Parabel ✓ dem Gleichnis verwandte Form von Literatur

bekannte Parabel Bücher

Die Parabel wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, die durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden.

empfohlene Parabeln
von Franz Kafka
von Franz Kafka
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die schönsten Parabeln
von Franz Kafka
von Alfred Krieger
von Susanna Ka
Beitrag 1 - 35 von insgesamt 77 Texten in dieser Kategorie
von Franz Kafka

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem…

Hörbuch:
Hörbuch »Auf der Galerie«, gelesen von piratin
von Alfred Krieger

Meister A. trifft im Stadtpark einen Bekannten, welcher auf ihn einen ziemlich bedrückten Eindruck macht. Mit der gebotenen Feinfühligkeit versucht er, diesen dazu zu bewegen, sich ihm ein wenig zu öffnen.

„Ach wissen Sie“, beginnt der so…

von Susanna Ka

Ich öffne das Fenster und schon donnert die Straßenbahn durch das Wohnzimmer. Mit lautem Klingeln durchquert sie durch den kleinen Raum und reißt alles mit sich, was zu nahe an den Schienen steht. Meinen Fernsehsessel, den Katzenkorb - zum Glück…

von Ella Sander

Sie waren Schmetterlinge, schön und weise.
Als ich, nicht unbedingt erwünscht, noch klitze-
klein, zu ihnen stieß, war ich nicht mehr als eine
Kakerlake, die es nicht wert war angeschaut zu
werden, geschweige denn berührt…

von Alfred Krieger

Meister A. sitzt im Wartezimmer des Tierarztes, da er ein bestelltes Medikament abholen will. Da kommt eine Frau mittleren Alters herein und nimmt neben ihm Platz. Sie hat ebenso kein Tier dabei.
„Holen Sie, so wie ich, lediglich ein…

von Susanna Ka

Ich hatte den Halt verloren.
Wie ein Stein sauste ich in die Tiefe.
Die Sterne sprangen erschrocken zur Seite und hüllten mich in einen silbernen Funkenregen. Der Mond wandte sich ab, so dass es aussah, als fehle ihm ein Stück.

von Franz Kafka

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später…

von Alfred Krieger

Meister A. berichtet einem Freunde: „Du, ich richte mir gerade einen interessanten Raum ein. So einen sollte jeder von uns sein eigen nennen können! Weißt du, normalerweise hängen an unseren Wänden Bilder, welche angenehme Erinnerungen wecken,…

von Alfred Krieger

Meister A. führt vor seiner Garage eine kleinere Reparatur durch. Halblaut singt er dabei vor sich hin, denn er schätzt alte deutsche Volkslieder, Schuberts „Winterreise“, Spirituals und so weiter, eben eher klassisches Liedgut. In beide Vorhaben…

von Franz Kafka

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und…

von Alfred Krieger

Meister A. ist von einer guten alten Freundin der Familie zum Tee eingeladen worden. „Es freut mich ungemein, dass du dir die Zeit für den heutigen Besuch hast nehmen können, ich weiß ja, wie beschäftigt du immer bist, alleine schon durch deinen…

von Alfred Krieger

Meister A. berichtet am Telefon einem Bekannten: „Du weißt doch, dass ich so gerne singe. Nachdem ich auch heuer wieder auf einem Weihnachtsmarkte klassische Weihnachtslieder dargeboten hatte – eineinhalb Stunden lang! - passierte etwas noch nie…

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet auf der Straße einem Bekannten, welcher ihn gar nicht bemerkt, da er offensichtlich tief in Gedanken versunken daherkommt. Nachdem Meister A. ihn gegrüßt – und ihn dabei unabsichtlich ziemlich erschreckt – hat, entwickelt sich…

von Alfred Krieger

Am Tische sitzend las ich halblaut vor mich hin, irgendeinen Bericht aus irgendeinem Zeitungsartikel: „Die Bewohner des Hauses beklagten sich über die erneute Mieterhöhung.“ Ich saß alleine im Zimmer und mein leises Lesen wurde deshalb von…

von Alfred Krieger

Meister A. lebt im allgemeinen relativ bescheiden und modeunbewusst. Allerdings legt er eine gewisse Schwäche für dezenten Schmuck an den Tag, wobei er einen Fingerring eben nur dann tragen kann, wenn er gerade keine gröberen - sich selbst damit…

von Alfred Krieger

Meister A. nimmt den Anruf eines Freundes entgegen. Dieser berichtet voller Begeisterung: „Du weißt doch, dass ich naturwissenschaftlich sehr interessiert bin und gerade über mein Hauptinteressengebiet alles lese, was mir in die Hände kommt.…

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet Anfang Januar einem Bekannten, welcher ihm sofort „ein gutes neues Jahr“ wünscht. Meister A. erwidert mit gespielt ernster Miene: „Dir wünsche ich kein gutes neues Jahr.“
„Ja … aber … warum denn ...“, stottert der…

von Doris Müller

Amor sprach zum Herzen: „Höre auf Dein Herz!“ woraufhin das Herz erwiderte: „Diesmal hat Dein Pfeil mich so tief getroffen, dass ich mich von den Schmerzen eine gefühlte Unendlichkeit erholen muss und eine lange Pause von Dir brauche, um zu…

von Alfred Krieger

Meister A. arbeitet im Garten still vor sich hin. Plötzlich hört er seine Nachbarin, Frau N., verzweifelt schreien: „Ja du mein lieber Gott, schau' nur gerade runter, wie es mir wieder geht! Jetzt haben mir diese streunenden Viecher schon wieder…

von Alfred Krieger

Meister A. unterhält sich mit einer Bekannten „über Gott und die Welt“, wobei jene die interessante Frage stellt: „Ist es nicht erstaunlich, dass wir uns nicht vorstellen können, nicht zu sein?“
„Mich verwundert dieser Umstand eigentlich…

von Franz Kafka

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem…

von Alfred Krieger

Meister A. trifft beim Einkaufen einen alten Bekannten. „Ja von dir hört man gar nichts mehr“, begrüßt er diesen, „bist du krank gewesen oder was?“
„Ach, was glaubst du, was ich mir Arbeit angetan habe“, erwidert der Angesprochene, „ich…

von Alfred Krieger

„Ich mag jetzt dann nimmer – mir reicht 's!“, beklagt sich ein Freund bei Meister A., „echt, ich mag nicht mehr!“
„Nun“, versucht ihn Meister A. tröstend zu beruhigen, „Du hast es wenigstens besser als ich, denn du kannst jetzt dann 'nimmer…

von Alfred Krieger

Meister A. macht einen Besuch bei Verwandten. Als er sich dem Grundstück nähert, hört er die siebenjährige Tochter der Familie weinen.
Sie sitzt auf einer Gartenbank und hat ihr Gesicht in den Händen vergraben. Herzzerreißend schluchzt das…

von Doris Müller

Und wär Dein Blut noch so blau, was durch Deine Adern fließt, mit einem Herzen aus Stein könntest Du mir Nichts bieten.

von Alfred Krieger

Meister A. trifft beim Einkaufen einen Bekannten, welcher ihm erzählt, er sei schon ganz gespannt, wie bei seinen beiden Enkeln heuer die Zeugnisse ausfallen würden.
„Weißt du“, lacht er, da muss der Opa schon wieder ein bisserl den…

von Alfred Krieger

Ein Freund begrüßt Meister A. auf der Straße: „Schön, dich zu sehen. Da kann ich dir zum neuen Jahr gleich alles nur erdenklich Gute wünschen!“
Meister A. bedankt sich im üblichen Sinne. „Allerdings“, so schränkt er ein, „habe ich mir…

von Alfred Krieger

Meister A. hat Besuch, eine alte Bekannte, welche urplötzlich im Reden innehält, lauscht und dann erstaunt fragt: „Du, mir war, als hörte ich gerade eine Weihnachtsmelodie?“
„Das ist nur eine Wanduhr“, erklärt der Gastgeber.
„Aber…

von Peter K.

Neulich kam ich schimpfend zu Großvater. Der gewählte Präsident unseres Landes sei ein impotenter Großkotz, mache Politik ohne Sinn und Verstand. Wie viele Menschen verzweifelten auch ich an diesem Präsidenten und fragte mich, warum ausgerechnet…

von Gina Reinert

Ich atme.

Und mit jedem Atemzug fällt mir der Himmel ein Stück mehr auf den Kopf, die Sonne erlischt und der Boden fährt seine Stacheln heraus.
Und mit jedem Schritt wird der Grad schmaler und das Wasser steigt bis zum Hals und ich…

von Alfred Krieger

Meister A. begegnet auf der Straße einem Bekannten, welchen er schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat. „Grüß dich. Wie geht es dir ?“, will er wissen. Der Angesprochene erzählt von allerlei gesundheitlichen Problemen, welche ihn…

von Alfred Krieger

Meister A. hat mit der Weihnachtsbeleuchtung rund ums Haus nicht gespart. Eine Passantin, welche mit ihrem kleinen Hündchen vorbeigeht, redet ihn an: „Nun, viel Mühe haben Sie sich ja gemacht, aber – nun seien Sie mir bitte nicht böse – reut Sie…

von Alfred Krieger

Frau R. war ihr Leben lang fleißig und sparsam gewesen, dennoch sah sie sich gezwungen, jetzt im Alter jeden Pfennig umzudrehen. Umso mehr hatte sie sich gefreut, als ihr ihr Neffe zum Geburtstage einen Friseur-Gutschein geschenkt hatte.

von Dieter J Baumgart

It’s about time, said Adam and took a meaningful glance at the tree of knowledge:
What if you just took it? Methinks we could be able to get the ball rolling…
But where to? Eve said doubtfully.
Onto the road of ruin, whistled…

von Peter K.

Am Boden zerstört kam ich eines Tages zu Großvater, denn ich war von einem Freund enttäuscht worden. Ich hatte dem Freund in einer brenzligen Situation geholfen. Er war dankbar und schwor mir ebenso zu helfen, wenn ich ihn darum bitten würde.…

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PARABEL - Die Parabel - eine zweifelhafte Offenbarung?

"Parabola, das Lehrgedicht / erzählet eine kurz Geschichte / welche ihre Deutung hat / und auch geschehen könnte. Die Fabel aber erzählt vielmals / was nicht geschehen kann und macht nicht nur die Tiere / sondern auch die Steine reden. Die lassen wir den alten Weibern / jene aber den verständigeren Leuten."
 
So definiert der Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer die kleine Kunstform, an der sich immer wieder große Autoren versucht haben. Der Poetiklehrer Gottsched beschreibt die Parabel ganz nüchtern so: "... eine unter gewissen Umständen mögliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine moralische Wahrheit verborgen liegt."
 
Nun, wem da nicht die Lust zum Lesen vergeht! Da halten wir uns doch lieber an Johann Gottfried Herder: "... sie ist ein erhabenes, aber dunkles Bild, ein Götterspruch, den ein rätselhafter Parallelismus gleichsam nur von ferne hertönet ..." Das klingt ein bisschen rätselhaft ... Versuchen wir es mit einer Erklärung aus dem 20. Jahrhundert! Sie stammt von Andre Jolles: " Die Parabel stellt zwar die
Frage, aber sie gibt keine Antwort. Sie legt uns die Pflicht der Entscheidung auf, aber die Entscheidung selbst enthält sie nicht." Das ist doch eine echte Hilfe, oder nicht?
 
Die Parabel gehört wie die Fabel zu den Ausprägungen bildlicher Erzählrede (vgl. Sprichwort, Gleichnis, Allegorie). Auch die Parabel verfolgt den Zweck, eine im Bild veranschaulichte Erkenntnis (Bildebene) mit Hilfe eines Analogieschlusses auf die Erkenntnis selbst zu übertragen (Sinnebene). Insofern besteht zwischen Fabel und Parabel eine so weitgehende Übereinstimmung, dass eine prinzipielle Trennung gar nicht möglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fabel in erster Linie im Bereich von Tieren, Pflanzen, Dingen spielt. Sie muss deshalb anthropom orphisieren und die Züge ihrer Figuren "künstlich" stilisieren, während die Parabelhandlung Beispiel und Bild vorwiegend zwischenmenschlichen Verhältnissen entnimmt. Die Fabel verlagert den Problembereich nach "außen". Sie ist schematischer im Aufbau und in der Wahl des Kodes und ist deshalb auch in der Deutung die einfachere Form. Die Parabel ist demgegenüber flexibler. Die Beziehungen zwischen Bild- und Sinnebene sind differenzierter und offener. Für den Leser ergeben sich oft verschiedene Dechiffrierungsmöglichkeiten. Denn während die Fabel als Ganzes Zug um Zug übertragen werden kann, gilt dies für die Parabel nur punktuell. Die Kunst der indirekten Belehrung führt hier über eine relativ selbständige Erzählung, die ohne Erklärung, ohne ausdrücklichen Bezug, vieldeutig bleibt. Die Vielschichtigkeit des gemeinten Sinns gilt besonders für die moderne Parabel. So führen Kafkas parabolische Erzählungen jedes Mal in Bereiche, die durch überkommene Wahrheiten kaum erschlossen sind. Der Leser wird in seinem Selbst- und Weltverständnis nachhaltig verunsichert. Auch in Brechts Parabeln wird keine positive "Lehre" vermittelt, sondern es wird auf dem Weg über das Beispiel den geläufigen Denkweisen gegenüber 4 zum Widerspruch aufgefordert. Der Leser soll lernen, eine kritische Haltung einzunehmen, darauf kann dann die von Brecht intend ierte revolutionäre Aktivierung aufbauen.
 
(aus: Literaturunterricht im 9. Schuljahr, Lehrerband zum Lesebuch C9; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972; Quelle: http://www.deutsch-ethik-geschichte.de)