Zehn Minuten Weltschmerz

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Manchmal denke ich über das Leben nach.

Dann frage ich mich, in was für eine Welt ich da hineingeboren wurde. Ich denke an Wohlstandsländer, die sich abschotten und an Menschen, die in Lager gesperrt werden. An eine Welt in der Männer und Frauen, Kinder und Alte auf ihrer Flucht in dem selben Meer ertrinken, in dem meine Freunde und ich im Sommerurlaub baden.

Ich lese von Atombomben, Trump, Syrien, Flüchlingskrise, AfD, Artensterben, Massentierhaltung, CORONA, Zerstörung, Krieg, Tod. Plötzlich werden mir all die Schreckensnachrichten bewusst, schlagen über mir zusammen, ziehen mich in einem Strudel der Hilfs-und Ahnungslosigkeit immer tiefer in die Hoffnungslosigkeit. Meistens aber nur wenige Minuten, denn dann kommt mir der NIKE Pegasus 36 Trail inklusive Gore-Tex in den Sinn..Und überhaupt! Was koche ich zu Abend? Oder gehe ich essen? Und oh schreck, warum schreibt er mir nicht zurück? Schliesslich reposte ich irgendwas politisches in meine Instastory, damit meine 297 Follower auch ja was von meinem Bewusstsein mitkriegen und fühle mich irgendwie, naja, gut. Beruhigt scrolle ich mich weiter durch endlose Vacation-Posts und meine Welt ist die nächsten 50 Beiträge aus Bangkok, Bali und Party in Ordnung.

Manchmal erschrecke ich mich im Angesicht meiner eigenen Stumpfheit und manchmal habe ich Angst um meine Menschlichkeit. Aber dann besinne ich mich auf das Nebensächliche.

Text: Sarah Sophia

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Kommentare

10. Mär 2020

Na endlich,
unsinniges, besinnungsloses Besinnen
auf das Nebensächliche.
Aber mit Nachdruck und Nachhaltigkeit.
LG Uwe

(Ich hoffe, du weißt, wie ich es meine.)

10. Mär 2020

Lieber Uwe, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich glaube, ich verstehe, wie du es meinst:) Lieben Gruss, Sarah

11. Mär 2020

Wow! Auf eine bedrückende Art, sehr berührend, liebe Sarah! Klasse!

Herzliche Grüße
Ella

11. Mär 2020

Vielen Dank! Ich freue mich sehr über deinen Kommentar:) Einen schönen Tag!

11. Mär 2020

Aber dann, besinne ich mich auf das Nebensächliche, freue mich und bin verwundert, das ich (noch) lebe …

Viele Grüße
Soléa