Der schizophrene, neue Wetterbericht

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Aus Gründen der Staatssicherheit müssen nun wohl bald neue Richtlinien für Funk und Fernsehen beschlossen werden, vor allem, was den Wetterbericht angeht. Es treten in letzter Zeit einfach zu viele und zu seltsame Phänomene auf! Die Meteorologen sollen daher veranlasst werden, ihre Berichte etwas positivistischer zu gestalten! Es gehe schließlich nicht an, daß die Bevölkerung andauernd durch Weltuntergangsszenarien verunsichert werde, verkündete kürzlich der Minister des Allerinnersten.

Immerhin handle es sich bei den zweifelhaften Wettereignissen um nichts anderes als um vielfach bereits aufgetretene Kleinkatastrophen, die es früher auch schon gegeben habe – es bestehe also kein Grund zur Panikmache! Der einzige Unterschied zwischen den kuriosen Klimakapriolen heute und denen der Vergangenheit sei doch nichts weiter als nur die Häufigkeit, mit der sie auftreten … was heißen will: Was früher alle hundert Jahre mal geschah, passiert jetzt (überspitzt formuliert) in einem Monat zweimal.

Das ist doch kein Grund, unverschämte Prognosen zu stellen, was mit uns wohl in weiteren 100 Jahren sein wird, wenn jetzt schon nicht klar ist, ob es uns dann überhaupt noch gibt. Das Gute wird siegen, wir schaffen das, und noch etliche andere Allgemeinplätze werden uns in die Lage – und die entsprechenden Berge – versetzen, alles zu meistern was uns begegnen wird, im Falle unseres weiteren Verbleibens auf dem Planeten und in unserer Einfalt. Alles an uns ist vielleicht ein bisschen gefährlich …

Aber: Ein Zusammenhang mit dem Verhalten der Menschheit im Allgemeinen und bestimmten Völkern im Besonderen sei ebenfalls nicht festzustellen, propagieren die bestbezahlten Wissenschaftler – wenn man, auch hier wieder, die spezifische Häufigkeit außer Acht lässt. Denn wer absichtlich Parallelen beim Klimawandel und der Überbevölkerung zu erkennen glaubt, der diskriminiert unschuldige Menschen und stellt außerdem die Rechtmäßigkeit des Handeln vonseiten der Hochfinanz infrage: niemand ist illegal!

Auch das 30ste Kind einer lebenslustigen Großfamilie muss gerade den Meteorologen hochwillkommen sein! Wenn die Weltbevölkerung einmal, bei 8 Milliarden, überhaupt keine kritische Grenze überschreitet, sondern unser Glück, eine einzige feine Community (una bella Compania) zu sein, komplett macht, dann hört sich sowieso alles auf. Dann wird es bald keine Überschwemmungen mehr geben und der Naturhaushalt reguliert sich in atemberaubender Geschwindigkeit!

Das ist die (unausgesprochene) Wahrheit, die man auch genau so sagen darf, wie sie hier steht – man darf nur nichts Falsches dabei denken … wie etwa, daß wir noch etwas abwenden könnten, wenn uns plötzlich ein klarer Kopf beschert oder gar zugestanden würde. Und je mehr Menschen, oder was, wir hier werden, auf dieser Erde, desto schneller wird sich der Traum von einer neuen, wunderbaren Welt erfüllen. Die Natur heilt alle Wunden!

Der Text für den Chefmeteorologen im Fernsehen sollte also nicht „auch in dieser Nacht haben wieder schwere Stürme die Länder XY und Z verwüstet“, sondern „erfrischend heftige Winde haben uns der Erlösung ein Stückchen näher gebracht, die wir seit langen anstreben“ lauten. Da sieht der Tag doch dann gleich ganz anders aus – die Menschen gehen beschwingt zur Arbeit und heißen jeden willkommen, der aus einer überbevölkerten Gegend kommt, damit dort wieder ein Plätzchen für 3 weitere Erdenbürger geschaffen wird.

Und auch wenn die Versicherungen in absehbarer Zukunft nicht mehr für die Schäden, die ja eigentlich, genau genommen, Geschenke sind, aufkommen wollen, dann darf uns das kein Anlass zur Sorge sein. Denken wir doch einfach daran, daß nur der positiv fühlende Mensch, wenn auch lächerlich anmutende, Aussichten in eine Zukunft haben kann, wo sich, ab einem bestimmten Grad, sowieso alles von selbst regelt …

*

Seid bereit!

Beschwört jetzt die Winde,
und lenkt die Gezeiten
unter unsere Dächer –
wir lieben die Macht
und das Gesinde,
aus Fernen und Weiten!
Gebt ihnen Gemächer –
sie fürchten die Nacht
nicht wie wir, die wir enden,
sie fürchten das Sterben
aus Geistlosigkeit!
Drum lasst euch blenden,
gebt dem Verderben
die Hand und seid bereit!

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Kommentare

12. Jul 2017

Deinen anregenden Text interpretiere ich als 'Flehen um Vernunft'.
Auch ich denke:
'Wachstumswahn'
geht uns alle an.
So führ'n uns Menschen
allüberall und sehr
'speziell' peu a peu
ins Verderben und
letztlich zum unendlich
großen Sterben.

LG Monika

12. Jul 2017

Du interpretierst richtig, liebe Monika...
ab einem gewissen Zeitpunkt ist nicht mehr jedes Kind ein Geschenk...
Qualität vor Quanität - und dafür brauchen wir Vernunft...
aber woher nehmen und nicht stehlen?!

LG Alf