Café au lait 1

Bild von Monika Jarju
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Eine dichte Wolkendecke zieht am Nachmittag über den leuchtend blauen Himmel, schirmt die Glut der Sonne ab, das gleißend grelle Licht verschwindet. Staubschwaden ziehen durch die Allee. Helens Augen brennen. Es ist drückend heiß und schwül zugleich. Der feine Staub dringt in jede Pore, reibt und klebt auf der schweißnassen Haut.

Langsam schlendern Helen und ihr Mann Boubacar den Prachtboulevard entlang, der direkt zur Medina führt. Durstig geworden suchen sie nach einem Straßencafé. Ihre Zungen kleben am Gaumen. Aus dunklen Hauseingängen bewegen sich Schatten auf sie zu, leise Zurufe, stechende Blicke. „Haschisch, Marihuana, Gras, was wollt ihr?“, zischeln die Stimmen. Fordernd streckt sich ihnen eine dunkle Hand aus einem weiten, lose hängenden Ärmel entgegen, die ein kleines Päckchen umklammert. „Rauchen ist gut!“, raunt ihnen eine andere tiefe Stimme fast unhörbar und melodiös zu. Unbewegt stehen die Männer, verschmelzen beinahe mit ihrem Hintergrund, etwas Lauerndes vibriert in jedem Hauseingang. Schlanke Finger bewegen sich grazil in einer Sprache, die sie nicht verstehen. Helen schaut wie hypnotisiert in ihre Richtung. Eine leichte Benommenheit breitet sich über sie. Durst, Hitze und die drückende Atmosphäre lähmen sie.

Schweigend flüchten sie in ein Café am Rande der Medina. Schmale Tische, bunte Wachstuchdecken, klebrige Abdrücke von Teegläsern, sie sind die einzigen Gäste. Ausdruckslos stellt der Wirt stellt eine silberne Kanne vor ihnen ab, es duftet nach Pfefferminze. Er zieht sich hinter die Kasse zurück. Angewidert betrachtet Boubacar die klebrigen Teegläser mit den frischen Minzblättern und sieht vorwurfsvoll zu ihr auf. Helen trinkt gierig von dem heißen Tee. Sie fühlt ein Stechen im Mund, so ausgedörrt ist sie. Der Wirt stellt einen silbernen Teller mit gesalzenen Mandeln und kleinen in Goldpapier verpackten Bonbons auf den Tisch. Auf einem blauen Keramikteller serviert er verschiedene Kekse, Mürbeteig mit Marmeladenfüllung, Sesam in Honig. Helen kostet alles durcheinander. Der Geschmack ist eine Entdeckung, salzig, süß und zugleich scharf, stellt sie verblüfft fest.

Ihr Mann sitzt mit dem Rücken zum Eingang...

(Fortsetzung folgt)

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Kommentare

09. Aug 2020

Ein Mal schlich sich "stellt" noch ein -
LAUT Krause soll der TEE schuld sein!
(Der Text ist mehr als nur "okay" -
Nein, Frau Krause - nicht "Café olé" ...)

LG Axel

09. Aug 2020

Bin in den Keller übergewechselt !
Mehr Zeit für deinen tollen Text genommen.
Dazu stehe ich ! Unbenommen.
HG Olaf