Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten

Bild von Alf Glocker
von Alf Glocker
Mitglied

93. Schritt

Was zu beachten wäre, wenn es Beachtbares im Rahmen einer anwendbaren Vernunft gäbe? Vieles! Beginnen wir gleich einmal bei der Partnerwahl…nachdem man sich die Eltern ja schon nicht aussuchen konnte…

Was würde uns stören, wenn wir Gelegenheit dazu hätten umsichtig zu handeln? Warum wir keine Gelegenheit bekommen ist klar: der Trieb ist vorrangig und unsere – ohnehin schon sehr eingeschränkte Intelligenz – lässt präzise Schlüsse nicht zu!

Tun wir etwas, das von Grund auf verboten ist: betrachten wir eine Person von oben bis unten akribisch! Nachdem ich selbst ein Mann, oder sagen wir mal ein männliches Wesen bin, versuche ich das aus meiner speziellen Sicht.

Was ich suche ist demnach ein süßes Weibchen, oder sagen wir mal ein weibliches Wesen. Eine Vorsteherdrüse und die daraus resultierenden Verhaltensmuster (wie Angeberei und Kampfeslust), habe ich selber – ich brauche also nicht noch eine. Ich brauche das entsprechende Gegenstück: eine komplette Frau!

Was aber ist damit verbunden? Was gibt es drumherum? Wie ist das Drumherum beschaffen? Besitzt die betreffende Person z.B. ein angenehmes Wesen? Und wenn ja, wo lebt dieses, oder auch, wo hat sie es versteckt, wenn sie es nicht grade an der Leine herum führt?

Worauf noch zu achten wäre: Wie groß sind ihre Kauwerkzeuge? Muss ich später befürchten, mir einen Neandertaler ins Haus geholt zu haben? Dann wäre es gut, die entsprechenden Accessoires gleich mit zu besorgen – Holzprügel und Faustkeil. Das Gute daran, sie darf Felle tragen!

Gefährlich wird es bei dissonant stehenden Augen! Ist es nicht möglich aus diesen Fenstern der Seele ein intakte Harmonie herauslesen zu können, dann befürchtet man besser gleich die Ankunft einer hochbrisanter Nachkommenschaft – sofern diese männlich ist. Man achte auf den Chromosomensatz XYY!

Bei Frauen kommen zweifelhafte Veranlagungen ja nicht immer zwingend zum Ausbruch. Das verhält sich ebenso wie mit der Farbenblindheit, die von Frauen vererbt werden kann, ohne daß die Trägerin des Gens mit den Auswirkungen selbst behaftet sein muss.

Wie sieht sie dich also an, die Königin deiner schlaflosen Nächte? Hat sie nach unten hängende Mundwinkel, dann ist sie wahrscheinlich eine kleine Pessimistin. Oder einfach kritisch veranlagt (allem, auch dir gegenüber!), oder lächelt sie scheinbar durchgängig? Das wäre sehr zu empfehlen. Solche Frauen lehnen sich gerne an starke Schultern und glauben fest an das Gute (kleines Dummchen?).

Sehen wir einmal davon ab, daß wohlgeformte Brüste, ein knackiger Po und ein glattes Gesicht über fast alles hinwegtäuschen können, dann kommen wir zu folgendem Ergebnis: Partnersuche ist Selbstmord!

Gerade die Nichtübereinstimmungen der Geschlechtsteile lassen uns über fast alle Fehler hinwegsehen. Es scheint, als käme es der Natur nur darauf an neue Wesen zu erzeugen, egal wie sie auch geartet sein mögen.

Dafür tut sie, die Natur, ihr Möglichstes. Sie gibt der eklatanten Niedertracht ansprechende Lippen, der kriminellen Veranlagung lockiges Haar und der puren Mordlust einen so schönen Körper, daß man ihn schon getrost als Droge bezeichnen kann! Als die älteste Droge der Welt.

Über die Schädlichkeit der Drogen, im Vergleich untereinander, könnte man jetzt ebenfalls eine so nutzlose Diskussion beginnen, wie dieses Essay überflüssig ist, denn es ist müßig, nachzufragen was schlimmer ist – selbst an einer Überdosis Heroin zu verenden, oder mit einer erblich vorbelasteten Partnerin einen Amokläufer zu erzeugen.

Am besten man überlässt alles ganz einfach dem Zufall, der Libido, den Hormonschüben, dem Schicksal und verzweifelt dann später irgendwann einmal an seinen sogenannten persönlichen „Entscheidungen“. Eine andere Möglichkeit wäre, alternativ das eigene Spiegelbild auseinander zu nehmen.

Was sieht Mann denn da? Einen Versager, der seine Brut nicht ernähren könnte, sofern er überhaupt eine hätte? Einen unverbesserlichen Lustmolch, der am liebsten alles schwängern würde, was nicht bei 3 auf’m Baum ist? Einen Angsthasen, dessen Gesicht in Panik verzerrte Züge annimmt wenn er zu Denken anfängt?

Das Aufgezählte ist jedoch auch nur dann zu berücksichtigen, wenn es sich beim Besitzer des Spiegelbildes nicht um einen Mafioso, Zuhälter, führenden Banker, gewissenlosen Politiker, oder Hobby-Folterer, respektive einen im staatlichen Auftrag handelt. Dann ist sowieso jede weitere Überlegung fehl am Platz!

Für derartige Zeitgenossen ist es praktisch egal, mit wem sie sich paaren, es kommt immer etwas Interessantes dabei heraus. Das wissen, glaube ich, Frauen ganz besonders gut.

Generell aber empfiehlt es sich sicherlich, entweder möglichst wenig zu wissen, oder bewusst, wie auch unbewusst, auf möglichst wenig bei der Partnersuche zu achten. Nehmen wir uns doch einfach alle als „Gottesgeschenke“ hin! Genießen wir den freien Fall beim Sex und kümmern wir uns erst gar nicht darum, wie wir nach 20 Jahren dastehen.

Es ist anscheinend nicht unsere Aufgabe die Zukunft sinnvoll zu planen. Dafür sind wir nicht ausgestattet! Wenn, dann wüssten wir ja auch, warum dies und jenes, in Vorbereitung auf eine so oder so geartete Zukunft, geschieht. Derlei Erwartungen an uns zu haben wäre eindeutig zu viel verlangt!

Das ist zwar, im Großen und Ganzen, der angewandte Wahnsinn in 365 Schritten, mal Lebensalter, aber unumgänglich. Außer, es gelingt uns eines Tages ehrlich zu uns selbst und den anderen zu sein. Die Frage ist dann nur, ob wir uns unter diesen (veränderten) Umständen noch einen Lebenspartner suchen möchten.

©Alf Glocker

Zeichnung / digital verändert
Veröffentlicht / Quelle: 
Auf anderen Webseiten
Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Buchempfehlung:

Image of Vrolog 3: Roman-Trilogie
Autor: Alf Glocker
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (2016)
Binding: Taschenbuch, 536 pages

Kommentare

03. Apr 2015

So also denkt ein Mann respektive männliches Wesen ...?
Auf dem Bild "geht" er ja schon am Stock, wie's scheint.
Aber: schön.

04. Apr 2015

Ich vermute mal, um Abbitte zu leisten.
Oder weil "es" ihn umhaut ... ?
Na, so ist er dann jedenfalls "vierbeinig", wie Dein Bild nicht ganz verbergen kann.

Neuen Kommentar schreiben

Kurzgeschichten & Kurzprosa aus der LiteratPro-Bibliothek