Parabel ✓ dem Gleichnis verwandte Form von Literatur

bekannte Parabel Bücher

Die Parabel wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, die durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden.

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von Franz Kafka
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von Christof Bauersch
die schönsten Parabeln
von Franz Kafka
von Susanna Ka
von Doris Müller
Beitrag 1 - 35 von insgesamt 47 Texten in dieser Kategorie
von Franz Kafka

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem…

Hörbuch:
Hörbuch »Auf der Galerie«, gelesen von piratin
von Susanna Ka

Ich öffne das Fenster und schon donnert die Straßenbahn durch das Wohnzimmer. Mit lautem Klingeln durchquert sie durch den kleinen Raum und reißt alles mit sich, was zu nahe an den Schienen steht. Meinen Fernsehsessel, den Katzenkorb - zum Glück…

von Doris Müller

Amor sprach zum Herzen: „Höre auf Dein Herz!“ woraufhin das Herz erwiderte: „Diesmal hat Dein Pfeil mich so tief getroffen, dass ich mich von den Schmerzen eine gefühlte Unendlichkeit erholen muss und eine lange Pause von Dir brauche, um zu…

von Christof Bauersch

Heimgekehrt ins Leben

Zurück aus dem endlosen unbegreiflichen Nichtsein
Ins Erdreich

Dem kühlen saftigen Grund

Den warmen, lächelnden Wiesen
und den frischen, flüsternden Wäldern,
welche duften nach süßen…

von Susanna Ka

Ich hatte den Halt verloren.
Wie ein Stein sauste ich in die Tiefe.
Die Sterne sprangen erschrocken zur Seite und hüllten mich in einen silbernen Funkenregen. Der Mond wandte sich ab, so dass es aussah, als fehle ihm ein Stück.

von Franz Kafka

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später…

von Franz Kafka

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem…

von Doris Müller

Und wär Dein Blut noch so blau, was durch Deine Adern fließt, mit einem Herzen aus Stein könntest Du mir Nichts bieten.

von Franz Kafka

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeutete. Er wusste nichts und…

von Christof Bauersch

Ich sitze auf einem Grund.
Fühlt sich kühl, leicht feucht an.
Was ist mit mir?
Vor mir eine Wand, rechts, hinten und links....
Ebenfalls Wände.
Ein Raum, das ist ein Raum, sage ich mir.
Keine Fenster?

von Alfred Krieger

Am Tische sitzend las ich halblaut vor mich hin, irgendeinen Bericht aus irgendeinem Zeitungsartikel: „Die Bewohner des Hauses beklagten sich über die erneute Mieterhöhung.“ Ich saß alleine im Zimmer und mein leises Lesen wurde deshalb von…

von Dieter J Baumgart

It’s about time, said Adam and took a meaningful glance at the tree of knowledge:
What if you just took it? Methinks we could be able to get the ball rolling…
But where to? Eve said doubtfully.
Onto the road of ruin, whistled…

von Hartmut Dotzki

Was zeichnet uns aus

Wir können traurig sein
Wir können Mitgefühl zeigen
Wir können lieben
Wir können soviel

Was zeichnet uns noch aus

Wir können hassen
Wir können uns daneben benehmen
Wir können…

von Christof Bauersch

Es war nun endgültig zerbrochen.
Da lag es, das zerborstene Herz.
Noch ein leichter Schimmer seiner so wunderbar zarten Gehäuse Häute
schwebte über dem Schlachtfeld.
Was war denn geschehen?

Das Gefäß, es dachte,…

von Alfred Krieger

Frau R. war ihr Leben lang fleißig und sparsam gewesen, dennoch sah sie sich gezwungen, jetzt im Alter jeden Pfennig umzudrehen. Umso mehr hatte sie sich gefreut, als ihr ihr Neffe zum Geburtstage einen Friseur-Gutschein geschenkt hatte.

von Susanna Ka

Sturmhochwasser.
Der Reporter hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen und sein Mikrofon mit einem Fellüberzug vor dem Sturm geschützt. Breitbeinig steht er am Kai und die Kamera zeigt, wie die ersten kleinen Wellen seine Füße umspülen.…

von Heiner Brückner

Die Immohaie und Steuerreeder hätten alles Unbewegliche geschluckt, sie seien die Verursacher. Keine Frage, darin waren sich alle einig – zumindest hinterher. Nun sollte die Allgemeinheit ausbaden, nur nicht die Haie und die Steuermänner, die…

von Heinz H.-K.

Ich war in die Dornen gefallen
Und sah wieder Licht

Ich war in den Sümpfen, watend,
Und fand wieder festen Boden

Ich war in der Finsternis gefangen
Und hörte deine Stimme

Ich war ruhelos, ohne Hoffnung…

von Susanna Ka

„Wir sind das Volk!“
„Wir sind das Volk!“
Ja, ja, ich weiß. Ihr schreit ja laut genug. Ihr tragt sogar Schilder vor euch her, auf denen ihr es nachlesen könnt.
Nein, ihr seid nicht DAS Volk, ihr seid nur EIN Volk, eines von…

von Hartmut Dotzki

Heute

Im Grunde genommen
macht doch das Internet
Spass, weil,

bist doch mittendrin
und "Ohne dem" würde heute
etwas fehlen.

Der Glaube,
doch gefestigt, unbewusst,
die Erreichbarkeit,

von Jürgen Wagner

Eines Tages hatte der Mensch eine Eingebung:

Die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere sind meine Vorfahren. Von ihnen stamme ich her und noch immer sind sie in mir. Der Erde und der großen Entwicklung des Lebens auf ihr verdanke ich mich…

von Christof Bauersch

Christof Bauersch

Ich sage Dir nicht,
dass Du mir viel bedeutest.
Dass ich mich in Deiner Nähe glücklich fühle.
Dass Dein Geist mich fasziniert und anzieht.
Dass Du schön bist, wenn Du mit mir sprichst,
mich…

von Alfred Krieger

(Regieanleitung: A spricht mit hoher, etwas jammernder, B mit tiefer, leicht ungeduldiger Stimme)

A: Heit' is 's eig'ntlich gar ned so kalt, gei?!
B: Na.
A: Na – ohne Schmarr'n – i hätt' gmoant, es war' kälter! ……

von Dieter J Baumgart

Es wird Zeit, meinte Adam, und blickte bedeutungsschwer auf den Baum der Erkenntnis:
Pflück’ ihn doch mal, mich deucht, wir können damit einiges auf den Weg bringen…
Aber wohin, warf Eva ein.
Ins Verderben, flötete die Schlange…

von Susanna Ka

Er fand sie zwischen Rosen und Lavendel, ganz hinten an der Grenze seines Gartens. Jemand hatte seine kostbaren Polyantha-Rosen geköpft und ihren Körper auf die Blüten gebettet. Er hatte den geschundenen Hals mit Blütenblättern zugedeckt und ihr…

von Alfred Krieger

Am Rande des kleinen Dorfes lebte die Waldhoferin, welche ihr Leben lang fleißig ihr kleines bäuerliches Besitztum ganz alleine bewirtschaftet hatte. In ihrer Jugend war sie ausnehmend hübsch gewesen und manch einer hatte ihr den Hof gemacht.…

von Susanna Ka

Ich betrachtete das Exposé, das mir der Makler in die Hand gedrückt hatte.
Kaum zu glauben. Da war es.
Das Haus, von dem ich schon so lange träumte.
Es erschien mir wie eine glückliche Fügung, dass ich gerade jetzt, in der…

Als
von Christof Bauersch

Als er versuchte das Unmögliche zu mögen
und sich das Wahrhaftige versagte.
Er, anstatt zu sehen, was da war, den Wahnsinn kultivierte, um sich selbst in dem Moment der Ernüchterung noch zu betäuben, mit Gedanken, die ihn im Kreise…

Hörbuch:
Text und Klang Christof Bauersch
von Susanna Ka

Annas Herz schlug schmerzhaft gegen ihren oberen Rippenbogen. Zitternd saß Sie auf dem Bett. Das schweißdurchdrängte Nachthemd klebte an ihrem Körper.
Etwas hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Ein Geräusch.
Es war in ihre Träume…

von Alfred Krieger

Zu Beginn der Zeiten, genauer gesagt, etwas danach, hatte man einem guten Geiste die Aufgabe übertragen, alle Eigenschaften, Gaben und Begabungen aus den Regalen zu befreien, um sie der Welt, der sichtbaren wie der unsichtbaren, zuzuordnen.…

von Alfred Krieger

Ob es uns gibt, Sie, der Sie diese Zeilen lesen, oder mich, der ich Ihnen das Folgende zumute, ob wir existieren, das ist im Wesentlichen egal. Wir beide sind für die Menschheit nicht so notwendig, dass es uns unbedingt geben müsste – liefe doch…

von Thomas Stein

Die Thomasbibel / Bibelhandschrift umfasst 1475 Seiten. Darunter auch den Thomasbrief mit 8 Kapiteln. Das 8. Kapitel stelle ich hier vor:
Thomas 8
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und gebot dem Menschen nicht zu essen vom Baum…

von Alf Glocker

„Hör mal“, sagte dereinst Hannibal Barkas nicht zu seinem Bruder Hasdrubal, „der Punische Krieg ist ja wohl in die Hosen gegangen – so blöd werden wir doch kein zweites Mal sein …?!“

„Das nicht", meinte Hasdrubal nicht, „aber angreifen…

von Alfred Krieger

Fast hätte man es übersehen können, das bescheidene Häuschen am Waldesrande, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, nur aus dem Erdgeschoss bestehend, einfach aber gepflegt, Ruhe und eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlend, von einem mehrarmigen,…

von Alfred Mertens

Andrea Sarti schmuggelt die verbotene Schrift Galileo Galileis außer Landes.
Er wird nur schnell kontrolliert und schafft es tatsächlich, unentdeckt zu passieren.
Das Kapitel und somit auch das Buch, endet mit einem kleinen Dialog…

Seiten

PARABEL - Die Parabel - eine zweifelhafte Offenbarung?

"Parabola, das Lehrgedicht / erzählet eine kurz Geschichte / welche ihre Deutung hat / und auch geschehen könnte. Die Fabel aber erzählt vielmals / was nicht geschehen kann und macht nicht nur die Tiere / sondern auch die Steine reden. Die lassen wir den alten Weibern / jene aber den verständigeren Leuten."
 
So definiert der Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer die kleine Kunstform, an der sich immer wieder große Autoren versucht haben. Der Poetiklehrer Gottsched beschreibt die Parabel ganz nüchtern so: "... eine unter gewissen Umständen mögliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine moralische Wahrheit verborgen liegt."
 
Nun, wem da nicht die Lust zum Lesen vergeht! Da halten wir uns doch lieber an Johann Gottfried Herder: "... sie ist ein erhabenes, aber dunkles Bild, ein Götterspruch, den ein rätselhafter Parallelismus gleichsam nur von ferne hertönet ..." Das klingt ein bisschen rätselhaft ... Versuchen wir es mit einer Erklärung aus dem 20. Jahrhundert! Sie stammt von Andre Jolles: " Die Parabel stellt zwar die
Frage, aber sie gibt keine Antwort. Sie legt uns die Pflicht der Entscheidung auf, aber die Entscheidung selbst enthält sie nicht." Das ist doch eine echte Hilfe, oder nicht?
 
Die Parabel gehört wie die Fabel zu den Ausprägungen bildlicher Erzählrede (vgl. Sprichwort, Gleichnis, Allegorie). Auch die Parabel verfolgt den Zweck, eine im Bild veranschaulichte Erkenntnis (Bildebene) mit Hilfe eines Analogieschlusses auf die Erkenntnis selbst zu übertragen (Sinnebene). Insofern besteht zwischen Fabel und Parabel eine so weitgehende Übereinstimmung, dass eine prinzipielle Trennung gar nicht möglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fabel in erster Linie im Bereich von Tieren, Pflanzen, Dingen spielt. Sie muss deshalb anthropom orphisieren und die Züge ihrer Figuren "künstlich" stilisieren, während die Parabelhandlung Beispiel und Bild vorwiegend zwischenmenschlichen Verhältnissen entnimmt. Die Fabel verlagert den Problembereich nach "außen". Sie ist schematischer im Aufbau und in der Wahl des Kodes und ist deshalb auch in der Deutung die einfachere Form. Die Parabel ist demgegenüber flexibler. Die Beziehungen zwischen Bild- und Sinnebene sind differenzierter und offener. Für den Leser ergeben sich oft verschiedene Dechiffrierungsmöglichkeiten. Denn während die Fabel als Ganzes Zug um Zug übertragen werden kann, gilt dies für die Parabel nur punktuell. Die Kunst der indirekten Belehrung führt hier über eine relativ selbständige Erzählung, die ohne Erklärung, ohne ausdrücklichen Bezug, vieldeutig bleibt. Die Vielschichtigkeit des gemeinten Sinns gilt besonders für die moderne Parabel. So führen Kafkas parabolische Erzählungen jedes Mal in Bereiche, die durch überkommene Wahrheiten kaum erschlossen sind. Der Leser wird in seinem Selbst- und Weltverständnis nachhaltig verunsichert. Auch in Brechts Parabeln wird keine positive "Lehre" vermittelt, sondern es wird auf dem Weg über das Beispiel den geläufigen Denkweisen gegenüber 4 zum Widerspruch aufgefordert. Der Leser soll lernen, eine kritische Haltung einzunehmen, darauf kann dann die von Brecht intend ierte revolutionäre Aktivierung aufbauen.
 
(aus: Literaturunterricht im 9. Schuljahr, Lehrerband zum Lesebuch C9; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972; Quelle: http://www.deutsch-ethik-geschichte.de)