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Geschichten meines Großvaters: Sklaverei

Bild von Peter_Kleimeier
Bibliothek

In einem Jahr in dem die Welt wieder einmal meinte, es sei das Beste, Konflikte durch Kriege zu lösen, machten Großvater und ich eine Reise nach Amerika. Der Besuch der Stätten der Sklaverei und ihrer Dokumentation erschütterten mich. Aber ebenso beeindruckte mich der Kampf dagegen. Diese breite gesellschaftliche Bewegung des 19. Jahrhunderts hat es innerhalb von vielleicht 100 Jahren geschafft, die Sklaverei weitgehend auszurotten.
Ich war geradezu beseelt von diesem Erfolg des Humanismus und meinte zu Großvater: „Das zeigt doch, dass sich der Mensch im Laufe der Jahrhunderte der Verantwortung für Seinesgleichen bewusst wird und die Menschlichkeit siegt. Wenn es gelungen ist die Sklaverei abzuschaffen, warum soll es nicht gelingen den Krieg abzuschaffen?“
Großvater schwieg lange, dann meinte er: „Ja, das wäre schön, aber die Frage ist, ob die Abschaffung der Sklaverei tatsächlich ein Sieg des Humanismus war oder wirtschaftliche Notwendigkeit. Zufälligerweise fällt die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei zeitlich zusammen mit der Erfindung der Dampfmaschine, sprich der Umwandlung von Energie in mechanische Arbeit, Arbeit, die bis dahin von Sklaven gemacht wurde. Der Unterschied zwischen Sklave und Maschine war, dass die Dampfmaschine die Arbeit sehr viel billiger und effektiver machte. Es liegt also nahe, dass Sklaven zu teuer und deshalb befreit wurden. In dem Fall war es leider nicht die moralische Entwicklung der Menschen.“
„Ich befürchte,“ so Großvater weiter, „dass die Sklaverei schnell zurückkehren würde, gäbe es keine künstliche Energie mehr.“

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