Huhu [Leseprobe]

Bild von a.d.tiefe
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Dinge passieren. Es gibt Beißen, Wackeln, Greifen und Lachen. Es gibt die Möglichkeit den Kopf hoch zustellen und es gibt die Möglichkeit den Kopf in die Hände zu nehmen. Einiges entwickelt und passiert schneller, und anderes langsamer. Manchmal schiebt sich der untere Kiefer vor und manchmal die Augenlider hoch. Manche zucken am Boden, manche gucken weg. Manche haben dabei Hunger. Manche haben nur sich selbst. An den Unterkiefer fassen sich alle.

Menschen machen Krach. Nachdem Menschen zu Sprechen verloren zu haben, haben sie es widergelernt. Ergibt doch nur die Welt wider! Sie machen einfach zu viel Krach. Dazu verwenden sie Bücher und Bomben und Blicke und Becken und Briefträger. Sie krachen miteinander, in alle Vektoren. Sie sind hörbar in den Bergen. Man kann sie überall hören: Barbara hat einmal ihre Großmutter gehört. Das war genau au f den Zeitpunkt, in dem ihre Großmutter ohnmächtig geworden ist, an einem Salatkühlregal. Die Großmutter ist nicht gestorben. Die Großmutter wird diese Chance nutzen und sich im Glück ihrer gesetzlichen Krankenkassen Versicherung die Nase machen lassen. Sie wird ihr das nie sagen. Barbara hätte sich dazu nicht entschließen können. Sie hatte sie so genau hören können, in den Beinen und den Brüsten hatte sie ihre Großmutter ohnmächtig werden hören und sehen können. Ihre Großmutter hatte Barbara etwas gesagt. Und Barbara wusste nicht welcher Sprache die Antworten könnte. Und weil Barbara in der Stadt wohnt und ihre Großmutter in einer anderen, wird sie sie auch erst auf der Beerdigung von Manfref in einem 3 Viertel Jahr mit einer frisch verheilten Nase antreffen. Sie wollte ihren Eltern und Schwestern ersparen dass wieder ein Krach entsteht, weil Barbara die Gefühle ihrer Mitmenschen auf spiritueller Art hören konnte. Besonders ihrer Großmutter war das ein Dorn im Auge. Die Großmutter sagt jedem zum Abschied, dass es möglicherweise der letzte sein könne. Zu Barbara sagt sie das nicht mehr. Sie hat auch niemanden davon erzählt, dass sie in das Salatkühlregal gefallen ist. Darum sieht Fem nie ihre Schwester mit der Großmutter sprechen. Marathon findet, dass beide ihre Umarmungen länger hielten, als sie mit ihr.

Klare Formen signalisieren die Stadt. Diese Stadt ist wie die Stadt wäre, wenn es keinen zweiten Weltkrieg und keine DDR gegeben hätte. In dieser Stadt ist es einfach den zweiten Weltkrieg zu vergessen, an die DDR denkt ohne hin niemand hier, aber an den zweiten Weltkrieg denkt mit her ebenso niemand. Es herrscht Vergessens-Kultur. 8 denkt, dass das schön ist und in ihm irgendeine Ordnung über lässt. In den letzten 600 Tagen ist alles in Ordnung gekommen. Gewöhnung ist ein altes Tier, das sich nur langsam auftreiben und verrücken lässt. 8 ist verrückt. 8 mal verrückter als andere, sagen andere Verrückte über 8 aus 8s Freundeskreisen. 8 hat 8 mal mehr Freundeskreise als andere in seinem Alter. Das ist nicht verrückt, denkt 8: es umschließt jeden seiner Freunde- ein einzelner -skreis. 8 mal mehr Freiheit lässt 8 in der Freizeit seinen einzelnen Skreisen. In Skreisen liegen 8-tausend Euros in 100-Scheinen auf seiner blanken Brust, als er ein Foto von sich selbst macht, als er auf dem Bettlaken eines Hotelbettes eines Hotelzimmers, in der Stadt, die weitab von der Stadt mitten in der Stadt liegt, liegt. Sie fächern sich auf. Es sieht so aus: Als ergäben sie mehr als 8-tausend Euros. Wie 9- oder 10-tausend Euros sieht es auf dem selbst gemachten Foto aus. Insgesamt hat 8 kein Gefühl, weder für Geld, noch dass sein äußeres anderen genügt. So, wie ihm insgesamt alles andere äußerst genügt und reicht. Reiche eindrücklich aufgefächerte Reflexionen der Sonne, die ihn zu der 8 machen, die er ist. Er ist oberflächlich und eloquent. 8-mal oberflächlicher und 9 bis 10-mal eloquenter als andere ist er. 8 hört nicht, was andere sagen, sondern sieht, was andere machen. Er findet andere andauernd am machen und darüber hinaus überlässt er die Anderen ihrem Schicksal, egal was sie machen. Heute hat 8 erfahren, dass einer seiner Skreise Suizid gemacht hat. Das hält 8 für eindrucksvoll. Wenn 8 darüber nachdenkt, denkt 8: Dass es unterschiedliche Möglichkeiten geben muss, den Scheitelpunkt nicht anzuerkennen; dass es ego-politisch-hervorragend ist/ und dass es ist wie es ist. Mehr als das denkt 8, der gerne 9 heißen würde. Die 9, die die Katzenjammer kennt, die das alles schon gehört hat: das Ein- und Austreten, die Arbeit an der Toilette des Lebens hat sie gehört und den dementsprechenden Feierabend kommen sehen. Sie hat einen Kuchen daraus gebacken und gegessen und hat getrunken und ist dabei gestorben. Sie will und wird in einem silbernen Tablet beerdigt werden, wenn sie 9 heißen würde.

Also ich erzähle jetzt etwas von den letzten Jahren. Die Oma Gerda hat früher immer noch alles gewusst; und jetzt vergisst sie immer alles. Wenn du ihr etwas erzählst, hat sie es in 11 Minuten wieder vergessen.

Nichts verschwindet. In der Zeit versammeln sich Wörter. Sie setzen sich zu Welten zusammen. Welt an Welt stellt sich ein Mensch die Fragen: Was sich an ihm ablagert und was von ihm abfällt? Woher die Wörter kommen und wohin sie wieder gehen?

Quitt ist 8 mit sich selbst. Er denkt, dass er, wie an einer Schnur, durch sein Leben gezogen wird. Von woher die Schnur gezogen wird und wohin sie gezogen wird, weiß 8 und fragt 8 die Schnur nicht. Er hält die Menge an Kraft, mit der an der Schnur gezogen wird für angemessen und es allgemein für notwendig, dass diese Kraft auf diese Schnur ausgeübt wird. Ob sie hält hält 8 für unwichtig: Für eine Frage, die sich nicht stellt, die 8 sich nicht stellen muss. 8 weiß, dass er nie so intelligent sein kann, wie er sein kann.

8 hat Achtung vor der Arbeit und vor der Toilette. Hochachtungsvoll sitzt er auf der Toilette des AMS Wien, 2. Bezirk. Er stellt sich die Frage, die sich jeder Mensch ständig stellt: Wie finde ich heraus, ob auf der Toilette bereits jemand sitzt? Findet jemand heraus, dass 8 auf dieser AMS-Toilette sitzt? 8s Trick ist: Das Licht. 8 schaltet das Licht ein/ aus, bevor er die Türklinke zur Toilette herunter drückt. Wenn bereits jemand die Toilette besetzt hat, wäre das Licht eingeschalten, ginge in Folge von 8s Schalten aus; und 8 würde einen-Jemand darüber wundern hören. Wenn 8 nichts hört, war vorher kein Licht und Keiner in der Toilette. 8 wartet darauf, dass das Licht gelöscht wird. Wenn das passiert, denkt 8: wird er ganz still bleiben und warten, bis sich die Tür öffnen wird und das Licht von außen hinein begibt. 8 wird beobachten, wie ein Lichtspalt entsteht, breiter werden wird und sich irgendwann zu einem Türrahmen öffnet. Und dahinter würde er warten. Es würde eine Toilette von innen zum Bild werden. Ein Bild, das 8 betrachten kann.

8s Lieblingsbilder sind Bücher. Er findet sie überall, obwohl sie seltener geworden sind, obwohl sie immer mehr werden. Jedes Wort sagt ihm mehr als 1000 Bilder. 8 sieht sie sich willkürlich lang und in unterschiedlichen Reihenfolgen an. Wenn 8 ein Buch von außen und innen betrachtet, bemerkt niemand, dass er nicht lesen kann. 8 gehört 8 Millionen Menschen in Deutschland an. Das sind die 8 Millionen Menschen die Österreich Menschen hat. Österreichs Menschen können nicht richtig lesen und schreiben!, ruft 8 nicht. Aber 8 stellt sich vor, die Wörter vor sich zu rufen; die Wörter aus dem Buch heraus zu rufen. Er ruft. 8, ruf. 8 kennt die Anzahl der Menschen Österreichs nicht, aber stellt sich vor wie 8 Millionen Menschen auf einer Fläche aufgestellt aussehen: Wie Weizen oder wie ein Wald oder wie ein Meeresspiegel vielleicht; und wie sehen 8 Milliarden aus?, fragt sich 8: Vielleicht auch wie Weizen, vielleicht wie klimabedingte Katastrophen oder wie das Sättigungsgefühl. Wenn sich 8 Milliarden Menschen im Meeresspiegel von außen und innen betrachten, bemerkt niemand, dass 8 nicht lesen kann. […]

Dieser Beitrag ist eine Leseprobe. Sie wurden noch nicht ausreichend korrigiert. Viel spaß mit deb ersteb zwei seiten aus meiner neuen Arbeit mit dem Titel "Huhu"

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