Ein Blick aus meinem Fenster

Bild von Sonja
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Es schüttet in einem fort. Regentropfen rinnen wie Tränen vom Fenster herunter, ziehen kleine Wasserrinnsale kreuz und quer über die Scheibe. Vom Dach ist das montone Tropfen des Dauerregens zu hören. Man könnte meinen, die Regentropfen prosten sich zu und feiern fröhliche Urstände. Ich schaue in das trostlose Grau hinaus, die Zweige der Hainbuchen werden vom Wind durchgeschüttelt und an den Blüten der Dipladenia hängen Wassertropfen wie durchsichtige Perlen. Plötzlich nehme ich aus den Augenwinkeln einen Schatten war. Neugierig richte ich mich auf, um nachzusehen, was das war. Ich traue meinen Augen nicht. Vor mir auf einem Sommerflieder sitzen mindestens mehr als ein Dutzend Stare, ein ganzer Staren- Clan, der mit seinem Nachwuchs gelandet ist. Aufgeregtes Schreien ist durch das Fenster zu hören. Leider kann ich es nicht öffnen, weil der Regen so stark ist, dass er bis ins Zimmer eindringt. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen , um besser zuschschauen zu können. In der Wiese und auf dem Strauch wurdelt es von kleinen und größeren Staren. Sie hupfen aufgeregt mit weit aufgerissenen Schnäbeln von Ast zu Ast, versuchen mit vorsichtigen Zupfen an den Schwanzfedern der größeren Vögel darauf aufmerksam zu machen, dass sie gefüttert werden wollen. Auf einmal ein lauter Ruf, es gleicht eher einem lauten Krächzen und alle finden sich am Rasen ein. Jetzt heißt es aufpassen! Schnabel in den Boden stecken und nach Würmern suchen. Herr Star mit seinem blau-grün schimmernden Gefieder macht es vor, zwei kleine schauen ihm irritert zu, was er denn da macht. Als er den Kopf hebt, hängen auf beiden Seiten Teile eines Regenwurm heraus. Die Kleinen nichts wie hin- aber was ist jetzt los. Vater Star hüpft energisch von ihnen weg, sie hinterher. Das kann ja wohl nicht sein, er frißt den Wurm allein. Nun schließen sich noch die restlichen Starenkinder an und laufen hinter ihm her. Lautes Gezeter setzt ein. Mutter Star fliegt herbei, schaut ihrem Göttergatten schräg in die Augen und - er gibt auf. Ich höre sein Seufzen,als er den Regenwurm in die hungrigen Mäuler seiner Kinder stopft. Frustiert fliegt er weg, wahrscheinlich, um irgendwo in Ruhe auch einen Wurm zu verzehren. Inzwischen sind Amseln und Spatzen herbeigeeilt. Sie wollen sehen, was da im Garten vor sich geht. Ein großer schwarzer Amselherr läuft wie ein Aufziehvogel, wie wir ihn in unserer Kindheit als Spielzeug hatten, durch den Garten und pickt im Stakkato in den Boden, aus dem er genüßlich einen langen, dicken Regenwurm herauszieht. Damit fliegt er so schnell er kann in sein Nest, das in Nachbars Garten im Efeu versteckt liegt. Auf von dort ertönt hektisches Rufen nach Futter. Neue Star-Flyer fliegen in weitem Bogen auf den Garten zu , landen im Schneeball und am Flieder. Sie turnen über die Äste zum Futterhaus und schlagen sich den Bauch voll. ist ja auch genug drinnen. Und plötzlich ist der Spuk vorbei, kein Vogelrufen, nur Regentropfen, die beharrlich an mein Fenster klopfen.