Momentaufnahme - Wetterwechsel

Der starke Wind hat es in der Nacht bereits angekündigt. Die Temperatur fiel um einige Grade und kündigte einen Wetterwechsel an. Beinahe noch unbeschadet,
versuchte an diesem Morgen der Sonnenaufgang sich für alle Welt sichtbar zu machen. Es blieb bei einem Minutenspektakel, denn schon akkumulierten sich in
Heeresaufstellung dickleibige Wolkenstreitkräfte.
Schnell huschte eben noch eine formierte Vogelgruppe unter den verblassten, schmallippigen Himmel. Das Wolkenheer schob seine, bis an die Zähne bewaffnete,
tief graue Kavallerie vor.
Himmelswirbel – Himmelsstrudel, machten sie rasend vor Wut und ihr Grau vertiefte sich zunehmend. Blitze rasten auf die Erde, Donner zerbarsten die Ruhe wie
zerbrochenes Glas und die Schleusen wilder, kampfbereiter Wolken öffneten sich zur Flut.
Die Erde, hin und her gerissen zwischen Hunger und Durst, Gebären und Sterben, war ihnen hilflos ausgesetzt. Teils gesättigt, teils ertrunken, teils noch flehend
auf dem Rücken liegend, ergab sie sich dem Kreislauf, der längst seine gewohnten Bahnen verlassen hat.

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Kommentare

26. Nov 2020

Sehr schöne Momentaufnahme vom Wetterwechsel - tolle lyrische Bilder.

LG Thomas

07. Dez 2020

Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Finde ich gut :-). Hatte aber wirklich nur die Entstehung eines Unwetters im Sinn, praktisch durchs Fenster miterlebt.

Grüße - Jürgen

29. Nov 2020

Du beschreibst in drastischen Worten ein Unwetter - und es klingt wie Apokalypse ... fühlt sich die Zeit, in der wir grade leben, nicht genau so an - apokalyptisch?

Liebe Grüße - Marie

07. Dez 2020

Wolkenheerscharen gleich apokalyptischen Reitern - könnte man meinen; bei den Unwettern die heutzutage den Erdball umrunden.
Die Zeit in der wir gerade leben, kommt einem Erdrutsch gleich und doch bleibt Hoffnung auf Besserung. Leider werden einige dieses nicht miterleben können und das macht alles halt auch so traurig.

Liebe Grüße - Jürgen

29. Nov 2020

Da hast du wohl am Donnerstag schon das große Unwetter vorausgeahnt, das am Samstag Sardinien unter Wasser gesetzt hat. Bis jetzt gibt es dort einen Vermissten und 3 Tote in Bitti (bei Nuoro), einen Schäfer, der bei seinen Schafen von der Flut- und Schlammwelle erfasst wurde, einen 90-jährigen und eine 83-jährige, die aus ihrem (jetzt unterhöhlten) Haus von den Fluten fortgespült wurde. In dem Ort stehen Trümmer, Schutt und Schlamm 3 Meter hoch, an der Küste haben Fluten ganze Strände ruiniert.
Bist du nicht irgendwo in Tunesien (oder der Gegend)? Hat es sich da so früh schon zusammengebraut?

07. Dez 2020

Ja, ich habe auch von dieser Unwetterkatastrophe gehört und gelesen. Es ist schon schrecklich mit welchen Ausmaßen sich solche Wetterphänomene auf uns stürzen. In Tunesien nehmen seit genau 3 Jahren die schweren Regenfälle zu und es kommt, je nach Region, zu schweren Überschwemmungen; auch mit Todesfolge. In der internationalen Presse taucht da nicht so viel von auf.
Meine Kurzprosa ist tatsächlich ein miterlebtes Ereignis, das stimmt. Aber wir hatten parallel zu Sardinen in diesem Fall keine Probleme.
Danke und bleib gesund!

Viele Grüße - Jürgen