Die Geschichte vom kleinen Apfelbaum

Bild von Mariposa
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Es war einmal ein kleiner Apfelbaum in einem schönen bunten Garten. Der Garten war ganz herrlich, es trieben überall Knospen aus an den Büschen, es blühten die Blumen, es zwitscherten die Vögel und flogen zwischen den Ästen umher. In dem Garten rannten fröhlich kleine Kinder umher und spielten. In einer Ecke stand ein kleiner Apfelbaum und schaute ganz traurig. Er schaute zu, wie die Knospen blühten, die Blumen bunt daher standen, wie alle Pflanzen fröhlich miteinander schnatterten und die Vögel zwitscherten.
Nur er war ganz traurig. Der Apfelbaum schaute zu dem anderen - großen - Apfelbaum herüber, der auf der anderen Seite des Gartens stand. Der andere Apfelbaum war groß und kräftig, hatte einen kräftigen Stamm, dicke Äste und an ihm hing eine Schaukel, auf der Kinder fröhlich schaukelten und umher turnten. Ach war der kleine Apfelbaum traurig.
Da kam ein kleines Mädchen vorbei, schaute den kleinen Apfelbaum an und fragte
„Kleiner Apfelbaum, warum bist du so traurig?“.
„Ach weißt du“, sagte der kleine Apfelbaum, “ihr schaukelt alle dort drüben“.
„Ja und, was ist daran da Problem?“, fragte das kleine Mädchen.
„Ach, ich würde auch gerne, dass kleine Kinder an mir schaukeln können“, sagte der kleine Apfelbaum. „Ja, aber wir haben doch drüben eine Schaukel, das reicht doch. Wir brauchen doch nur eine Schaukel“.
„Ja, aber weißt du“, sagt der kleine Apfelbaum, „das ist doch der Sinn des Lebens eines Apfelbaums, dass Kinder an ihm schaukeln und Spaß haben“.
„Ja“, betonte das Mädchen nochmal, „wir brauchen doch nur einen Schaukel, die haben wir doch schon drüben, das ist doch nicht schlimm. Und reicht eine Schaukel“.
„Ach, vielleicht verstehst du das noch nicht“, seufzt der kleine Apfelbaum, „aber das ist mein Sinn, dass ich eine Schaukel haben kann, auf der ihr schön schaukeln könnt. Aber schau mich an - mein Stamm ist noch ganz klein und meine Äste ganz seicht. Da kann man noch keine Schaukel dran hängen. Ich kann nur hier stehen und euch beim Spielen und Schaukeln zuschauen.“
„Hm“, sagte das kleine Mädchen, „aber bald ist es doch bestimmt soweit.“
„Ach“, seufzt der kleine Apfelbaum, „das dauert noch viele Jahre. Ich bin erst drei Jahre alt, das dauert noch ganz lange bis ihr an mir schaukeln könnt. Und bis dahin muss ich zusehen, wie ihr unter dem großen Apfelbaum schaukelt.“

Nun ist das Mädchen auch ganz traurig, dass der kleine Apfelbaum so traurig ist.
„Mh, was machen wir da kleiner Apfelbaum? Vielleicht, kann ich mich mal an dich setzen.“
„Ach“, seufzt der kleine Apfelbaum, „ich kann dir doch nicht mal Schatten spenden bei der Mittagssonne, weil meine Äste noch so seicht sind und ich habe noch nicht mal Früchte an mir. Du kannst weder von mir essen, noch an mir schaukeln, noch kann ich dir Schatten spenden.“ „Ach kleiner Apfelbaum, weißt du, dafür kann ich herrlich mit dir kuscheln.“
Das kleine Mädchen setzt sich auf seinen Hosenboden an den kleinen Apfelbaum, schmiegt sich ganz sachte an seinen Stamm und kuschelt mit ihm.
„Weißt du kleiner Apfelbaum, das kann ich am großen Apfelbaum nicht machen, der ist schon viel zu groß und die Rinde ist zu hart. Da kann ich nicht dran kuscheln. Das kann ich nur bei dir.“
„Danke“, flüstert der kleine Apfelbaum, „das ist sehr lieb von dir.“.
Das kleine Mädchen verspricht von nun an jeden Tag, wenn es in den Garten kommt, zuerst mit dem kleinen Apfelbaum zu kuscheln - so lange bis er groß und stark ist, auch eine eigene Schaukel tragen zu können.
„Danke“, sagte der kleine Apfelbaum nochmal.
„Und nun geh rüber zum großen Apfelbaum und spiele und schaukel mit deinen Freunden. Ich gucke von hier aus zu und warte bis ich groß geworden bin.“

Das kleine Mädchen rennt los zu den anderen Kindern beim großen Apfelbaum, springt auf die Schaukel, schubst sich ganz doll ab und schaukelt ganz genüsslich. Dabei zwinkert ihr der kleine Apfelbaum zu und sie zwinkert zurück.
Da fragen die anderen Kinder sie, warum sie dem kleinen Apfelbaum zuzwinkert und warum sie so lange bei ihm war, wenn doch die Schaukel auf dieser Seite des Gartens ist. Das Mädchen lächelt und flüstert „Das ist mein Geheimnis mit dem kleinen Apfelbaum.“.

Eine Kurzgeschichte für Kinder über Zusammenhalt und das Glück, mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ohne sich zu vergleichen.

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