Geschichten meines Großvaters: Sklaverei

Bild von Peter_Kleimeier
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In einem Jahr in dem die Welt wieder einmal meinte, es sei das Beste, Konflikte durch Kriege zu lösen, machten Großvater und ich eine Reise nach Amerika. Der Besuch der Stätten der Sklaverei und ihrer Dokumentation erschütterten mich. Aber ebenso beeindruckte mich der Kampf dagegen. Diese breite gesellschaftliche Bewegung des 19. Jahrhunderts hat es innerhalb von vielleicht 100 Jahren geschafft, die Sklaverei weitgehend auszurotten.
Ich war geradezu beseelt von diesem Erfolg des Humanismus und meinte zu Großvater: „Das zeigt doch, dass sich der Mensch im Laufe der Jahrhunderte der Verantwortung für Seinesgleichen bewusst wird und die Menschlichkeit siegt. Wenn es gelungen ist die Sklaverei abzuschaffen, warum soll es nicht gelingen den Krieg abzuschaffen?“
Großvater schwieg lange, dann meinte er: „Ja, das wäre schön, aber die Frage ist, ob die Abschaffung der Sklaverei tatsächlich ein Sieg des Humanismus war oder wirtschaftliche Notwendigkeit. Zufälligerweise fällt die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei zeitlich zusammen mit der Erfindung der Dampfmaschine, sprich der Umwandlung von Energie in mechanische Arbeit, Arbeit, die bis dahin von Sklaven gemacht wurde. Der Unterschied zwischen Sklave und Maschine war, dass die Dampfmaschine die Arbeit sehr viel billiger und effektiver machte. Es liegt also nahe, dass Sklaven zu teuer und deshalb befreit wurden. In dem Fall war es leider nicht die moralische Entwicklung der Menschen.“
„Ich befürchte,“ so Großvater weiter, „dass die Sklaverei schnell zurückkehren würde, gäbe es keine künstliche Energie mehr.“

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Kommentare

07. Aug 2019

Die Sklaverei ist bereits wieder im vollem Gange und das, obwohl alles immer mehr digitalisiert wird. Menschen, die in der Woche 40 Stunden arbeiten und trotzdem mit Hartz IV aufstocken müssen, um davon leben zu können, sind die modernen Sklaven von heute. Ich finde es einfach entwürdigend und leisten können sich diese Menschen gar nichts, müssen jeden Cent zwei oder auch beliebig oft umdrehen, was für ein Leben.

Und natürlich gibt es auch billige Haushaltshilfen und Babysitter, die quasi dann gleich mit in die Wohnung von den Leuten ziehen, von denen sie gebraucht werden, und Tag und Nacht für einen Hungerlohn oder Taschengeld, die modernen Aupairs der Neuzeit, schuften dürfen, schlafen können die ja dann mal fünf Stunden in der Kammer, was ja schon wie ein eigenes Zimmer gilt, in der nur ein Bett oder eine Matratze passt und wenn das Oberhaupt der Familie noch andere Dinge einfordert, dann glaubt die vermittelnde Agentur natürlich dem zahlungsfähigem Kunden.