Flausen im Kopf

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Ich erinnere mich an damals. Als ich noch ein Kind war. Das Leben war spannend und voller neuer Dinge, die es zu erforschen galt. Ein Leben aus dem Bauch heraus. Meine Fantasie kannte keine Grenzen. Mein größtes Hobby war es, mir Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Schon damals habe ich es geliebt meine Gedanken, Erlebnisse und Gefühle niederzuschreiben. Ohne groß darüber nachzudenken wie es klingt oder was irgendjemand darüber denken könnte. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen und mit Freude in meiner Traum- und Gedankenwelt versinken...
Nachdenken... worüber habe ich nachgedacht? - Über Dinge, die mich interessiert und fasziniert haben. Über Dinge, die mir Freude wie auch Schmerzen bereitet haben. Ich habe darüber nachgedacht was ich als nächstes tun möchte, wo ich mal hin möchte wenn ich erwachsen bin. Ich habe über die Menschen und seltsamen Ereignisse um mich herum nachgedacht. Darüber was sie bedeuten und warum so sind wie sie sind. Ich habe mir rückblickend betrachtet, die verrücktesten und unrealistischten Sachen ausgemahlt. Häufig auch nur aus Spaß.
Wonach habe ich Entscheidungen getroffen? - Danach ob sich etwas richtig oder falsch angefühlt hat. Habe ich zuvor Vor- und Nachteile abgewogen? Mir tagelang Gedanken über langfristige Konsequenzen gemacht? Oder darüber, ob ich meine Entscheidung später bereuhen könnte? Ich glaube das habe ich nicht. Ich habe nach meinem Gefühl bzw. Instinkt gehandelt. Zweifel an der Richtigkeit gab es dabei nicht.
Es war eine gute, aufregende Zeit wenn auch nicht perfekt.

Heute, 20 Jahre später, versuche ich zu diesen Ursprüngen zurück zu kehren. Nicht weil ich mir wünsche wieder ein Kind zu sein. Sondern weil mir immer mehr bewusst wird, dass der Mensch in diesen jungen Jahren eine Gabe, eine Fähigkeit hat, welche ihm später mehr und mehr verloren geht. Die Fähigkeit das Leben aus seiner Intuition heraus zu leben. Wir sind so überlagert mit "Wissen" und "Verstand", dass wir den wahren Inhalt unseres Daseins nicht mehr erkennen können. Wir sind so stolz auf unsere so genannte intellektuelle Intelligenz und unsere Vernunft, dass wir gar nicht mehr merken wie abgestumpft wir eigentlich dahinvegetieren. Alles hat seine Ordnung, seine Norm, seine Regeln. Nach außenhin ach so offen, tolertant und frei. In den Köpfen aber immer noch zurückgeblieben.
Überlegt handeln, mit klarem Menschenverstand, basierend auf Selbstreflexion und einer gewissen Ratio, ist eine Sache.
Blinder Gehorsam gegenüber dem Gruppenzwang und überholter Moralvorstellungen eine andere.
Wie oft handeln wir wirklich nach unserer Meinung, nach unserem Wissen, nach unserem Gefühl und nach unserer Vernunft?
Und wie oft dagegen machen wir etwas nur, weil es nunmal so sein soll, so sein muss und halt so gemacht wird? Weil es der Großteil so macht. Weil es seltsam wäre anders zu handeln oder überhaupt anders zu denken...

Wie gerne hätte ich wieder das intuitive Wissen eines Kindes. Unvoreingenommen, offen und wahrhaftig frei...

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Kommentare

30. Apr 2021

Das sind doch Flausen ;-)

Jetzt fehlt hier ein breitgrinsender Smiley!

30. Apr 2021

Je mehr "man" weiß, desto mehr Schubladen schafft "man" sich, in denen man alles wohlgeordnet verstauen kann.
Da reicht dann nur eine simples Schubladeauf und "man" spart sich das zeitraubende Selberdenken.
Guter Text!!