Mich braucht ihr dazu ja hoffentlich nicht

von Alf Glocker
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Mit keinem lachenden und keinem weinenden Auge blicke ich zurück auf meine Zukunft und meine, ich hätte schlimmer befallen werden können. Jeder Tag war zwar eine Niederlage, abgesehen von den Tagen, an denen ich rücksichtslos vorging, aber das war auch nicht wirklich auszuhalten. Ich habe halt mitgespielt, ohne mich wehren zu können … oder zu wollen, denn ich konnte niemals der wüste Schläger, Verführer, Peiniger sein, den ich mir vorgestellt hatte.

Ich wollte ursprünglich einfach nur in der Gewissheit leben, daß alles immer besser werden würde, solange ich nur darauf vertraute – und so wurden meine Ausreden, meine Hilfsinterpretationen immer ausgefeilter, denn mein Anspruch auf Glück und Zufriedenheit schrumpfte schließlich nicht mit den Jahren! Aber die Achtung vor mir selber schmolz in der Sonne der Urlandschaft, ich der ich lebte dahin wie Eis in der Serengeti. Ich wurde täglich nachdenklicher!

Die Hoffnung habe ich natürlich längst überlebt – ich schwebe seitdem auf einer Wolke der Desillusionierung, wo ich, umnachtet von der Vernunft, nur noch staune, wenn wieder einmal etwas zu Bruch gegangen ist, von dem jeder halbwegs normale Mensch annehmen müsste, daß es für das tägliche Leben oder auch Überleben unerlässlich ist. Dann muss ich schmunzeln, denn die Halbaffen propagieren diese als die allein seligmachende Methode.

„Die Menschen“ von denen ich eine Lösung aller Probleme erwartet habe, sind zu einer „Menschheit“ geworden, die einfach nur weiter wächst, ohne sich um die Folgen zu kümmern … und das Schlimmste daran ist auch noch, daß ausschließlich der Teil der Menschheit wächst und wächst, der gar nichts anderes kann als wachsen. Das freut zwar ein paar Finanzhaie, aber für kommende Zeiten ist das katastrophal. Was nützen uns Lügen, wenn wir Lösungen brauchen?

Unsere Aussichten kann man, solange man noch im Besitz seiner geistigen Kräfte ist, nur als „fatal“ bezeichnen. Die allgemeine Entwicklung hat einen malignen Automatismus erreicht, der im Siechtum enden WIRD! Andere Perspektiven eröffnen sich vielleicht Geisteskranken, oder ewig Vorgestrigen, die es bevorzugen, die gegenwärtige Welt an längst überholten Idealen zu messen, die man, guten Gewissens, auf das sich überall herumtreibende Pack nicht anwenden kann.

Und dann noch die Wahnsinnigen in den Schlüsselpositionen! Jedes halbwegs denkende Individuum (im Staatsjargon: „Subversives Element“) bekommt Alpträume davon. Jedes Wesen mit leichtem Ansatz zu logischem Denken gruselt sich vor den Folgen einer solch zügellosen Politik, die man eigentlich nur noch als selbstmörderisch bezeichnen kann. Suizidgedanken aber sind entweder Folgen eines verschwörerischen Apparats, oder die ersten Anzeichen perverser Verblödung!

Natürlich weiß ich und habe ich, neben all meinen Traumvorstellungen, immer gewusst, daß die List ein vitaler Bestandteil aller Lebensprinzipien ist, aber, daß sie zum alleinigen Lebensinhalt und zur Grundvoraussetzung für eine Lebensbewältigung, im Sinne von „Du musst jetzt hereinfallen, sonst darfst du nicht mehr mitspielen“ wird, das hielt ich für gänzlich ausgeschlossen. Da gibt es doch glatt sogar Leute, die bezeichnen ihr Glaubensmodell als das „modernste“ – nur weil es zuletzt aufkam …

Wenn also heute einer eine neue Steinschleuder erfindet, dann ist das vermutlich die fortschrittlichste Waffe der Welt … klar! Drauf muss man auch erst einmal kommen! Doch genau dieses „Draufkommen“ finde ich unglaublich beunruhigend. Neuerdings werden also die kompliziertesten Aufgaben mit den einfachsten Mitteln erklärt? Na ja, warum eigentlich nicht? Wenn wir uns alle ganz einfach benehmen wie die Tiere, dann reduziert sich die Anzahl unserer Individuen endlich wieder von selbst.

Mich braucht ihr dazu ja hoffentlich nicht!

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Kommentare

03. Aug 2018

Die Menschheit wächst - froh schleudert sie mit Steinen!
(Fast will's das Paradies mir scheinen ...)

LG Axel

03. Aug 2018

da kommen wir auch demnächst hin -
es hat alles seinen (Un)Sinn!

LG Alf