Der Kampf der Titanenzwerge

Bild von Alf Glocker
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Damals, als es noch eine Welt gab, da gab es unter anderem 2 Weltreligionen ... Beide verfolgten wild-romantische Ziele und beide waren nicht eben leicht zu verstehen. Die eine verkündete laut, daß man alle Ungläubigen vernichten müsse, und die andere hatte einen zum Vorbild, der sich in der Selbstvernichtung gefiel ...

Die beiden Weltreligionen bekämpften sich bis aufs Blut! Denn die einen vernichteten die Ungläubigen wo es nur ging, und die anderen vernichteten die Vernichter der Ungläubigen ebenfalls wo es nur ging. Denn obwohl ihr Fetisch die Selbstvernichtung war, fanden sie es doch verwerflich, daß es da jemanden gab, der jemanden vernichten wollte, der im Sinn hatte, sich selbst zu vernichten.

Gewaltige Kriege fanden über viele Jahrhunderte statt und zunächst sah es so aus, als gewännen die Vernichter der Ungläubigen den Krieg. Sie mordeten und raubten und brandschatzten die Gegenden der Selbstvernichter und nahmen ihre Frauen und Kinder zu Sklaven, wo sie kein Recht mehr hatten sich selbst zu vernichten, weil sie fremden Herren dienen mussten.

Dann wurden die einen, die Selbstvernichter, auf einmal um einiges schlauer und ihre Waffen wurden so effizient, daß die Vernichter der Selbstvernichter besiegt wurden, wo man sie traf! Begonnen hatte der Gegenschlag mit den sogenannten Querschlägen, die man als Züge verstand ... als kuriose Schachzüge vielleicht und es endete mit einer Art „Kolonialisierung“, die jedoch niemals Früchte trug.

Die Selbstvernichter fühlten sich dann bald sehr sicher und begannen ihre Ideologie zu überdenken. Nach dem Zeitalter der Erklärungen kam sie für sie das Zeitalter des Fortschritts, welcher nur möglich war, weil sie nicht mehr von den Vernichtern vernichtet werden konnten. Doch dann geschah etwas Seltsames ...

Obwohl sie, im Gegensatz zu den Vernichtern, nicht mehr an ihren Fetisch, die Selbstvernichtung glaubten, fielen sie ihm heftiger zum Opfer als in allen anderen Epochen vorher. Sie entwickelten eine eigenartige Theorie! „Wenn", so sagten sie, „wir früher an die Notwendigkeit der Selbstvernichtung glaubten, dann sind wir einem Irrtum erlegen ...

Denn wir wollten gar nicht vernichtet werden! Schließlich hätten uns die Vernichter doch die Arbeit abgenommen und uns vernichtet – wir hätten uns nicht mehr selber vernichten müssen. Warum also hielten wir sie dann für böse? Nur weil wir uns unbedingt selber vernichten wollten?“

Aber Leid und Selbstvernichtung geschehen durch die Welt des Bösen, so sagten sie sich – und die Welt des Bösen könne eben nur durch die Bereitschaft, sich der Vernichtung anheimzugeben, besiegt werden. Wie aber wollen wir etwas besiegen, wenn wir uns nicht besiegen lassen wollen? Sie kamen zu dem Schluss, daß sie jahrhundertelang falsch gehandelt hatten.

Die Bösen waren nicht die Bösesten gewesen, sondern, sie selbst, die sich andauernd für gut gehalten hatten, da sie siegreich waren, waren noch viel böser als das Böse selbst ... und reumütig schenkten sie den Vernichtern ihre Waffen, ihr Land, ihr Herzen und ihre Seelen. Das ist alles damals gewesen, als es die Welt noch gab. Heute braucht sie keine Religionen mehr – sie ist längst untergegangen!

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Kommentare

03. Jun 2017

Hauptsache doch - es wird vernichtet!
(Nicht, dass am Ende noch wer dichtet ...)

LG Axel

04. Jun 2017

Etwas (er)Dichten ist total verpönt!
außer wenn man "Gott" erwähnt...

LG Alf