Hundstage

von Nicole Schrake
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Die aufgehende Sonne vertrieb den letzten kühlen Hauch der Nacht. Kein Wölkchen trübte das tiefe, reine Blau des beginnenden Tages. Wieder einmal stand ein heißer Tag im Kalender des unendlich scheinenden Sommers. Hundstage.

Die Nächte schenkten kaum sehnsuchtsvoll erwartete Abkühlung, brachten Poeten um ihren Schlaf und versetzten Verliebte in Verzückung anlässlich der funkelnden Sternenpracht am mondlosen Firmament.

Man wälzte sich in den Laken, verfluchte aufdringliche Mücken, die sich federleicht auf verschwitzte Haut setzten und den Schläfern winzigste Einheiten ihres süßen Blutes raubten.

Es waren Tage, an denen man fast seufzend vor Freude das Sinken der Sonne registrierte, aufatmete, wenn sich endlich ein schattiger Schleier über verdorrte Wiesen und Wälder legte und der Feuerball rot am Horizont verschwand.

Auch an diesem Sonntagmorgen legte sich der Sommer wieder ins Zeug dennoch verzauberte das klare, strahlende Licht des beginnenden Tages einmal mehr die Frühaufsteherin, die mit einer dampfenden Tasse Kaffee in den Händen auf ihrem Balkon und dem immer wiederkehrenden Zauber der Tagesgeburt zusah.
Der Urlaub war vorbei und die Aussicht auf ein stickiges Büro, eingetauscht gegen das Rauschen der holländischen Nordsee, erschien der Frau ein mehr als schlechter Deal.

Die Rothaarige trug ein leichtes Hemdchen aus malvenfarbener Baumwolle und einen winzigen Slip. Die Welt lag noch in tiefster Stille, unschuldig, rein, wie am ersten Tag der Schöpfung.

Etwas Wind kam auf und strich, wie der Morgengruß eines fernen Geliebten, sanft über die weibliche Stirn der sinnierenden Frau. Jetzt in die kühlen Fluten der Nordsee steigen, sich tragen lassen von diesem erquickenden Nass, schwerelos gleich, im Einklang der Wellen tanzend auf weißen Schaumkronen. Eine schöne Vorstellung.

Die Frau betrachtete ihre üppigen Blumenkästen und genoss die Blütenpracht an diesem herrlichen Morgen, setzte sich auf einen der bequemen Balkonstühle und ließ sich vom samtigen Morgenwind die heiße Stirn kühlen. Die Rothaarige schloss die Augen und lehnte sich entspannt zurück. Diese Hitze! Die Gedanken gingen weiter auf Reisen. Der Nachbar unter ihr besaß eine uneinsehbare Veranda, wild wucherndes Efeu hielten die Hitze bestimmt wundervoll fern; der Platz bestückt mit bequemen Liegen, aquamarinfarbenen Korbsesseln, einem winzigen Glastisch; eingerahmt von einem Meer aus Kübeln, bepflanzt mit Hortensien, Rosen und Margeritenstämmchen. Man konnte das Summen der emsigen Bienen in jenen Pflanzen deutlich hören. Ja, dort im Schatten konnte man die Hitze aushalten.

Die Frau stand auf, beugte sich über das Geländer und sah auf die Veranda des Nachbarn. Sehr einladend, das sommerliche Szenario da unten. Und wer lag dort, schlafend auf einer der breiten Liegen? Der Nachbar. Sein behaarter Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig. Der Schlaf schien tief und süß. Eine höchst ansehnliche Erektion wölbte den karierten Stoff der Boxershort. Es schienen schöne Träume zu sein, die den Schläfer überkamen, den auf seinem Gesicht mit dem Dreitagebart erschien ein seliges Grinsen.

Die unglaublich langen Wimpern des Mannes beschatteten wie seidige Halbmonde die geschlossenen Augen, in deren Winkeln Lachfältchen nisteten, die das Gesicht sehr anziehend machten. Ein schöner Mund mit vollen Lippen komplettierte Antlitz des Mannes, welches in der süßen Unschuld des Schlafes einfach unwiderstehlich wirkte. Die Frau auf dem Balkon ließ ihren Blick weiter schweifen.

Beim Anblick der Erektion des Mannes fühlte sie ein seltsames Flattern in der Magengrube. Ein süßes Verlangen durchzog den Körper der Frau, Lust, diesen Mann da unten zu wecken, mit den Fingern die Konturen seines Ständers nachzuziehen und mit ihrem Mund die Wärme des männlichen Mundes zu kosten. Der weibliche Blick glitt an der Gestalt des Mannes weiter hinab. Muskulöse Beine, gepflegte Füße. Kurz und gut: Ein Anblick zum Anbeißen. Der Schläfer schnarchte jetzt leise. Die Frau grinste. Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf, den sie gleich wieder verwarf, doch der Geistesblitz kehrte einem Bumerang gleich zurück und manifestiger sich in den Synapsen des weiblichen Gehirns. Schnapsidee oder der Höhepunkt des Tages? Das würde sich zeigen.

Die Frau verließ den Balkon, schnappte sich ihren Haustürschlüssel und warf vorher kurz einen Blick in den Spiegel. Verwuschelte rote Haare, Sommersprossen im Gesicht, rote Lippen, die schon viel zu lange ungeküsst waren. Dem musste abgeholfen werden, unbedingt, heute!

Die Rothaarige verließ lächelnd ihre Wohnung, ging um das Haus herum, überstieg den niedrigen Zaun und stand bei dem Nachbarn im Garten. Der grüne, sehr gepflegte Rasen, fühlte sich kühl unter den Füßen an. Die Frau ging leise in Richtung des leisen Schnarchens, stand dann vor dem Schläfer und kniete sich vor die breite Liege.

Nur wenige Zentimeter entfernt befand sich das Objekt ihrer Begierde. Diese unwiderstehliche Erektion; der Mann war steif, wie ein Surferpenis an einem Samstagabend. Die Frau legte den Schlüssel leise auf den Glastisch, beugte sich vor und zeichnete behutsam die Konturen des steifen Gliedes nach, ganz zart, sanft, einem Schmetterlingskuss gleich und beobachtete dabei das Gesicht des Mannes. Die Härte des Gliedes, die Eichel, die sich rosig aus der locker sitzenden Boxershorts schob; Versuchung pur .

Die Rothaarige konnte nicht widerstehen, beugte sich nach vorne und umspielte mit ihrer Zungenspitze das erwachte Fleisch des Mannes. Diese salzige Süße zerging auf der Zunge und weckte den Wunsch nach mehr, nach viel mehr.

Der Penis unter der samtigen Zunge schien ein Eigenleben zu führen, wollte mehr Beachtung und sich ganz der frechen Verführerin ergeben. Diese sah auf in das Gesicht des Schläfers und erstarrte. Angesichts ihres versunkenen Tuns war ihr die Aufwachphase des Mannes entgangen und der erschrockene, grüne Frauenblick tauchte in das tiefe Augenblau des Mannes.

Ein Grinsen erschien in den Mundwinkeln des Erwachten, ein sehr freches Grinsen. Die rechte Hand des Mannes strich der Frau über die linke Schulter, wanderte weiter hinab zu dem nur sehr knappen Höschen. „Das ist wirklich überflüssiger Stoff, meinst Du nicht auch?“ raunte die Männerstimme. Die Frau stand auf, lächelte und stand wenig später nackt, wie die Venus von Botticelli vor dem liegenden Mann. Dieser rutschte immer noch grinsend zur Seite und zog die Rothaarige dann energisch herunter auf die Liege. Sie sah den Mann an und verlor sich in seinem Blick. Sie wollten beide das Gleiche und zwar schnell. Für Höflichkeiten würde später noch genug Zeit bleiben.

Der Mann betrachtete den nacken Frauenkörper, die kleinen Brüste mit den rosigen Warzen und streichelte das goldene Dreieck der Frau. Bereitwillig spreizte sie ihre Schenkel und sensible Männerfingerkuppen fanden die Knospe der weiblichen Lust. Die Rothaarige stöhnte laut auf und ergab sich den Liebkosungen nur zu gerne. Sie ließ sich fallen und genoss die kundigen Finger, die genau das Zentrum trafen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. „Komm, zu mir." Es klang wie ein Flehen.

Der Mann schob hastig die Shorts von seinen Hüften, rollte sich auf seine morgendliche Besucherin und drang mit einem einzigen harten Stoß tief in die nasse Grote ein. Die seidige Hitze raubte ihm den Atem. Sein Keuchen vermischte sich mit den leisen Lustschreien der Frau und so ließen sich beide in den Kessel der glühenden Lust fallen, verbrannten gemeinsam, um gleich darauf zu der aufgehenden Sonne katapultiert zu werden ...

Ich liebe sie, diese Hundstage ...

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