Ein Blick in die Zeit

Bild von Alf Glocker
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Es ist Rom und es ist Dekadenz: Der Kaiser zündelt und die Bürger kreischen vor Freude im Kolosseum, wenn dort gestorben wird. Kein Mensch kümmert sich um die Arbeitssklaven … und Philosophen werden zum Selbstmord aufgefordert. Die Patrizier sind mit Orgien beschäftigt, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt, bzw. dessen Bedeutung besondere Aufmerksamkeit erfährt – Verkleiden ist in. Die Gänse auf dem Forum sorgen für Sicherheit!

Überall bröckeln die Grenzen! Die Legionen reichen nicht mehr aus, oder sie sind schlecht geführt. Die Sesterzen für den Verteidigungshaushalt gehen in der korrupten Bürokratie verloren und der Handel konzentriert sich hauptsächlich auf die Einfuhr von Sklaven, deren Mitsprachrecht überall anwächst. Die Eliteeinheit der Prätorianer wird hauptsächlich aus Soldaten fremder Länder zusammenstellt …

Künste und Wissenschaften blühen, werden aber zusehends von einer Gleichgültigkeit untergraben, die ihresgleichen sucht, aber erst 2000 Jahre später wiederfindet. Die antike Welt wähnt sich auf einem Höhepunkt, der nicht mehr zu überbieten scheint. Jetzt muss man sich nur noch in den existierenden Umständen einrichten und alles wird gut! Zur Versöhnung der Religionen untereinander wird das „Pantheon“ erbaut.

Denn die „Götter“, der „Gott“, der „Teufel“, die „Dämonen“, oder das Schicksal (hier als Sammelbegriff für ein Zusammenwirken magischer Kräfte und talentfreier Menschen zu verstehen) hat sich vorgenommen, eine unnatürlich gewachsene Zivilisation zu zerstören: Das Geschäft blüht, aber überall bereiten sich Schwierigkeiten vor, ein Reich zu zerstören, das nicht nur unmenschlich ist, sondern auch vielversprechend.

Die Statthalter beanspruchen für sich selbst Geld und Macht, ohne ihre Wurzeln ausreichend mit jenen Mitteln zu versehen, die ein Staat braucht, um seine Identität zu bewahren – und einer übertrifft den anderen an Selbstherrlichkeit und Phantasie, was den glorreichen Niedergang betrifft. Primitive Völker an den Rändern des Reiches schicken sich an aufzustehen und die Vorstellung der Einheit geht in Bürgerkriegen verloren.

Im Norden entsteht, aus einer neuen Natürlichkeit, die künftige Weltmacht der Pragmatiker, im Osten rückt Asien nach Europa vor und im Süden geht das Erbe Griechenlands vor perversen Glaubensjüngern in die Knie, die eine Frau an der Spitze der Wissenschaft nicht anerkennen wollen (Hypatia). Sie schälen der Denkerin bei lebendigem Leibe das Fleisch von den Knochen!! Der Geistespöbel erhält überall Auftrieb.

In Rom selbst werden die Gesichter der Kaiser immer grobschlächtiger! Caesar und Augustus sind vergessen. Nero und Caligula geben neue, kaputte Richtungen vor, aber allerlei Sektierer, allen voran die Christen (die 2. Weltreligion bereitet sich vor) beruhigen das Volk mit Parolen wie „Der Messias ist für euch am Kreuz gestorben und hat damit die Menschheit erlöst“, oder „Wenn ihr auf Gott vertraut, kann euch nichts mehr passieren!“.

Die Meinungsvielfalt beim Pöbel ist grenzenlos – jeder fühlt sich einer anderen Strömung verpflichtet und jeder verteidigt seine Ideologie bis zum Erbrechen! Doch das arrivierte Bürgertum verschanzt sich hinter seinen vollen Tischen. Es ist satt und zufrieden, es fühlt sich nicht mehr als Träger einer Kultur und ist bereit, alle Werte für irgendeinen Kauderwelsch aufzugeben, der gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeit eröffnet.

Die Mode ufert völlig aus! Neue Leitbilder werden germanische Zöpfe und numidische Männergestalten, die den Reichsgründern nicht mehr im Entferntesten ähnlich sehen. Die Schreiber passen sich an und benutzen jede nur erdenkliche Form von Hieroglyphen, um auszudrücken, was geheimnisvolle Schamanen aus dunklen Welten verkünden. Überall bilden sich Untergangszirkel, die die Ritualisierung des Verfalls romantisch finden.

Jeder, geistige Abschaum, versucht sich zu vergöttlichen, um sein Leben nach dem Tod als Statue fortzusetzen. Fähige Politiker werden vor Gericht gezerrt und verbannt. Schöne Frauen stellen nur noch eine Handelsware dar, während Giftmischerinnen entscheiden, wer Rom in Zukunft regiert. Das Militär ist käuflich und kuscht. Und schließlich verblasst das strahlende Bild einer großen Epoche in den Wirren der Zeit …

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Kommentare

07. Nov 2020

Daraus hat man gelernt - ganz klar!
(Die Gänse sind schon nicht mehr da ...)

LG Axel

07. Nov 2020

Auch wir haben endrömische Verhältnisse. Darauf einen Dujardin !
HG Olaf

07. Nov 2020

Ja, salute!
Morituri, etc....

LG Alf

08. Nov 2020

Ein Blck (Einblick) in unsere Zukunft.
Trotzdem: Bei deiner Aufzählung hast du die GÖTTINNEN vergessen! Unverzeihlich!