Weihnachten Vor der Besinnlichkeit kommt die Befindlichkeit

von Sven Habermann
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Besinnung zu Weihnachten, ja klar. Unbedingt! Wenigstens dann. Ein paar Tage, nicht von Sinnen. Das muss fehlerlos werden.
Der eine mag Räuchermänner, der andere hasst Raucher, auch, wenn sie aus dem Erzgebirge kommen, nicht billig, oder besser gesagt, beträchtlich teuer waren - Konsumflüchtlinge - und Tannenduft auspaffen. Es könnte sich schwierig gestalten, das makellose Fest in Einklang zu bringen. Wie jedes Jahr. Also, wie jedes uns bisher bekannte Jahr. Dieses Mal soll es gelingen!

Was ist Weihnachten überhaupt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es zu Joe´s Zeiten noch richtig aufregend war, das Weihnachten und vorher erst; die Heilige Nacht. Der Vorabend von Christi Geburt. Immerhin erwartete seine Frau Mary ein Kind von einem anderen. Ich habe keine Ahnung, ob Joe das egal war. Immerhin versuchte er mit seiner hochschwangeren Frau ein Quartier zu finden. In einem Stall zu Bethlehem fand er es, wohl nicht die erste Wahl, aber, soweit ich mich erinnere, war sonst alles abgesucht und ausgebucht.

Viel früher, sehr viel früher, machten sich einige Sterndeuter aus dem Morgenland auf, geleitet von einem Stern, diesen Unterschlupf zu finden, um den erwarteten „König“ zu begrüßen und zu beschenken. Sie wollten rechtzeitig da sein, zum Sollemnitas in nativitate Domini. Soweit ist es wohl jedem in Erinnerung!

Nun, seit Luther ist es wohl so, dass man das sich Beschenken vom Nikolaustag auf den Heiligen Abend verlegte, um die Aufmerksamkeit der Menschen, insbesondere wohl der Kinder, auf Christi Geburt zu lenken. Das ist nicht verwerflich, so funktionieren die Menschen noch heute. War dieser Luther möglicherweise der erste Werbepsychologe? So kam denn die Beschenkung zur Heiligenverehrung am Nikolaustag über lange Zeit schließlich bei unserem heutigen Weihnachten an. Die geweihte, also Heilige Nacht, zu deren Freude wir uns gegenseitig beschenken wollen. In Deutschland!

Jedes Jahr auf´s Neue fällt mir kein Geschenk ein. Für niemanden; mit dem ich ansonsten die Freuden des Alltages teile. Warum weiß ich nicht, worüber sich diese Menschen freuen würden? Ist mein Nichtwissen nur meine Unaufmerksamkeit oder was ist es, dass mir, seit Jahren schon, dazu nichts einfallen mag? Sind es die Erwartungen der anderen, von denen ich glaube, dass sie sie haben, und habe ich gegebenenfalls Beklemmung, sie nicht zu erfüllen. Meine Mitmenschen zu enttäuschen? Seit langer Zeit beschränke ich mich auf Weihnachtsgrüße, die ich entweder versende oder persönlich überbringe, weil ich mich freue, diese Menschen in ihrem Leben begleiten zu dürfen, von ihnen begleitet zu werden. Ich beschenke mich gleichsam mit ihnen und der Freude daran, dass sie geboren sind. Ich wünsche mir, dass es ihnen genauso ergehen mag. Weihnachten wäre dazu gar nicht notwendend, gilt doch die Freude einem anderen.

Nicht die, die das ganze vergangene Jahr - wie jedes Jahr - kein Interesse am Anderen hatten. Nicht jene Kalenderführer, welche Kontakt mit Nähe verwechseln. Wer hat sich wann und zu welchem Fest und wie stramm bei ihnen gemeldet. Wem sie, zu welchem Fest, wie oft geschrieben haben. Entsteht hier ein Ungleichgewicht, so der andere weniger geschrieben hat als man selbst. Nicht den eigenen Vorstellungen - und dies jetzt das dritte Mal - entsprach, dann wird er aus der Liste der zu Bedenkenden ausgesondert, endgültig. Mangel an Pflichterfüllung wird hart bestraft. Wobei ich behaupten möchte, dass es für so manchen eine Erlösung ist, von Formerfüllern nicht mehr bedacht zu werden.

So viel zu meinen Befindlichkeiten.

Aber, der Focus soll ja auf dem Weihnachtsabend liegen. Daher die Geschenke. So war´s gedacht. Das Augenmerk liegt heute auf den Geschenken, von daher gibt es Weihnachten! Das kann man(n) und auch Frau, Kind und Kegel jeden Tag nachprüfen. An den eigenen Befindlichkeiten. Bescheiden betrachtet ist es das Ärgernis über die nicht erhaltene Weihnachtskarte. Größer dimensioniert ist es das falsche Smartphone, das falsche Buch, das falsche Was-weiß-ich-was. Wie unaufmerksam Schenker doch sein können. War da etwas mit einem geschenkten Gaul? Wurscht, ein Smartphone ist eben kein Gaul.
Der dritte Advent ist schon fast am vierten angekommen, Weihnachten naht, ja, ist unvermeidlich. Obwohl ich es gar nicht vermeiden möchte. Aber wer könnte das schon, es findet statt. Doch wie, das ist es, was es zu gestalten gilt. Also, wie wird es dieses Jahr sein?
Der Coca-Cola Weihnachtsmann? Der heilige Nikolaus? Bedroht uns der Islam?

Ach, was weiß ich. Im Grunde interessiert mich diese Debatte nicht. Ich esse gerade Chips erster Wahl, und das schmeckt man auch.
Nach dem Heiligen Abend kommt der erste Weihnachtsfeiertag, der Tag also, an dem Jesus Christus geboren wurde. Ein Tag, von dem man sich jedes Jahr wünscht, dass er auf einen Wochentag fallen mag, damit man nicht arbeiten muss. Ein weiteres Geschenk.

Es ist also wieder mal soweit. Menschen aus dem Abendland machen sich auf, all denen zu huldigen, derer sie das ganze Jahr nicht gedenken. Nicht, im Schweiße ihrer Füße einem Zeichen folgend und nicht mit vielen Strapazen verbunden. Man hat sich aufgerafft, einen billigen Kugelschreiber über billiges Papier gleiten zu lassen – wohl dem, der wenigstens eine schöne Handschrift hat - um ein billiges Kreuz in einem Kalender zu hinterlassen. Manchen mögen Kreuze vorne schmücken, manchen hinten drücken. Manch einer macht sie. Die erbärmlichsten lassen ankreuzen. Immer alles im Blick, immer alles im Griff! Im Zeichen des Kreuzes.

Fein, denn das lässt vergessen, dass man nichts, aber auch wirklich gar nichts im Griff hat, es aber wohl gerne so hätte. Tja, von Jesus eben nichts verstanden. Ich möchte jetzt nicht daran erinnern, dass dieser, unser Herr Jesus, die damalige – und darauf liegt die Betonung - Ordnung völlig durcheinanderbrachte. Der, der da geboren wurde, war aus Sicht der Besatzer ein Unruhestifter – Recht hatte er trotzdem, wenn wir es von unserem heutigen Standpunkt aus betrachten. Recht bekam er schon damals nicht. Ich nenne ihn einen Punk! Der erste, der wirklich aufbegehrte! Auch, wenn ich es nicht sagen, nicht schreiben darf, dann schreie ich es eben hinaus. Bequemlichkeitsgläubige, Gefälligkeitspriester und Barmherzigekeitsheuchler, Neidische, Eifersüchtige, Missgünstige und Selbstgerechte, dieser Jesus hätte euch aus dem Tempel geschmissen! Heute vielleicht manch einen aus dem Bierzelt, der eben noch vor leerem Teller und vollem Glas, guter christlicher Dinge war. Keine Sorge, so weit wird es nicht kommen. Vorher wird so einer verhaftet. Anschließend Psychiatrie. Keine Gefahr folglich, dass uns mal wieder einer die Leviten liest.

„I fought the law and the law won!“ (Alter Punksong, für die Ungläubigen unter uns.)
Der hatte was gegen Lebensfeindlichkeit, der wusste, dass die Regeln für die Menschen da waren. Dieser Jesus hatte eine unbändige Freude am Leben, am Geschenk seines Vaters. Am ersten wirklichen Weihnachtsgeschenk. Dessen Freude wir nicht im Geringsten in der Lage sind zu denken, geschweige denn zu fühlen. Weil wir keine Punks sind! Weil wir keine Freude mehr am Haben und schon gar nicht am Sein – haben!
Was wünschen sie sich zu Weihnachten?
Die meisten würde er wohl heute noch aus seinen unzähligen Häusern begleiten, wegen Missbrauchs der Gastfreundschaft. Für immer Punk das möcht´ ich sein!
Woher ich das alles wissen will?
Glauben ist eben Wissen ohne Beweis. Und ich glaube, dass ein Vater seine Kinder liebt. Und der Vater oder die Mutter, der/die dies nicht durch Handeln beweist – hier wäre ein Beweis – ist es nicht wert, Vater oder auch Mutter zu sein. Sind Erzeuger. Was sie sagen, ist egal, sieh sie handeln.

Sei barmherzig. Sei du es wenigstens.

In diesem Augenblick gibt es auf der online-Seite eines Nachrichtenmagazines einen Shopping-Deal. „Pünktlich und günstig: Jetzt den perfekten Weihnachtsbaum nach Hause bestellen.“ Wofür steht der Weihnachtsbaum gleich noch, und wer kommt da jetzt eigentlich? Der Weihnachtsmann, der Nikolaus, das Christuskind? Zumindest mit dem perfekten Weihnachtsbaum eine kleine Chance auf das perfekte Fest. Dieses Jahr wird es klappen.

Niemand kommt! Vielleicht noch nicht einmal die Verwandtschaft.
Es ist eine Vorfreude!
Entkoppelt vom eigentlich merkenswerten Ereignis, bleibt sie dennoch die schönste Freude.
Und ich weiß immer noch nicht, was ich verschenken soll. Als ich meine Tochter fragte, was sie sich denn wünsche, bekam ich folgende Antwort:
„Ich brauch`nichts Papa, ich hab schon so viel!“
Allen Lesern ein fröhliches und wirklich besinnliches Weihnachtsfest!

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Kommentare

24. Dez 2017

Sehr zynisch, aber dennoch der Wahrheit entsprechend geschrieben. Gefällt mir gut.

Lg Karin Sophie :)

24. Dez 2017

Lieben Dank für Deinen Kommentar liebe Karin :))
...ein schönes Weihnachtsgeschenk... oxox ;)

Lg Sven