Szenen einer Ehe

von Annelie Kelch
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Szenen einer Ehe
(für Literaturkenner)

Es sprach zum Lew die Tolstaja:
„Ich fahre mit unserem
Wanetschka gen Süden.
Hier ist es kalt und öde
und du behandelst mich schnöde;
zwischen uns herrscht
mehr Krieg als Frieden.“

Es sprach zur Tolstaja der Lew:
„Weit mehr als das Hundegekläff
nervt mich der pompöse Stil –
wie gewirtschaftet wird auf Jasnaja Poljana.
Was zu viel ist, ist einfach zu viel.“

„Auf Leibarzt, Diener und Koch
‑ und auf was weiß ich alles noch ‑
kannst du, bester Ljowa, mitnichten
ebenso wenig verzichten wie auf
Kutschen, Pferde und Wald.
Ich höre die Leute schon lachen
beim Lesen deiner scheinheil’gen Sachen.
Mich lässt das schon längst alles kalt.“

„Apropos, mein Täubchen Sonetschka,
der Tschertkow war vorhin da.
Meine Tagebücher ruhn ab sofort
an einem streng geheimen Ort.
An die kommst du nimmermehr ran.“

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