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Artem Zolotarov

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Liebe Liebe

Liebe Liebe, ich begehre mich von Ihnen zu entfernen.
Bitte Sie formell und freundlich, mein Gemüt nicht zu beschweren.
Möglich scheint mir diese Bitte, da ich weiß um Ihre Güte
und hochachtungsvoll verbleibend Ihren Sinn im Herzen hüte.

Momentan sind Ihre Dienste meiner Lage äußerst wider
und drum bitt' ich Sie um Ruhe, lassen sie die süßen Lieder.
Auch das Herzschmerz-Bonuspäckchen weckt bei mir kein Interesse.
Bin vertraut mit Ihren Harfen, doch hör lieber harte Bässe.

Ich bedanke mich recht herzlich für Ihr nettes Angebot,
doch ich bleibe lieber einsam Kapitän in meinem Boot.
Viel Erfolg und alles Gute, beste Grüße, ciao, ade.
PS: Sollten sie sie wieder sehen, schicken Sie die Drei-Wunsch-Fee.

Ewiges Eis

Wir sind zwei Eisberge
und suchen unseren gemeinsamen Schmelzpunkt.
Wer weiß schon,
was alles unter Wasser liegt?
Du scherzt immer über deine Rettungsringe,
während ich ertrinke,
nach dem Grund stampfe,
die Nase noch hoffend in die Höhe gereckt.
Wenn es zwischen uns wärmer wird,
entfernen wir uns schwindend
und schieben alles auf die Umwelt.
Ewiges Eis gibt es nicht,
ich sehe es tropfen und denke mir:
Noch einen Frühling überstehe ich nicht.

https://soundcloud.com/koollook_poesie/kapitel-3-gedicht-6-ewiges-eis

Ich hätte

Ich hätte dir ein Lied geschrieben,
dürfte ich dich alleine lieben.
Für einen Mensch, der mich versteht,
die Erde andersrum gedreht.

Ich hätte Sonnen löschen können,
allein um dir die Nacht zu gönnen.
Ich hätt die Pole schmelzen lassen
nur um dein Lächeln anzufassen.

Ich hätt den Löwen zahm geneigt,
dass er sich miauend vor dir zeigt.
Ich hätte uns die Zeit genommen,
um jeder Pflicht zuvorzukommen.

Ich hätte deine Glasgefühle
bewahrt vor jeder scharfen Kühle.
Und jeden Riss, der dir passiert,
hätt ich bei Carglass repariert.

Ich hätt' mir Witze ausgedacht,
damit dein Auge weinend lacht.
Ich hätte reimende Sonette
für dich gereiht in einer Kette.

Ich hätte Pulverschnee gehäuft,
damit dein Schlitten immer läuft.
Ich hätte Mauern eingestürzt,
hätts mir den Weg zu dir verkürzt.

Ich hätte jeden Kilometer
zu dir verrannt, wie einen Meter.
Ich hätte Sprachen einstudiert,
damit dein Herz mich doch kapiert.

Ich hätt' Gedichte schreiben können,
unendlich lang, um dir zu frönen.
Ich hätte dir gereimt gezeigt,
wozu mein Mund noch immer schweigt.

Ich hätte alles so getan,
wie ich es leider doch nicht kann.
Ich hätte, doch ich hab es nicht.
Allein was…

Tee ohne Zucker

Tee und warme Musik
beim Sonnenaufgang.

Ein Strahl fällt durch dein Auge
und zerfließt schokoladefarben
auf dem Armaturenbrett.

„Hast du immer zwei Tassen dabei?“
„Ja, natürlich.“

Du kuschelst dich an deine dampfende Teetasse
und bist still.
Die Musik wird nicht besser
und der Tee nicht süßer.
„Kein Zucker?“, frage ich.
„Nein, er ist sowieso schon süß.“

Ich nehme noch einen Schluck;
süß.

Ob deine Augen oder der zuckerlose Tee mich verleiten,
an Schokolade zu denke?
„Ich mag Schokolade“, sagst du.
Ich nicke lächelnd: „Natürlich.“

https://soundcloud.com/koollook_poesie/kapitel-1-gedicht-5-tee-ohne

Strahl der Empathie

Suchst du den Strahl der Empathie
im Schneesturm stummer Steppen?
Und ist der Mond nicht groß genug,
um Wehmut zu verdecken?

Sind Nächte dir nicht kalt genug,
um Tage zu verbrennen?
Ja, selbst im tiefsten Schlund des Fluchs
ist Segen zu erkennen.

Wir sind nur das, was Regen weint,
was Wind und Wolken lassen.
Wir sind nur Staub und Fantasie
auf Pfaden schneller Straßen.

Wir sind nur Kinder ohne Zeit,
und ohne Ziel auf Wegen,
die steinig-weich und tonnen-leicht
uns führen durch das Leben.

Fragen

Wieso frage ich so viel,
nur ins Leere, ohne Ziel?
Wieso tragen meine Fragen
lauter Blüten ohne Stil?
Wieso klage ich euch an,
wenn ich selbst nichts machen kann?
Und wieso ist jede Frage
wie ein Baum ohne Stamm?
Wieso glaube ich noch dran,
dass aus Fragen Taten werden,
dass durch meine Sprachgebärden
nur ein Mensch zu Zielen findet,
die sein Leben bunter färben?
Wieso musst du Ängste erben,
aus Erfahrungen und Särgen,
die du niemals selbst getragen,
nicht mal sahst und ohne Fragen
einfach glaubtest, was sie sagen?

Darum frage ich so viel?
Dein Verstehen wird mein Stil.
Dein Gehört wird mir zum Stamm,
der die Fragen tragen kann.

An einem schönen Tag

Ich leb mein kleines Leben
und atme bisschen ein.
Tu meine kleine Arbeit
und fahr dann langsam heim.

Doch einmal werd ich gehen
und finde jemand dann,
zu dem ich leise sage:
„Du findest, irgendwann,
den jemand, der das Leben,
das du so klein gelebt,
genauso bisschen atmet,
genauso langsam geht.
Und dann wirst du ihm sagen,
was ich dir hab gesagt.“
So mache ich es einmal
an einem schönen Tag.

Etwas Liebes

Wärme suchen – unser Los.
Finden, zweifeln, trennen, bloß
nicht erlauben, zu vertrauen.
Ewig eins – das schlimmste Grauen.

Groß und schlank muss Herz sich formen.
Und wo bleiben nur die Dornen,
die wir nur als Waffe schätzen?
Doch sie können auch verletzen!

Fordern wir zu viel und ordern
Partner wie aus Göttersagen,
suchen wir nur ein paar Worte,
die uns etwas Liebes sagen.


Was sie denkt

Scheu und forschend
müde Augen,
die vertraut ins Leere schauen.
Lippen rot und skeptisch streng.
Mag sie denken:
Wieder Fotos,
wieder fängt mich eine Linse,
wieder will sie, dass ich grinse,
Fröhlichkeit in Alben pinsle.
Denkt sie das?
Sie sagt es nicht.

Treu und lodernd
große Augen,
die verträumt ins Leere schauen.
Lippen voll,
Schneewittchen gleich,
ohne Gift, das sie erreicht.
Mag sie denken:
Wieder Zwerge,
die sich groß im Bildschirm spiegeln,
kahle, glatte Touchscreen-Igel,
moderat gemäßigt bieder.
Denkt sie das?
Sie sagt es nicht.

Sonderbar wie Farben sprechen
und Rubine Herzen stützen,
auch wenn manche immer stürzen,
ihres hängt am Silberseil.
Denkt sie das?
Sie sagt es nicht.

Nachtfee

Nächte springen über Zäune,
wenn in Räumen Lichter tanzen,
Menschen wild auf Böden stanzen
und der Beat aus Boxen brettert.

Zwischen Lärm und Lustgezappel,
zwischen Rauch und Zappellust
seh ich eine Fee aus Marmor,
ihre Tracht in weichem Blau.

Sichelaugen, die mich rauben
und zu Mondsonaten führen.
Weite weiße Gipfel stürmen
und in Lavawogen tunken.

Kleine schwarze Silberherzen
über schmalen weißen Streifen,
die wie Meer in Wolken greifen,
branden sachte zwischen Strähnen,

die im Glanz der Lichter scheinen,
sich nach Seiden-Kämmen sehnen
und trotz Eifer feiner Hände
ungezähmt zu Mähnen reifen.

Nur ein Blinzeln meiner Augen
löst mich kurz von ihrer Pracht.
Keine Spur ist mehr geblieben
und sie flattert in die Nacht.

Irgendetwas weckte mich oder ließ mich einschlafen. Mein Zimmer schlummerte im Dämmerlicht der vorabendlichen Laternenlichter. Es wirkte wie die Kulissen eines billigen Horrorfilmes, bei dem der Dekorateur angesichts seines geringen Honorars nur das Nötigste aufgestellt hatte. Etwas Trauriges lag in der Luft. Der bittere Nachgeschmack einer vergeudeten Jugend stieß auf das sich immer breiter machende Gefühl, verrückt zu werden. In meinem Kopf bauten sich hypothetisch Strukturen auf nur um kurz darauf, von der Seuche des gesunden Menschenverstandes zerfetzt zu werden. Wieder starrten mich meine blassen, gläsernen Augen im Spiegel an. Das, was ich sah, war weder Kind noch Mann, etwas dazwischen und außerhalb, verwaschen wie ein Wasserzeichen im Regen, ausgelöscht vom Ursprung, vertröstet vom Warten auf ein unausweichliches Ende. Ich musste hier raus.
  Frische Luft der verpesteten Großstadtvenen füllte meine Lungen. Nasser Asphalt spiegelte das Licht der 100 Watt starken Sonnen, die in regelmäßigen Abständen am Straßenrand gepflanzt standen. Bunte Leuchtreklame hypnotisierte vorbeiziehende Individuen, versprach billiges Fliegen, unendlich weite Badestrände, traumhafte Frauen (nur minimal am Computer bearbeitet), all inclusive, alles, was das Herz begehrt. Paradies, so weit das Konto reicht.
  Hände in den Taschen, den Blick nach unten, in meinen…

Rote Ampel.
Du stehts neben mir.
Ich stehe neben mir.
Grüne Ampel.
Es geht los.
Wir gehen los.
In der Mitte finde ich meine Mitte.
Greif nach deiner Hand.
Du drehst dich um.
Ich frage:
Willst du?
Du zögerst.
Ich warte.
Zu lange.
Und das Auto erfasst mich frontal.
Rote Ampel.

Die Stadt hat einen fremden Klang,
sie singt von Leiden, längst vergang'n,
und die Ruinen klagen noch,
ein stummes Stöhnen,
das noch pocht
zwischen den Bäumen,
kahl und tot.

Kein Tier, das hier noch Zuflucht sucht,
die Menschen flohen voller Furcht.
Die Zeit wusch fort des Lebens Hauch,
betäubte Steppen liegen brach,
die Morgensonne, matt und weiß,
erstrahlt am Himmel als Beweis,
dass hier noch Leben walten wird.

Und ein Blume, klein und zart,
entspringt dem Grunde, noch vernarbt.
Sie kämpft sich hoch, zur Sonne hin,
sie lebt, sie atmet, sie beginnt.
Der Mensch ist fort, kann nicht zerstören;
Die Erde wird nur ihr gehören

Am Fuße blauen Lebens,
umhüllt von grüner Pracht,
steht es doch scheint zu schweben
ein Werk für Ihn gemacht

Durch rote Blumenfelder
stolziert ein gelber Strahl.
Er fällt auf diese Mauern,
regiert durch Seine Wahl

Die Glocke ruft die Seinen
Sie eilen in dies Haus
Sie sind nur weisse Leinen
Er spinnt Sein Werk daraus

Und wenn der Tag zu Ende
Und Ruhe herrscht bedacht
Dann schlafen Seine Kinder
Doch wissen, dass Er wacht

Sie überdeckt die Trauer mit dem Glanz der Lichter
und ihre Dichter singen mit dem Stil, der Bilder schafft.
Ihre Tristesse verdeckt mit der Glamour des Glanzes.
Als Ganzes kann sie Liebe so wie Einsamkeit verstehen.

Wenn Nebelschwaden wandern durch die Straßen.
Durch Gassen frönt der Klang des Weins beschwingt.
Die Frauen ihres Herzens sind Juwelen.
Zu ihnen möchte sich manch Reisender gesellen.
In dunkler Nacht, in der die Leichtigkeit der Sünde wacht.
Um zu genießen jeden schnellen Rausch.

Am morgen liegt sie ruhig und friedlich
und lieblich wird die Harmonie geweckt.
Sie überdeckt die Trauer mit dem Glanz der Lichter
und weint, trotz alldem, in der Nacht.

Fejgele, fejgele, gej awek.
Oh flieg du Vogel,
du bist frei.
Flieg weit, flieg schnell,
flieg hin zu Gott.
Dort gibts kein' Winter,
keine Zeit.

Oh fejgele, fejgele, gej awek.
Die Luft ist leicht.
Flieg weit, flieg schnell,
flieg ohne Furcht
zum Himmel hin.
Dort gibts nur Freiheit,
keine Zeit.

Oh fejgele, fejgele, gej awek
und sing mein Lied,
sings weit, sings laut.
Erzähl den Menschen
von dem Ort
an dem von ihnen
keiner war.

Oh fejgele, fejgele, gej awek,
doch nimm ein Stück von mir mit dir.
Erzähl den Menschen wer ich war.
Oh fejgele, fejgele, bitte flieg. 

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