Auf mir selbst beruhend

von Alf Glocker
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Versteinert sind die Phrasen meiner Seele,
gesalbt mein rechtes Bild vom Untergang,
gepfiffen sei auf alles was ich stehle
und abgestellt mein eitler Liebesdrang!

In kleine Welten heilig mit hinein gesponnen,
erfrischt sich mein Bedürfnis nach Gestaltung.
Es scheinen keine fleischgeword’nen Sonnen:
ich ekle mich vor Pflicht und Arterhaltung.

Geworben sei nun keine Mär – verboten
sind dumme Lügen um die Zukunftschancen.
Ich dulde nur noch meine eig’nen Zoten,
ich mach dem Wahnsinn direkt froh Avancen!

Auf einer Welle meiner alt geword’ner Ziele
entschwinden langsam feine Empathien –
man sagt mir: du hast Schulden durch Gefühle.
Dies sei mir jetzt bestimmt nicht mehr verzieh’n!

Ich weiß, es gibt so vieles Schwere abzutragen,
was nicht mehr wirklich gutzumachen scheint.
Doch nebenbei platzt mir alsbald der Kragen –
was habe ich, und wie habt ihr’s gemeint?

Das gold’ne Garn der Treue ist vergeudet,
an einen Plan aus trüben, eisigen Kristallen.
Nun darf ich eben dreimal raten: was bedeutet,
was für mich angesammelt ist, im Fallen?

So braust der wilde Sturmwind um die Ohren,
und regennass ist meine Haut geworden.
Noch immer steh‘ ich wartend vor den Toren
und in der Stadt, da hausen die brutalen Horden!

Auf ewig die Verdammnis träge zu erspüren,
ist mir Bedürfnis? – unverstanden, fremd
vertraue ich naiv dem Wirken der Walküren,
in einen Strom aus Weiß-nicht-was gestemmt!

Bestellungen – sind außer Frage – kleinlich,
das Universum meidet meine dumme Post!
Das ist im höchsten Maße öd und peinlich –
doch glaub‘ ich es, befällt mich gleich der Rost!

Ein Bleiben in der Tat ist mir dann angeraten –
was sollte ich auch sonst wohl anderes tun?,
als durch den Mist nach Golgatha zu waten.
Mich selbst im Kern lass ich auf sich beruh’n!

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Kommentare

19. Jan 2015

Und das ist gut so.
Was willst Du auch in der Stadt, wenn dort die brutalen Horden hausen, dann bleib' doch lieber "außen vor".