Neues vom Meister A. (19)

von Alfred Krieger
Mitglied

Meister A. führt vor seiner Garage eine kleinere Reparatur durch. Halblaut singt er dabei vor sich hin, denn er schätzt alte deutsche Volkslieder, Schuberts „Winterreise“, Spirituals und so weiter, eben eher klassisches Liedgut. In beide Vorhaben ist er so vertieft, dass er gar nicht bemerkt, dass inzwischen eine Nachbarin auf der Straße vorbeigekommen ist, welche ihren kleinen Hund Gassi führt.
„Ah, das ist schön, heute sind sie aber gut d'rauf!“, begrüßt sie Meister A., „ich höre ihnen schon die ganze Zeit recht vergnügt zu.“
Der Angesprochene erschrickt für einen kurzen Augenblick, legt dann sein Werkzeug zur Seite und grüßt zurück: „Ach, sie sind es – schön, sie zu sehen. Aber, dass sie mich einfach so belauschen, das finde ich wirklich äußerst unerhört!“ Beide lachen.
„Verzeihen sie bitte gütigst, ich gelobe Besserung“, verspricht die Nachbarin mit gespielter Unterwürfigkeit, „aber es freute mich eben, sie so ausgesprochen glücklich zu sehen.“
„Hm, wissen sie, mit dem Glücklichsein, dem „Gut-d'rauf-Sein“ und dem damit verbundenen Singen ist das so eine Sache“, versucht Meister A. zu erklären, „es handelt sich in meinem Falle eher um einen Selbstversuch. Jemand, der sehr glücklich ist, vermag bekanntermaßen dazu zu neigen, seinen Hochgefühlen durch Singen Ausdruck zu verleihen. Ich allerdings sehe mich genötigt, mich seit langem mit dem Umkehrschlusse, also mit der Frage zu beschäftigen, ob durch ein Singen, zu welchem man sich eigentlich eher zwingen muss – gerade, weil einem, bedingt durch gewisse Umstände, überhaupt nicht danach ist – seinerseits nicht zumindest begrenzte Glücksgefühle hervorgerufen werden könnten. Als Formel ausgedrückt:

Glücklichsein => Singen!
Singen => Glücklichsein?

Wer Katzen genau zu beobachten gelernt hat, der weiß, dass sie schnurren, wenn sie sich wohlfühlen – aber auch in extrem gegenteiligen Situationen!
Nimmt es da wunder, dass ich mich, beim Versuche, mir so manches quasi vom Leibe zu singen, diesen klugen Geschöpfen bisweilen äußerst verbunden fühle?“

Meister A. - wer kann das sein? Hinter „Meister A.“ könnte ich mich verbergen – unter dem abgekürzten Pseudonym von „Meister Alfred“. Es könnte aber auch „Meister Allgemein“ gemeint sein, also jeder, jede, jedes ... also „alle“ oder „niemand Besonderer“. Jedenfalls soll es hier – möglicherweise um eine Folge? - von kleinen Episoden, Anekdoten, Denkanstößen, Lebensweisheiten … gehen, stets zumindest mit einem wahren Kern, immer mit dem gleichen Titel, aber „fein säuberlich durchnumerieret“ (Nr.19 vom 14.02.2019).

eines unserer "Findelkinder", Kater "Rufus von Mietzmops", Schnarch- und Schnurrmeister ©ak
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Interne Verweise

Kommentare

28. Apr 2019

Krause "singt" bei der "Arbeit" - da wackelt das Haus!
(Zum Glück fällt meist die Arbeit bei ihr aus ...)

LG Axel

30. Apr 2019

Singt Alfred aus der "Winterreise",
dann fallen hier die Grundstückspreise,
sodass sich auch manch' ärm'rer Mann
dank ihm ein Fleckerl leisten kann!

Eine gute Nacht wünscht Dir der Alfred!

28. Apr 2019

Auch „Neues vom Meister 19“ – habe ich mit großem Interesse gelesen, lieber Alfred, Kater Rufus ist eine (sicher sehr dominante) Schönheit!, und Schuberts „Winterreise“ kann ich nicht oft genug hören, immer wieder eine ältere Aufnahme mit Dietrich Fischer-Dieskau, für mich der beste Interpret überhaupt…

Liebe Grüße - Marie

30. Apr 2019

Zum Glück, da hörst Du mich nicht singen ...
es würde Dein Geschirr zerspringen,
und meiner Kehle Schall und Klingen,
würd' argen Ohrenschmerz Dir bringen!

Eine gute Nacht wünscht Dir, liebe Marie, Alfred, der Schallmächtige!