L'INCONNUE DE LA SEINE

von Carl Stern s.A.
Bibliothek

(2. Fassung: 1979)
- Für Muk -

o süßer schmerz -
noch meine lippen flüstern
ihn nach innen, innen,
so unendlich zärtlich,
hingehaucht
noch hab ich ihn,
gebetet wie
ein letztes flüsterndes gebet
in tiefster stille
nur mir selbst gebetet -

als ER dann kam -
ER war so sanft und mild -
und Seine dunklen schattenarme
waren wie
die leisen, dunklen wellen
so schmiegsam
und in die
ich wiegend mich geschmiegt
und eingehüllt nun trieb;
und über mir
der himmel voller sternenlicht -

in dem mein überweißes
totenangesicht
erleuchtet lag wie spiegelbild
den sternen.
und nur die traurigleise,
meine melodie
ich mit mir nahm;
nur sie, nur sie -
ihr wiederkehren, ihr verschweben
aus meiner not,
aus dem verwehrten leben -

nun schwimme, schwimme
ich dahin
schon mit verklärtem wissen lächeln,
daß ER die stille ist
und nie das enden;
o süßer tod,
in dir kann ich vollenden;
du linder tod,
du bist mir umgehangen
wie zarte hülle nur,
die mir den schmerz verhangen -
du todes tor -
ich bin durch dich gegangen -

ich bin, ich bin
nur noch mein schwingend lied,
mein lied,
nun bist du mein -
mein nur, und mir nur eigen;
nichts ist in mir,
nur selig-süßes schweigen,
und die
geschloß'nen blinden augen,
sie sind mir aufgetan
wie blütenkelche weit nach innen,
durch die das tönen,
meine weise,
wie
ein innig lauschen,
wie ewiges erinnern zieht -

ich weiß es, weiß
mein antlitz ist -
ein einz'ger lichter schein
um meine stirne -
wie ein stiller schrein,
in dem
nur meine liebe
ewig, ewig blüht.

Veröffentlicht / Quelle: 
Erschienen in SILHOUETTE Nr. 10/81
Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise