Parabel ✓ dem Gleichnis verwandte Form von Literatur

bekannte Parabel Bücher

Die Parabel wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, die durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden.

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von Franz Kafka
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von Susanna Ka
von Christof Bauersch
Beitrag 1 - 35 von insgesamt 63 Texten in dieser Kategorie
von Franz Kafka

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem…

Hörbuch:
Hörbuch »Auf der Galerie«, gelesen von piratin
von Susanna Ka

Ich öffne das Fenster und schon donnert die Straßenbahn durch das Wohnzimmer. Mit lautem Klingeln durchquert sie durch den kleinen Raum und reißt alles mit sich, was zu nahe an den Schienen steht. Meinen Fernsehsessel, den Katzenkorb - zum Glück…

von Christof Bauersch

Heimgekehrt ins Leben

Zurück aus dem endlosen unbegreiflichen Nichtsein
Ins Erdreich

Dem kühlen saftigen Grund

Den warmen, lächelnden Wiesen
und den frischen, flüsternden Wäldern,
welche duften nach süßen…

von Franz Kafka

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später…

von Alfred Krieger

Meister A. berichtet einem Freunde: „Du, ich richte mir gerade einen interessanten Raum ein. So einen sollte jeder von uns sein eigen nennen können! Weißt du, normalerweise hängen an unseren Wänden Bilder, welche angenehme Erinnerungen wecken,…

von Alfred Krieger

Meister A. sitzt im Wartezimmer des Tierarztes, da er ein bestelltes Medikament abholen will. Da kommt eine Frau mittleren Alters herein und nimmt neben ihm Platz. Sie hat ebenso kein Tier dabei.
„Holen sie, so wie ich, lediglich ein…

von Susanna Ka

Ich hatte den Halt verloren.
Wie ein Stein sauste ich in die Tiefe.
Die Sterne sprangen erschrocken zur Seite und hüllten mich in einen silbernen Funkenregen. Der Mond wandte sich ab, so dass es aussah, als fehle ihm ein Stück.

von Alfred Krieger

Meister A. berichtet am Telefon einem Bekannten: „Du weißt doch, dass ich so gerne singe. Nachdem ich auch heuer wieder auf einem Weihnachtsmarkte klassische Weihnachtslieder dargeboten hatte – eineinhalb Stunden lang! - passierte etwas noch nie…

von Alfred Krieger

Am Tische sitzend las ich halblaut vor mich hin, irgendeinen Bericht aus irgendeinem Zeitungsartikel: „Die Bewohner des Hauses beklagten sich über die erneute Mieterhöhung.“ Ich saß alleine im Zimmer und mein leises Lesen wurde deshalb von…

von Franz Kafka

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem…

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet Anfang Januar einem Bekannten, welcher ihm sofort „ein gutes neues Jahr“ wünscht. Meister A. erwidert mit gespielt ernster Miene: „Dir wünsche ich kein gutes neues Jahr.“
„Ja … aber … warum denn ...“, stottert der…

von Franz Kafka

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und…

von Alfred Krieger

Meister A. arbeitet im Garten still vor sich hin. Plötzlich hört er seine Nachbarin, Frau N., verzweifelt schreien: „Ja du mein lieber Gott, schau' nur gerade runter, wie es mir wieder geht! Jetzt haben mir diese streunenden Viecher schon wieder…

von Doris Müller

Amor sprach zum Herzen: „Höre auf Dein Herz!“ woraufhin das Herz erwiderte: „Diesmal hat Dein Pfeil mich so tief getroffen, dass ich mich von den Schmerzen eine gefühlte Unendlichkeit erholen muss und eine lange Pause von Dir brauche, um zu…

von Christof Bauersch

Ich sitze auf einem Grund.
Fühlt sich kühl, leicht feucht an.
Was ist mit mir?
Vor mir eine Wand, rechts, hinten und links....
Ebenfalls Wände.
Ein Raum, das ist ein Raum, sage ich mir.
Keine Fenster?

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet auf der Straße einem Bekannten, welcher ihn gar nicht bemerkt, da er offensichtlich tief in Gedanken versunken daherkommt. Nachdem Meister A. ihn gegrüßt – und ihn dabei unabsichtlich ziemlich erschreckt – hat, entwickelt sich…

von Alfred Krieger

Meister A. macht einen Besuch bei Verwandten. Als er sich dem Grundstück nähert, hört er die siebenjährige Tochter der Familie weinen.
Sie sitzt auf einer Gartenbank und hat ihr Gesicht in den Händen vergraben. Herzzerreißend schluchzt das…

von Doris Müller

Und wär Dein Blut noch so blau, was durch Deine Adern fließt, mit einem Herzen aus Stein könntest Du mir Nichts bieten.

von Alfred Krieger

Ein Freund begrüßt Meister A. auf der Straße: „Schön, dich zu sehen. Da kann ich dir zum neuen Jahr gleich alles nur erdenklich Gute wünschen!“
Meister A. bedankt sich im üblichen Sinne. „Allerdings“, so schränkt er ein, „habe ich mir…

von Alfred Krieger

Meister A. hat Besuch, eine alte Bekannte, welche urplötzlich im Reden innehält, lauscht und dann erstaunt fragt: „Du, mir war, als hörte ich gerade eine Weihnachtsmelodie?“
„Das ist nur eine Wanduhr“, erklärt der Gastgeber.
„Aber…

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet auf der Straße einem Bekannten, welchen er schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat. „Grüß dich. Wie geht es dir ?“, will er wissen. Der Angesprochene erzählt von allerlei gesundheitlichen Problemen, welche ihn…

von Alfred Krieger

Meister A. hat mit der Weihnachtsbeleuchtung rund ums Haus nicht gespart. Eine Passantin, welche mit ihrem kleinen Hündchen vorbeigeht, redet ihn an: „Nun, viel Mühe haben sie sich ja gemacht, aber – nun seien sie mir bitte nicht böse – reut sie…

von Susanna Ka

„Wir sind das Volk!“
„Wir sind das Volk!“
Ja, ja, ich weiß. Ihr schreit ja laut genug. Ihr tragt sogar Schilder vor euch her, auf denen ihr es nachlesen könnt.
Nein, ihr seid nicht DAS Volk, ihr seid nur EIN Volk, eines von…

von Dieter J Baumgart

It’s about time, said Adam and took a meaningful glance at the tree of knowledge:
What if you just took it? Methinks we could be able to get the ball rolling…
But where to? Eve said doubtfully.
Onto the road of ruin, whistled…

von Alfred Krieger

Meister A. hat einen Freund eingeladen. Sie unterhalten sich gut über alte Zeiten und das gemeinsam Erlebte. „Wenn ich so zurückdenke“, meint Meister A., „bin ich schon oft recht unzufrieden, gelegentlich richtiggehend bedrückt. Zwar versuchte…

von Christof Bauersch

Es war nun endgültig zerbrochen.
Da lag es, das zerborstene Herz.
Noch ein leichter Schimmer seiner so wunderbar zarten Gehäuse Häute
schwebte über dem Schlachtfeld.
Was war denn geschehen?

Das Gefäß, es dachte,…

Hörbuch:
Gesprochen,Text und Musik: C.Bauersch
von Alfred Krieger

Frau R. war ihr Leben lang fleißig und sparsam gewesen, dennoch sah sie sich gezwungen, jetzt im Alter jeden Pfennig umzudrehen. Umso mehr hatte sie sich gefreut, als ihr ihr Neffe zum Geburtstage einen Friseur-Gutschein geschenkt hatte.

von Hartmut Dotzki

Was zeichnet uns aus

Wir können traurig sein
Wir können Mitgefühl zeigen
Wir können lieben
Wir können soviel

Was zeichnet uns noch aus

Wir können hassen
Wir können uns daneben benehmen
Wir können…

von Susanna Ka

Sturmhochwasser.
Der Reporter hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen und sein Mikrofon mit einem Fellüberzug vor dem Sturm geschützt. Breitbeinig steht er am Kai und die Kamera zeigt, wie die ersten kleinen Wellen seine Füße umspülen.…

von Heiner Brückner

Die Immohaie und Steuerreeder hätten alles Unbewegliche geschluckt, sie seien die Verursacher. Keine Frage, darin waren sich alle einig – zumindest hinterher. Nun sollte die Allgemeinheit ausbaden, nur nicht die Haie und die Steuermänner, die…

von Heinz Helm-Karrock

Ich war in die Dornen gefallen
Und sah wieder Licht

Ich war in den Sümpfen, watend,
Und fand wieder festen Boden

Ich war in der Finsternis gefangen
Und hörte deine Stimme

Ich war ruhelos, ohne Hoffnung…

von Alfred Krieger

Meister A. lebt im allgemeinen relativ bescheiden und modeunbewusst. Allerdings legt er eine gewisse Schwäche für dezenten Schmuck an den Tag, wobei er einen Fingerring eben nur dann tragen kann, wenn er gerade keine gröberen - sich selbst damit…

von Hartmut Dotzki

Heute

Im Grunde genommen
macht doch das Internet
Spass, weil,

bist doch mittendrin
und "Ohne dem" würde heute
etwas fehlen.

Der Glaube,
doch gefestigt, unbewusst,
die Erreichbarkeit,

von Susanna Ka

Ich betrachtete das Exposé, das mir der Makler in die Hand gedrückt hatte.
Kaum zu glauben. Da war es.
Das Haus, von dem ich schon so lange träumte.
Es erschien mir wie eine glückliche Fügung, dass ich gerade jetzt, in der…

von Christof Bauersch

ich schau
schau, schau
in einen Himmel
einen Himmel voll
so voll -
voller Lehren
sie lehren mir Begehren
ohne zu erwirken
ohne zu verwirken

ich seh
ja,sehe -
ich säe meinen Samen…

Seiten

PARABEL - Die Parabel - eine zweifelhafte Offenbarung?

"Parabola, das Lehrgedicht / erzählet eine kurz Geschichte / welche ihre Deutung hat / und auch geschehen könnte. Die Fabel aber erzählt vielmals / was nicht geschehen kann und macht nicht nur die Tiere / sondern auch die Steine reden. Die lassen wir den alten Weibern / jene aber den verständigeren Leuten."
 
So definiert der Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer die kleine Kunstform, an der sich immer wieder große Autoren versucht haben. Der Poetiklehrer Gottsched beschreibt die Parabel ganz nüchtern so: "... eine unter gewissen Umständen mögliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine moralische Wahrheit verborgen liegt."
 
Nun, wem da nicht die Lust zum Lesen vergeht! Da halten wir uns doch lieber an Johann Gottfried Herder: "... sie ist ein erhabenes, aber dunkles Bild, ein Götterspruch, den ein rätselhafter Parallelismus gleichsam nur von ferne hertönet ..." Das klingt ein bisschen rätselhaft ... Versuchen wir es mit einer Erklärung aus dem 20. Jahrhundert! Sie stammt von Andre Jolles: " Die Parabel stellt zwar die
Frage, aber sie gibt keine Antwort. Sie legt uns die Pflicht der Entscheidung auf, aber die Entscheidung selbst enthält sie nicht." Das ist doch eine echte Hilfe, oder nicht?
 
Die Parabel gehört wie die Fabel zu den Ausprägungen bildlicher Erzählrede (vgl. Sprichwort, Gleichnis, Allegorie). Auch die Parabel verfolgt den Zweck, eine im Bild veranschaulichte Erkenntnis (Bildebene) mit Hilfe eines Analogieschlusses auf die Erkenntnis selbst zu übertragen (Sinnebene). Insofern besteht zwischen Fabel und Parabel eine so weitgehende Übereinstimmung, dass eine prinzipielle Trennung gar nicht möglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fabel in erster Linie im Bereich von Tieren, Pflanzen, Dingen spielt. Sie muss deshalb anthropom orphisieren und die Züge ihrer Figuren "künstlich" stilisieren, während die Parabelhandlung Beispiel und Bild vorwiegend zwischenmenschlichen Verhältnissen entnimmt. Die Fabel verlagert den Problembereich nach "außen". Sie ist schematischer im Aufbau und in der Wahl des Kodes und ist deshalb auch in der Deutung die einfachere Form. Die Parabel ist demgegenüber flexibler. Die Beziehungen zwischen Bild- und Sinnebene sind differenzierter und offener. Für den Leser ergeben sich oft verschiedene Dechiffrierungsmöglichkeiten. Denn während die Fabel als Ganzes Zug um Zug übertragen werden kann, gilt dies für die Parabel nur punktuell. Die Kunst der indirekten Belehrung führt hier über eine relativ selbständige Erzählung, die ohne Erklärung, ohne ausdrücklichen Bezug, vieldeutig bleibt. Die Vielschichtigkeit des gemeinten Sinns gilt besonders für die moderne Parabel. So führen Kafkas parabolische Erzählungen jedes Mal in Bereiche, die durch überkommene Wahrheiten kaum erschlossen sind. Der Leser wird in seinem Selbst- und Weltverständnis nachhaltig verunsichert. Auch in Brechts Parabeln wird keine positive "Lehre" vermittelt, sondern es wird auf dem Weg über das Beispiel den geläufigen Denkweisen gegenüber 4 zum Widerspruch aufgefordert. Der Leser soll lernen, eine kritische Haltung einzunehmen, darauf kann dann die von Brecht intend ierte revolutionäre Aktivierung aufbauen.
 
(aus: Literaturunterricht im 9. Schuljahr, Lehrerband zum Lesebuch C9; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972; Quelle: http://www.deutsch-ethik-geschichte.de)