Parabel ✓ dem Gleichnis verwandte Form von Literatur

bekannte Parabel Bücher

Die Parabel wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, die durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden.

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Beitrag 1 - 31 von insgesamt 31 Texten in dieser Kategorie
von Franz Kafka

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem…

Hörbuch:
Hörbuch »Auf der Galerie«, gelesen von piratin
von Susanna Ka

Ich hatte den Halt verloren.
Wie ein Stein sauste ich in die Tiefe.
Die Sterne sprangen erschrocken zur Seite und hüllten mich in einen silbernen Funkenregen. Der Mond wandte sich ab, so dass es aussah, als fehle ihm ein Stück.

von Franz Kafka

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später…

von Franz Kafka

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem…

von Franz Kafka

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und…

von Alfred Krieger

Frau R. war ihr Leben lang fleißig und sparsam gewesen, dennoch sah sie sich gezwungen, jetzt im Alter jeden Pfennig umzudrehen. Umso mehr hatte sie sich gefreut, als ihr ihr Neffe zum Geburtstage einen Friseur-Gutschein geschenkt hatte.

von Susanna Ka

Sturmhochwasser.
Der Reporter hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen und sein Mikrofon mit einem Fellüberzug vor dem Sturm geschützt. Breitbeinig steht er am Kai und die Kamera zeigt, wie die ersten kleinen Wellen seine Füße umspülen.…

von Heiner Brückner

Die Immohaie und Steuerreeder hätten alles Unbewegliche geschluckt, sie seien die Verursacher. Keine Frage, darin waren sich alle einig – zumindest hinterher. Nun sollte die Allgemeinheit ausbaden, nur nicht die Haie und die Steuermänner, die…

von Susanna Ka

„Wir sind das Volk!“
„Wir sind das Volk!“
Ja, ja, ich weiß. Ihr schreit ja laut genug. Ihr tragt sogar Schilder vor euch her, auf denen ihr es nachlesen könnt.
Nein, ihr seid nicht DAS Volk, ihr seid nur EIN Volk, eines von…

von Jürgen Wagner

Eines Tages hatte der Mensch eine Eingebung:

Die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere sind meine Vorfahren. Von ihnen stamme ich her und noch immer sind sie in mir. Der Erde und der großen Entwicklung des Lebens auf ihr verdanke ich mich…

von Alfred Krieger

(Regieanleitung: A spricht mit hoher, etwas jammernder, B mit tiefer, leicht ungeduldiger Stimme)

A: Heit' is 's eig'ntlich gar ned so kalt, gei?!
B: Na.
A: Na – ohne Schmarr'n – i hätt' gmoant, es war' kälter! ……

von Susanna Ka

Er fand sie zwischen Rosen und Lavendel, ganz hinten an der Grenze seines Gartens. Jemand hatte seine kostbaren Polyantha-Rosen geköpft und ihren Körper auf die Blüten gebettet. Er hatte den geschundenen Hals mit Blütenblättern zugedeckt und ihr…

von Alfred Krieger

Am Rande des kleinen Dorfes lebte die Waldhoferin, welche ihr Leben lang fleißig ihr kleines bäuerliches Besitztum ganz alleine bewirtschaftet hatte. In ihrer Jugend war sie ausnehmend hübsch gewesen und manch einer hatte ihr den Hof gemacht.…

von Susanna Ka

Ich betrachtete das Exposé, das mir der Makler in die Hand gedrückt hatte.
Kaum zu glauben. Da war es.
Das Haus, von dem ich schon so lange träumte.
Es erschien mir wie eine glückliche Fügung, dass ich gerade jetzt, in der…

von Alfred Krieger

Zu Beginn der Zeiten, genauer gesagt, etwas danach, hatte man einem guten Geiste die Aufgabe übertragen, alle Eigenschaften, Gaben und Begabungen aus den Regalen zu befreien, um sie der Welt, der sichtbaren wie der unsichtbaren, zuzuordnen.…

von Alfred Krieger

Ob es uns gibt, Sie, der Sie diese Zeilen lesen, oder mich, der ich Ihnen das Folgende zumute, ob wir existieren, das ist im Wesentlichen egal. Wir beide sind für die Menschheit nicht so notwendig, dass es uns unbedingt geben müsste – liefe doch…

von Thomas Stein

Die Thomasbibel / Bibelhandschrift umfasst 1475 Seiten. Darunter auch den Thomasbrief mit 8 Kapiteln. Das 8. Kapitel stelle ich hier vor:
Thomas 8
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und gebot dem Menschen nicht zu essen vom Baum…

von Alfred Krieger

Fast hätte man es übersehen können, das bescheidene Häuschen am Waldesrande, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, nur aus dem Erdgeschoss bestehend, einfach aber gepflegt, Ruhe und eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlend, von einem mehrarmigen,…

von Susanna Ka

Annas Herz schlug schmerzhaft gegen ihren oberen Rippenbogen. Zitternd saß Sie auf dem Bett. Das schweißdurchdrängte Nachthemd klebte an ihrem Körper.
Etwas hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Ein Geräusch.
Es war in ihre Träume…

von Alfred Mertens

Andrea Sarti schmuggelt die verbotene Schrift Galileo Galileis außer Landes.
Er wird nur schnell kontrolliert und schafft es tatsächlich, unentdeckt zu passieren.
Das Kapitel und somit auch das Buch, endet mit einem kleinen Dialog…

von Susanna Ka

Der Ort lag in Sichtweite.

Das war heute Morgen allerdings auch schon so gewesen, als er das Auto auf dem mit Schlaglöchern durchsetzten Parkplatz abgestellt hatte. Mit raumgreifenden Schritten war er losgegangen. Die Wanderkarte hatte er…

von Martin Big

Eine bekannte Weisheit sagt „Mit kopflastigem Denken schrumpft Leben zur Rechenaufgabe.“
Doch wir können der Tatsache nicht ausweichen, dass jede einzelne Handlung, die wir tun, ihre Auswirkung auf das Ganze hat.
Manchmal klammern wir…

von Heinz H.-K.

Vor Zeiten, noch in der Dunkelheit, fror die Welt und war still.
Die Welt war leer.
Es gab nur die Leere.
Da öffneten sich in einer sehr großen Erschütterung die Pforte des Lichts und die Pforte des Wedels. Die Erschütterung war…

von Alexander Paukner

Momente sind mehr, sie bleiben das innere Meer. Versinken aus Blicken und decken die Tische. Sie füllen das Glück sind alles aus geben, ein Herz, ein Leben. Ein Lebens Weges Anfang allem gleich, gewogen hat es die kleinste Feder weich. Sie tropft…

von Adak Pirmos

Einst war sie wunderschön voller Kraft und Leben sie war so voller Liebe voller Zuversicht und Hoffnung ihre roten Wangen strahlten Ihr Haar fiel bestechend leicht über die starke Schulter. Es war so viel passiert seit dem, sie hatte mit der Zeit…

von Martin Big

Möchte nicht Verletzen muss mir die Gefühle von der Seele fetzen.

Was bin ich doch für ein seltsamer Mensch, Worte bedeuten was ich sage, steh zu ihnen ohne alles zu hinterfragen.

Was bin ich doch für ein seltsamer Mann, Liebe heißt…

von Bernhard W. Rahe

Wenn zur vollen Stunde die schwere Tür krachend und kreischend geöffnet wird, werde ich teilnahmslos – aber doch auf der Hut, den Fraß entgegen nehmen. Aber nur, wenn ich stark bin und ich meine Erinnerungen ausgeblendet haben werde. Es wird kein…

von Hartmut Müller

Fünf Geschichten vom Tod

Tut nicht dies oder das, euer Leben zu verlängern,
es wird euch nichts nützen, sondern seid dankbar
für jeden Tag, den Gott euch schenkt.
nach Matth.6, 24-24

Das Gleichnis vom reichen…

von bob jones

Wenn man sich nicht ständig frägt wer man ist, kann man nicht hinaus in die Welt gehen um sie zu entdecken und es herauszufinden, stattdessen steht man da nichtstun mit einem Gesicht voll Grauer, alleine und stellt nicht die fragen die einen…

von Alexander Paukner

Ein Wort fällt nicht weit vom Stamm, es weicht sich wenn man sich versteht. Klingt wenn man es blättert sehr still, fast sich und liegt. Liest sich noch mehr und gibt. Den Wurzeln eines fernen Tags, da bliebe es ein Wind auf dem Meer. Es sehnt…

von Alexander Paukner

Die Sonne erhellt als höchstes Lichter funkelnd Sein. Ein Wein geklart, im Blick gesehnt. Im Kleide fein, geschmiegt und rein. So zart umweht, das dunkle geht. Im kleinsten berührt, ins feinste gespührt. Wie wurde getischt, noch ehemals gesinnt.…

PARABEL - Die Parabel - eine zweifelhafte Offenbarung?

"Parabola, das Lehrgedicht / erzählet eine kurz Geschichte / welche ihre Deutung hat / und auch geschehen könnte. Die Fabel aber erzählt vielmals / was nicht geschehen kann und macht nicht nur die Tiere / sondern auch die Steine reden. Die lassen wir den alten Weibern / jene aber den verständigeren Leuten."
 
So definiert der Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer die kleine Kunstform, an der sich immer wieder große Autoren versucht haben. Der Poetiklehrer Gottsched beschreibt die Parabel ganz nüchtern so: "... eine unter gewissen Umständen mögliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine moralische Wahrheit verborgen liegt."
 
Nun, wem da nicht die Lust zum Lesen vergeht! Da halten wir uns doch lieber an Johann Gottfried Herder: "... sie ist ein erhabenes, aber dunkles Bild, ein Götterspruch, den ein rätselhafter Parallelismus gleichsam nur von ferne hertönet ..." Das klingt ein bisschen rätselhaft ... Versuchen wir es mit einer Erklärung aus dem 20. Jahrhundert! Sie stammt von Andre Jolles: " Die Parabel stellt zwar die
Frage, aber sie gibt keine Antwort. Sie legt uns die Pflicht der Entscheidung auf, aber die Entscheidung selbst enthält sie nicht." Das ist doch eine echte Hilfe, oder nicht?
 
Die Parabel gehört wie die Fabel zu den Ausprägungen bildlicher Erzählrede (vgl. Sprichwort, Gleichnis, Allegorie). Auch die Parabel verfolgt den Zweck, eine im Bild veranschaulichte Erkenntnis (Bildebene) mit Hilfe eines Analogieschlusses auf die Erkenntnis selbst zu übertragen (Sinnebene). Insofern besteht zwischen Fabel und Parabel eine so weitgehende Übereinstimmung, dass eine prinzipielle Trennung gar nicht möglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fabel in erster Linie im Bereich von Tieren, Pflanzen, Dingen spielt. Sie muss deshalb anthropom orphisieren und die Züge ihrer Figuren "künstlich" stilisieren, während die Parabelhandlung Beispiel und Bild vorwiegend zwischenmenschlichen Verhältnissen entnimmt. Die Fabel verlagert den Problembereich nach "außen". Sie ist schematischer im Aufbau und in der Wahl des Kodes und ist deshalb auch in der Deutung die einfachere Form. Die Parabel ist demgegenüber flexibler. Die Beziehungen zwischen Bild- und Sinnebene sind differenzierter und offener. Für den Leser ergeben sich oft verschiedene Dechiffrierungsmöglichkeiten. Denn während die Fabel als Ganzes Zug um Zug übertragen werden kann, gilt dies für die Parabel nur punktuell. Die Kunst der indirekten Belehrung führt hier über eine relativ selbständige Erzählung, die ohne Erklärung, ohne ausdrücklichen Bezug, vieldeutig bleibt. Die Vielschichtigkeit des gemeinten Sinns gilt besonders für die moderne Parabel. So führen Kafkas parabolische Erzählungen jedes Mal in Bereiche, die durch überkommene Wahrheiten kaum erschlossen sind. Der Leser wird in seinem Selbst- und Weltverständnis nachhaltig verunsichert. Auch in Brechts Parabeln wird keine positive "Lehre" vermittelt, sondern es wird auf dem Weg über das Beispiel den geläufigen Denkweisen gegenüber 4 zum Widerspruch aufgefordert. Der Leser soll lernen, eine kritische Haltung einzunehmen, darauf kann dann die von Brecht intend ierte revolutionäre Aktivierung aufbauen.
 
(aus: Literaturunterricht im 9. Schuljahr, Lehrerband zum Lesebuch C9; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972; Quelle: http://www.deutsch-ethik-geschichte.de)