Nationalstolz

von Arthur Schopenhauer
Aus der Bibliothek

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Quelle: Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit, Von dem was einer vorstellt. pp. 360

Veröffentlicht / Quelle: 
Aphorismen zur Lebensweisheit

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112 Seiten / Gebundene Ausgabe
EUR 4,95

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Kommentare

17. Okt 2016

Diese Dichotomie gefällt mir nicht so richtig,obwohl natürlich nicht von der Hand zu weisen.
Schopenhauer finde ich am Besten,wenn er über Krankheit,Tod und Sterblichkeit spricht.
I like him.
ulli

01. Apr 2017

Von Nationalstolz halte ich persönlich so gut wie nichts! Das hätte uns wahrlich noch gefehlt um noch mehr in die gewisse Ecke gedrängt zu werden ! Wir können stolz sein, auf dss wir tun, aber nicht auf unsere Nation. Aber ganz und gar nicht!

17. Apr 2017

Weshalb überhaupt Stolz (Stolz und Vorurteil)? - Das ist doch die Frage. - Jeder so gut, wie er kann. Talente werden meistens vererbt, werden oft von den Eltern gefördert, anerzogen - ebenso meistens auch die Fähigkeit, durchzuhalten, Fleiß zu entwickeln. Glücklich zu sein über Talente, weil sie das Leben verschönern, nicht allein das eigene, trifft es doch sozialer - oder?

LG Annelie

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