahl?«
Äußerte Robert sich dazu.
»Tote Menschen brauche im Jenseits keine Juwelierwaren. Wer will schon die reichste Leiche auf dem Friedhof sein? – Ich habe seit Jahren die Leichen nicht danach abgesucht. Was aber aus der Tasche oder vom Hals runterfällt, lege ich wieder in den Sarg hinein.«
Erzählte immer noch leicht nervös der Herr.
»Oh! – Deswegen bin ich aber nicht gekommen. Ich bin auf der Suche nach Mark Müller. Ich hörte, er arbeitet hier.«
Kam Robert auf den Punkt.
»Mark Müller ist weg … Er hatte sich in einen Sarg gelegt; ist dabei eingeschlafen, und wurde aus Versehen auf dem Friedhof begraben.«
Verkündete der Herr.
»Oh … Wann ist das passiert?«
Fragte vorsichtig Robert.
»Ach, das … Vor langer Zeit. – Vielleicht hat Mark den Schmuck von den Leichen gestohlen! Jetzt liegt er unter der Erde und kann dafür nicht mehr
bestraft werden.«
Antwortete rasch und zugleich angenehm der Herr.
»Verstehe … Arbeiten Sie allein?«
Sprach Robert, der erneut ahnt, dass er durch das Gespräch alles erreichen kann.
»Ja, leider … Seit Mark abgehaun ist – Ups, ich meinte: Seit Mark versehentlich auf dem Friedhof begraben wurde, muss ich für zwei Menschen schuften! Manche Leichen wiegen über 100 Kilo, und bloß mein Mark konnte diese schwerste körperliche Arbeit machen!«
Redete aus der Seele der Herr.
»Wie heißen Sie? – Kann ich Ihnen vielleicht helfen?«
Erkundigte sich zuvorkommend Robert.
»Mein Name ist David Plau. – Sie können mir wirklich helfen! Nur wenn Sie es möchten.«
Vermerkte freundschaftlich David Plau, der offensichtlich ebenfalls Mark Müller vermisst.
»Gerne! – Wie kann ich Ihnen helfen?«
Schlug Robert diensteifrig vor.
»Hier vorne! Diese Leiche wiegt über 100 Kilo! – Auch der Sarg wiegt zusätzliche 20 Kilo. Die Leiche steht schon seit vier Tagen hier! Bald kommt ein übler Geruch! Die Fenster mache ich bei einem unangenehmem Geruch nie auf, sonst fliegen die Seelen weg!«
Teilte lachend David Plau mit, der mit seinem Finger auf einen Sarg zeigt, der irgendwo zwischen all den anderen Särgen liegt. Und anliegend der Hilfsbereitschaft führt Robert gewisse körperliche Arbeiten aus, wobei er zusammen mit David Plau diesen Sarg hochhebt und hoch motiviert in Richtung einer großen Schiebeplatte befördert.
»Was passiert mit der Leiche und dem Sarg?«
Fragte ehrlich interessiert Robert.
»Mit der Schiebeplatte bewege ich den Sarg vom Eingang und schiebe ihn in den Leichenwagen. Dann fahre ich mit dem Leichenwagen zum Friedhof und überlasse den Sarg einem Friedhofsgärtner, der die Beerdigung veranstaltet. – Früher hat ein verrückter Priester die Beerdigungen gemacht. Ich glaube, er heißt Niki, der sieht wie ein Clown aus! Bei der Beerdigung sprach er ständig über Engel, die Tattoos am Körper haben und dazu noch Jogginghosen tragen! Viele Angehörige der Verstorbenen fanden das nicht toll! Seitdem ist ein Friedhofsgärtner dafür zuständig.«
Erzählte wohlerzogen David Plau, der ein guter Mensch zu sein scheint.
»Oh! – Ich kenne den Niki!«
Äußerte Robert sich anständig dazu.
»Ach, Herr Grimm! – Wir sollten diesen Sarg öffnen und nachsehen, ob Sie die Leiche kennen! Vielleicht liegt dort schon der Niki!«
Sprach lachend David Plau, der ansprechend und irgendwie amüsant diesen einen Sarg öffnet, wo ein Toter im ewigen Schlaf liegt, der eine anliegende und fesselnde Ruhe ausstrahlt, die strahlend die Seele von Robert mit Frieden und Ruhe umarmt.
»Kennen Sie den Mann?«
Fragte vorsichtig David Plau, der sich ebenfalls die Leiche ansieht.
»Nein, zum Glück nicht!«
Antwortete Robert, der die Leiche genauer ansieht und mit Mark Müllers Äußerem vergleicht.
»Vor Jahren sah ich meine Exfrau in einem Sarg liegen! Meine Freude war riesengroß! Bei der Beerdigung war ich anwesend, und konnte aus einem Gebüsch heraus sehen, wie der Witwer meiner Exfrau versehentlich ins Grabloch gefallen ist! Niki sagte uns allen, dass sei ein schlechtes Zeichen. – Herr Grimm, was machen Sie beruflich im Gericht?«
Erkundigte sich vorsichtig David Plau.
»Ich bin nur Wächter!«
Erwiderte Robert.
»Ein Wächter … Herr Grimm, sehen

Lektor: Axel C. Englert

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