Der Rabenvater

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In den Nächten träumt er oft von grossen, schwarzen Löchern in der Erde. Er legt sich auf allen Vieren über die Löcher, wie wenn er sie verdecken wollte, damit niemand sonst hineinfällt, erbricht dann und rollt sich, wenn die Arm- und Beinkräfte nachlassen, auf die Seite und erwacht. Nach den Träumen fühlt er sich noch schlechter als im wirklichen Leben. "Es muss aufhören mit diesen Träumen", denkt er. Doch die Träume kommen immer wieder zurück.

Eines Tages stürzt er sich von einem mittelalterlichen Brunnen in die Tiefe und ist sofort tot. Er sei ein Rabenvater gewesen, werden die Kinder auch Jahre später noch voller Wut sagen. Seine Witwe wird schweigen und denken: "Dabei hatte er nicht einmal fliegen können."

© René Oberholzer, 2018

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