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Warum wo, welcher einfache Mensch keine Schuld hat

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Wie es auch kommt und was dem auch sei, alles, alles geht vorbei! Tragen wir es mit Geduld – denn der einfache Mensch trägt niemals die Schuld! Das ist ganz einfach zu erklären: Der einfache Mensch kann sich nicht wehren, denn viele einfache Menschen sind da – und sie legen ihm die Möglichkeit des Sterbens ganz nah, wenn er nicht spurt. So ist das nun mal, seit seiner Geburt! Viele einfache Menschen sind des einfachen Menschen Tod, denn sie bringen einander um, und sogar aus dem Lot, wenn‘s darum geht, eine Meinung zu haben … da sind sie absolut wie die Küchenschaben! Ungeziefer! Das darf man nicht sagen! Das ist doch nicht gut! Der (einfache) Mensch muss sich plagen … das liegt ihm so im Blut!

Und das wird er lassen, wenn er sich nicht unterwirft, wenn er ausnahmsweise einmal höchstselbst in den Tiefen schürft, die andere ihm nahmen, für sich okkupierten, weil im großen Rahmen, sie sich selber dazu kürten, die Lenker zu sein, das Vorrecht aufs Denken ganz stolz behaupten! Der einfache Mensch fügt sich halt drein – und in seinem Hirn, dem verstaubten, passiert einfach nichts, was die Zeiten bewegt, außer wenn sich zwischendurch das Geschlechtliche regt. Dann ist er kompliziert und er macht es sich schwer, dann verlangt er von sich alles, doch der Kopf bleibt trotzdem leer. Ja, so soll es sein, da jubilieren die Präsidenten, die Banker, die Gangster, die Generäle! Da sammelt sich manches düstere Heer und der Mob, der Mob füllt alle Säle.

Man huldigt dem Abschaum, der auch verantwortlich nicht ist, weil man den einfachen Menschen vergisst, der alles ermöglicht, der Befehle ausführt, der betet und mordet, der ungerührt, die brutalsten Straftaten begeht … weil er sich angeblich selbst nicht versteht! Das arme Kind, was soll es machen?! Es kümmert sich leider nur um die Sachen, die unmittelbar dem Einfachen dienen – wie Essen und Trinken und gute Mienen, zum bösen Spiel vorzuzeigen. Dann lässt es sich willig nach Hause geigen! Es guckt weder hin noch guckt es weg, es findet für sich leider gar kein Versteck, wo es sich verbergen und schützen könnte. Es äugt nur verschämt auf die Bestände, die „Besitz“ oder „Familie“ heißen – dann verbrennt sich’s die Finger am heißesten Eisen, das die Geschichte bereit hält, es zwingt, daß es geeignete Leistungen bringt … die zu nichts als zum eigenen Untergang taugen. Den Grund dafür kann es sich aus den Fingern saugen.

Erklärungen, fundiert und logisch bewiesen, braucht es ja nicht – und wenn, dann werden sie extra hingetrimmt! Der einfache Mensch darf nur Dinge wissen, die geeignet sind, daß die Welt für ihn stimmt. Dann kann er sich aggressiv orientieren, sich selber verführen, sich regen und rühren, damit das Große und Ganze auch ebenso rollt, wie es die Despoten immer gewollt: in den Abgrund aus Elend, und wer dabei fehlt, der wird vor die großen Gerichte gestellt, die jeden verurteilen, der kein Trottel sein will. Der einfache Mensch hält bei allen ganz still – und schon allein deshalb ist er kein Verbrecher … er ist nur ein A…l…, sorry, das war ein Versprecher. Wir lieben den einfachen Menschen über alles in der Welt! Das bedeutet jedoch: Er muss dort sich verachten, wo man ihn duldet … weil das wiederum seinen Mördern bestens gefällt!

*

Auch ein Löffelstiel

Einmal hin und einmal her,
rundherum, das ist nicht schwer,
aber her und hin und was?
Hin- und her, ja das macht Spaß!

Lasset uns es immer lassen,
alles was so schwer zu fassen,
bleiben wir beim Hin und Her –
und wir bilden dieses Heer:

eins der guten Menschenwelt,
das aufs Hin- und Her gestellt,
alles bleiben lässt und macht,
was Despoten sich erdacht!

*

(aus „Schizophrene Texte")

Veröffentlicht / Quelle: 
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Interne Verweise

Kommentare

30. Jun 2017

Der einfache Mensch hat's doppelt schwer -
Wahrscheinlich ist das das Malheur ...

LG Axel

01. Jul 2017

es ist ein Malheur,
denn die Seelenblinden nehmen überhand

LG Alf