Wenn ich nachts in meinem Bett liege

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Ich liege nachts in meinem Bett,

Höre das streitende Duett,

Sehe alles nur noch rot,

Sehe, die Beziehung ist jetzt tot.

Er zählt von vorne: eins, zwei, drei…

Oh, Gott, wann kommt die Polizei?

Er zählt weiter: vier, fünf, sechs…

Meine Tränen fliesen, ein Reflex?

Er zählt weiter: sieben, acht…

So hallt es durch die Nacht.

Er zählt weiter: neun, zehn…

Ist er etwa schizophren?

Ich liege nachts in meinem Bett,

Wann endet das streitende Duett?

Höre jeden Schlag für Schlag,

Höre, auch wenn ich es nicht mag.

„Geh weg, verschwinde, komm nicht wieder!“

Vertreibt er sie wie ein Paranoider.

„Verschwinde, doch die Kleine bleibt!“

Was für ein Unsinn er doch beschreibt!

„Du bist verlogen, gar nix wehrt!“

Der Alkohol hat alles nur erschwert.

„Geh weg, sonst bist du tot!“

Meine Mam ist in schwerer Not!

Ich liege nachts in meinem Bett,

Wie lange geht das streitende Duett?

Ich spüre Tränen auf dem Kissen,

Spüre, doch keiner kann das wissen!

Er zählt von vorne: eins, zwei, drei…

Oh, Gott, wann kommt die Polizei?

Er zählt weiter: vier, fünf, sechs…

Meine Tränen fliesen, ein Reflex?

Er zählt weiter: sieben, acht…

So hallt es durch die Nacht.

Er zählt weiter: neun, zehn…

Ist er etwa schizophren?

Ich liege nachts in meinem Bett,

So heftig ist das streitende Duett!

Ich merke wie sie aus seinem Zimmer geht,

Merke, dass sie in meinem Zimmer steht.

Sie legt sich auf das zweite Bett,

Dann kommt auch er aus dem Duett.

Er läuft sofort hinter ihr her,

Sein Ausdruck einfach seelenlehr.

„Du hast dir das selber zu zuschreiben!“

WARUM wollte sie hier bleiben?

„Ich habe dich gewarnt, doch du…!“

Lass uns bitte doch in Ruh!!!!

Ich liege nachts in meinem Bett,

Sehe vor mir das streitende Duett!

Ich sehe alles in Detail,

Weis, das alles ist fatal!

Sie schreit und wehrt sich immer wieder,

Doch er hält sie fest, schlägt auf ihre Glieder.

Sie schreit und sieht nun zu mir rüber,

All das geht drum und drüber!!!

Nun schließt sie ihre Augen,

All ihr Mühe kann nix taugen!

Leblos liegt sie einfach da,

So als ob nix geschah!

Aber er, er kann nicht anders mehr,

Um sie zu lieben hasst er sie zu sehr!

Schlag für Schlag, nur das hilft ihm noch,

So versinkt er in dem schwarzen Loch!

Einfach aufzuhören, kommt nicht in Frage,

Was ist das für eine zwiste Lage?!

Nun lächelt sie und schweigt für mich,

Oh, Mam, du weißt, ich liebe dich!

Er ist ein Schwein, ein Esel und noch viel mehr,

Doch warum setzt du dich nicht mehr zur Wehr?

Warum hast du jetzt schon aufgegeben,

Dein Herz und Leben IHM mitgegeben???

Oh, Mam, ich bitte, steh jetzt auf,

Geh bloß jetzt doch noch nicht drauf!!!

Du fühlst den Schmerz, weil du noch lebst,

Weil du immer noch nach der Liebe strebst!

Oh, Gott, nimm mir meine Mutter nicht,

Nimm lieber ihn, den grausamen Bösewicht!

Gib mir Kraft um sie zu beschützen,

Gib mir Kraft um sie einfach zu stützen!

Ich liege nachts in meinem Bett,

Sehe vor mir das streitende Duett!

Ich weiß, er tut ihr schlimmes an,

Sehe, all das ist ein schlimmer Bann!

Er zählt von vorne: eins, zwei, drei…

Oh, Gott, wann kommt die Polizei?

Er zählt weiter: vier, fünf, sechs…

Meine Tränen fliesen, ein Reflex?

Er zählt weiter: sieben, acht…

So hallt es durch die Nacht.

Er zählt weiter: neun, zehn…

Ist er etwa schizophren?

Warten bringt nix, sie wird noch sterben,

Zur Not, laufe ICH in das Verderben!

Ich stehe auf, atme noch mal ein,

Und laufe auf das doofe Schwein!

Ich schreie, mit meinen Fäusten geschwungen,

Meine Angst ist nun bezwungen!

Ich schreie, schlage auf ihn drauf,

Benehme mich wie beim Amoklauf!

Ich schreie unter Tränenfluss,

Doch die Schläge sind weich, wie ein Kuss…

Ich schrei, weiß es ganz genau,

Wir sterben noch bei dieser Sau!!!

Ich will nicht mehr, will nicht schweigen!

Ich will endlich meinen Willen zeigen!

Das tu ich nun, aber ohne Erfolg,

Denn er ist einer von dem Tätervolk!

Er schaut mich an, ganz lange,

Die Tränen fliesen über meine Wange,

Er hebt mich hoch, ganz leicht,

Meine Kraft hat einfach nicht ausgereicht.

Er wirft mich gegen eine Wand,

Während mein Wille langsam verschwand,

Ich merke wie ich langsam falle,

Und heftig auf mein Bett knalle.

Ich sehe schwarz, alles verschwimmt,

Ich sehe vor mir, wie er mir alles nimmt.

Ich weiß es genau, es ist nun vorbei,

Er zählt von vorne: eins, zwei, drei…

Das Gedicht hab ich aus der Perspektive meiner eigenen Kindheit geschrieben. Entstanden ist es aber erst 2016, als ich bereits Volljährig war

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Kommentare

13. Sep 2017

Liebe Nastja, du hast viel zu verarbeiten. Dein Schicksal berührt mich. Schreib weiter, es ist die beste Therapie.

Liebe Grüße - Marie

13. Sep 2017

Liebe Marie, danke für dein Mitgefühl. Das Schreiben ist wirklich eine große Hilfe, egal ob es einem gut oder schlecht geht, durch das Schreiben kann man seinen Gefühlen freien lauf lassen.

13. Sep 2017

Gewalt und Misshandlung an Frauen und Kinder sind erbärmlich, liebe Nastja. Und wenn es noch der eigene Partner und/oder Vater ist, schreit es ganz zum Himmel. Es gibt heute überall Telefonseelsorge, Beratungsstellen und auch Frauenhäuser. Doch das alles bringt nur was, wenn die Betroffenen ihren ganzen Mut aufbringen, was gegen den Brutalo zu unternehmen... Es wäre SOOOO WÜNSCHENSWERT!

Liebe Grüße
Soléa