Fucking with my head

von Ich Icher
Mitglied

„Wir haben das alles in euer Zimmer gestellt.“, steht in der Nachricht. Ich tue mein Handy zurück in meine Hosentasche und beuge mich über den Tisch.
„Die haben alles bekommen. Nur hat der Typ roten statt weißen geholt.“, sage ich leise zu meinem Freund der auf der anderen Seite sitzt und einige Karten in der Hand hält.
„Lass noch die Runde zu Ende spielen oder?“
Ich nicke und lege eine Herz Acht auf die Herz Sieben.
„Weg.“, sagt Phillip und legt die Karten beiseite.
Ich lege zwei Asse auf den Tisch vor mich. Phillip überlegt kurz und nimmt sie dann auf.
„Gewonnen.“, sage ich und lege meine letzte Karte, eine Caro Neun, auf den Tisch.
Phillip sammelt alle Karten zusammen und gibt sie mir. Ich lege sie in die Verpackung und tue diese in meine Hosentasche, direkt neben mein Handy.
Wir stehen beide auf und gehen durch den Gemeinschaftsraum in Richtung Tür. Auf der Leinwand läuft irgendein Film mit Mila Kunis den der Rest unserer Gruppe guckt. Unsere Lehrerin sitzt mit einem Teller Tortellini auf dem Sessel direkt neben unserem Tisch. Am anderen Ende des Raumes sitzt sie. Ich versuche sie nicht anzusehen, während Phillip und ich zur Tür gehen. Kurz bevor wir die Tür erreichen schweift mein Blick in ihre Richtung. Sie hat die Haare offen und sitzt zwischen zwei ihrer Freundinnen. Als ich merke, dass sie ihren Kopf in meine Richtung dreht gucke ich schnell weg und gehe Phillip hinterher.
Schweigend gehen wir die Treppen hoch in den dritten Stock. Ich frage mich, ob Phillip weiß was ich für sie empfinde. Er ist einer meiner Besten Freunde, aber trotzdem habe ich es ihm nie wirklich gesagt. Ich habe es niemandem so wirklich gesagt. Nur an Karneval, als ich mit Phillip und zwei anderen bei einem Freund war, da habe ich ihm gesagt, dass ich sie „irgendwie mag“. Und Jan, der weiß auch irgendwie davon. Der hat mir auch geholfen, als ich nicht wusste, was ich ihr schreiben sollte. An Karneval. Sie war als Katze verkleidet, ich als Känguru. Am ersten Zug, in Dormagen, hab ich sie zum ersten mal so gesehen. Sie war noch hübscher als sonst, wahrscheinlich wegen dem Make-Up. Sie hat mir etwas von ihrem Sekt gegeben, als ich sie getroffen habe. Rotkäppchen Sekt, den, den man schon mit 16 kaufen kann. Das einzige, was sie an Karneval gekauft hat. Während ich 30 Euro für Wodka und Klopfer ausgegeben habe.
Und Rosenmontag, am letzten Zug, haben wir uns wieder getroffen. Haben uns umarmt, anders, als jedes andere Mädchen, dass ich umarmt habe. Nicht erotisch, nicht sexuell, stürmisch. Wir waren beide betrunken, aber trotzdem haben wir nicht miteinander geredet. Haben uns nur umarmt, aber ich hab sie nicht festgehalten. Nicht lange genug. Und dann hat sie heftig mit einem Piloten geflirtet, der neben ihr stand. Neben mir stand. Trotzdem haben die beiden nichts mehr gemacht, jedenfalls nicht mehr, als ich weggegangen und dann zurückgekommen bin.
Als Phillip und ich den dritten Stock erreichen, nehme ich eine Schlüsselkarte aus meinem Portemonnaie und mache die Tür zu unserem Zimmer auf. Paul und Constantin sind schon da. Die, mit denen wir saufen wollen, mit denen wir gestern schon saufen waren. Und Rocco und Basti. Mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben wollen.
„Wo ist der Alk?“, frage ich Paul.
„Haben die Mädchen dahinten hingestellt. Da ist der Rucksack von Leonie.“
Ich mache den Rucksack und sehe eine Sektflasche, zwei große Bierflaschen und eine Flasche Fiji-Wasser.
„Das ist Wodka.“, sagt Paul zu mir als ich die Wasserflasche raus nehme. „Die haben das alles umgefüllt.“
„Ich dachte die wollten nur ne halbe Wody holen.“
„Wollten die auch, aber der Typ hat trotzdem 700 ml geholt.“
Ich zucke mit den Achseln. „Wo ist der Wein von Phillip und mir?“
„In den Flaschen da.“
Neben dem Rucksack stehen eine kleine Cola-Flasche, zwei kleine Orangensaftkanister und eine nur halb gefüllte Wasserflasche.
„Das sind doch keine Zwei Liter.“, sagt Phillip und nimmt einen der Kanister in die Hand.
„Eineinhalb. Zweimal 0,75.“, sage ich und nehme die Cola-Flasche.
„Sollen wir jetzt schon trinken?“
„Können wir machen.“
„Aber macht das mal dadrin.“, sagt Paul und deutet auf das Badezimmer, „Den Wein riecht man übel.“
Ich nicke. Plötzlich klopft es an der Tür. Ich mache auf und Fünf Mädchen kommen mir entgegen. Die, die uns den Alk gekauft haben
„Habt ihr schon angefangen?“, fragt Clara, die größte von ihnen.
„Wir wollten gerade.“, sage ich und wedle mit der Colaflasche.
Sie nickt und geht durch unser Zimmer zu den Taschen der Mädchen. Philip und ich gehen in der Zeit ins Bad. Phillip schließt die Tür ab.
„Bisschen schwul oder?“, sage ich lachend, nehme einen Schluck vom Wein und gebe ihn dann Phillip. Gemeinsam trinken wir den Wein aus und gehen wieder raus.
Es läuft Musik, Deutschrap. Ich setzte mich auf mein Bett, neben Marie, die gerade aus einem der Kanister trinkt.
„Gib mal bitte was von den Pringles.“, sage ich und zeige auf die Dose neben ihr.
Sie nickt und versucht gleichzeitig weiter zu trinken, wobei sie die Hälfte verschüttet. Ich muss lachen und nehme mir die Dose selber.
„Lass mal irgendein Trinkspiel spielen.“, sagt eines der Mädchen.
„Lass mal Piccolo in Teams spielen.“, sage ich und nehme einen Schluck von dem Kanister, den Marie gerade zur Hälfte auf mein Bett geschüttet hat.
Wir spielen ein paar Runden, und imer wieder drückt mir jemand einen Becher mit Wodka-Cola oder Rotwein in die Hand.
„Kann man eigentlich Rotwein mit Wodka mischen?“, fragt Phillip.
„Mach mal.“, sage ich und halte ihm meinen Becher mit Rotwein entgegen.
Er schüttet ihn bis oben mit Wodka voll. Ich nehme einen Schluck.
„Das schmeckt unnormal geil.“, sage ich und gebe Philip den Becher.
„Schmeckt echt unnnormal geil.“, sagt er als er ihn absetzt.
Constantin fragt uns, ob wir mit ihm eine rauchen gehen wollen.
„Lass echt.“, sagt Paul und steht von seinem Bett auf.
„Ja, wartet mal auf mich.“, sage ich und stehe auf. Phillip und ich gehen mit ihnen wieder die Treppen runter und durch die Eingangstür.
„Ey passt auf, genau da sitzt Frau Stauder.“, sagt Paul und deutet auf die Wand hinter der der Gemeinschaftsraum ist.
„Die kann uns durch ihr Fenster sehen, wir müssen sofort nach rechts weglaufen.“
Er öffnet die Tür und wir laufen in einer Schlange nach Rechts weg in einen Hauseingang ein paar Häuser weiter.
Constantin nimmt eine Schachtel Marlboro Gold heraus und gibt jedem von uns eine Zigarrette.
„Hast du Feuer?“, frage ich und nehme die Zigarette in den Mund. Constantin hält mir ein Feuerzeug hin und macht mir die Zigarette an. Wir rauchen.
„Mary was geht, was geht ab, ich renn für deine Liebe durch die Stadt.“, summe ich vor mich hin während ich die Zigarette in der Hand halte.
Als ich fertig geraucht habe schnippe ich den Zigarettenstummel vor mir auf den Bürgersteig und warte auf die anderen. Wir laufen gemeinsam zurück, öffnen die Tür und laufen die Treppen wieder hoch in unser Zimmer.
„Wir haben euern Wein verschüttet.“, ruft mir eines der Mädchen zu, als ich die Tür öffne. Ich weiß nicht wirklich wer, aber es ist mir eigentlich auch egal.
„Wohin?“, frage ich.
Sie lacht und ich merke, dass sie genauso betrunken ist wie ich.
„Keine Ahnung.“, ruft sie und hält mir einen Becher entgegen.
„Was ist das?“
„Wodka.“
„Pur?“
Sie nickt und fängt schon wieder an zu lachen.
Ich trinke den Becher aus und werfe ihn dann auf das Bett neben mir. Dann gehe ich auf das Bett genau neben der Tür und lehne mich gegen die Wand. Neben mir liegt Leonie. Sie hält eine Sektflsche in der einen und ihr Handy in der anderen Hand.
Ich merke nicht wirklich, was in den nächsten Minuten passiert, bis auf einmal zwei Mädchen in unserem Zimmer stehen. Am nächsten Tag wird mir erzählt, dass es drei waren. Die eine habe ich nur bemerkt, weil sie direkt vor mir steht und mit mir redet, und die andere, weil sie es ist. Sie hat die Haare immer noch offen und steht in der Tür. Mir wird gesagt, dass sie irgendwas von Constatin braucht, und für einen Moment bin ich stocknüchtern. Ich versuche wieder sie nicht anzusehen, aber ich scheitere wieder. Und diesmal sehe ich, dass sie mich auch ansieht. Genauso, wie heute morgen, als ich im Gemeinschaftsraum Gitarre gespielt habe, oder wie im Unterricht, wenn ich etwas sage, was niemand anders weiß, oder wie an Karneval, als wir uns am ersten Zug getroffen haben. Als sich unsere Blicke treffen sehe ich weg, aber ich weiß, dass sie mich bemerkt hat.

Feedback wäre gut :)

Interne Verweise

Kommentare

12. Mai 2019

Der Leser ist dabei - direkt:
Da er in der Geschichte steckt!
(Meine Putzfee fand es toll -
Die ist ja permanent randvoll ...)

LG Axel

14. Mai 2019

Gefällt mir sehr gut - Erzählfluß bis zuletzt durchgehalten. Autobiografisch?
LG Elmar