Wie der alte Griesgram und die Elfe sich streiten

Bild von Krischan
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Das war,
noch bevor der alte Griesgram das Elfenflügelein im Pfuhl fand und als der Elfe ein Schatten wuchs.

Der alte Griesgram schaffte es, zufrieden und missmutig zur selben Zeit zu sein.
Zur Hälfte erst war der Tag vorbei, als er vom Holzhacken in die Küche schlurfte.
Nur noch ein halber Tag ist übrig, dachte er. Sieben Achtel Holz hatte er gehackt und fein säuberlich neben der Scheune aufgestapelt. Das war mehr als in der vorvergangenen Woche,
aber immer noch lag ein Achtel kümmerlich und ungespalten auf seiner Seele und im Hof herum.
Nie wurde er fertig, mit dem, was er sich vorgenommen hatte, denn noch während er mit seiner Sache beschäftigt war, blickte sein unruhiger Geist über das Anwesen und sah hier einen morschen Balken, dort eine verwitterte Wand und in der Ferne die Zeit,
wie sie hinter dem Horizont verschwand.
Und weil der Horizont nie da war, wo der Griesgram stand, war auch die Zeit immer fort.

Nun begab es sich, dass die Elfe in der Küche vor der Schranktür kniete. Ihr Relaxationstee, auf dessen Verpackungen so aufbauende Sprüche geschrieben standen wie „Lebe dein Leben, sonst tuen es andere für dich.“ Oder „Dein Herz wird dir sagen, wo rechts und links ist“, war zwischen die Nudeln und den Reis abgerutscht, nur wusste sie das noch nicht und suchte zwischen dem Schleimlösungstee und dem Darmlösungstee des Griesgrams und dem Yogitee und dem Rotbuschvanilletee, den jede Elfe haben muss.
Ausserdem schmerzten die Flügelstummel und hinter ihr stand gleich einem Urvater der Elfen
der alte große Kerl mit hängenden Schultern und hängenden Mundwinkeln.

Da atmete sie tief.

„Warum atmest du so tief?“
„Weil – ich mach hier meine Dinge und die gehen dich schon mal nichts an!“

Sie blitzte ihn aus ihren grünen Augen an und er holte halb Atem und donnerte zurück.
So passiert es, wenn die Luft in der Behausung von mürrischer und genervter Art aufgeladen ist.
Wie es drinnen blitzte und donnerte, taten sich über der Behausung alte, dunkle Wolken zusammen und öffneten sich alle auf einmal.
Es war nicht der erste Wolkenbruch für die Holzschindeln aus der Rinde von Kiefern und Birken, die der alte Griesgram zu Vorzeiten auf das Dach gelegt hatte.
Müde und morsch geworden ließen sie die großen, schweren Tropfen in die Behausung hinein.
Nun ergoss es sich in seinem draußen und ihrem drinnen.
Der Regen lief an seinen Hängebacken entlang und verblasste ihr rotgoldenes Haar.
Es hatte das Dach eine Außen- und eine Innenseite.
Sein war das grobe Außen und Ihres das feine Innen. So war es beschlossen, vor Zeiten.
Also holte er Sieben Achtel Klafterrinde, die undichten Stellen abzudecken und sie hielt mit dem Besen von innen dagegen.
Die Ritzen zwischen den Schindeln füllte sie vorsorglich mit den Packungen ihres Relaxationstees, denn der schwamm nun ganz oben auf den großen Pfützen im Inneren.
Dies war nun ihr gemeinsames Dach. Dem nächsten Wolkenbruch würde es nicht standhalten.
Wenigstens roch es ein wenig nach Relaxation.

Ob sie nun ein neues Dach gebaut haben, eines für außen und für innen? Ein stabiles, sicheres Dach?
Das wird eine andere Geschichte uns erzählen.
Wenn die Zeit wieder hinter dem Horizont erscheint.