Bed of Roses

von Susanna Ka
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Er fand sie zwischen Rosen und Lavendel, ganz hinten an der Grenze seines Gartens. Jemand hatte seine kostbaren Polyantha-Rosen geköpft und ihren Körper auf die Blüten gebettet. Er hatte den geschundenen Hals mit Blütenblättern zugedeckt und ihr Gesicht damit umrahmt. Jenes zeigte noch deutlich das Entsetzen, dass sie in ihren letzten Minuten durchlebt haben mochte ...
Rot, orange und gelb, wie die Farben ihres Kleides. Und wie die lackierten Nägel an ihren Füßen.
Rot, orange und gelb - Ausdruck ihrer Lebensfreude.
Auch noch im Tod.
Da lag sie, eingehüllt in den Duft der sterbenden Rosenblüten, der jetzt, in der Mittagshitze eine alles überdeckende Schwere verbreitete.
Tränenüberströmt kniete er neben ihr. Wer – wer hatte sie ihm genommen? Er hätte sie gerne aufgehoben, sie gewiegt und getröstet, doch das Bild, das sich ihm bot war so schön, dass er es nicht zu berühren wagte.
„I want to lay you down in an bed of roses“
Das Lied ihrer Liebe. Ein Versprechen, das jetzt jemand anderes erfüllt hatte.
Er hatte gewusst, dass es noch einen anderen gab. Er war sich seiner Sache sicher gewesen, obwohl sie es immer abgestritten hatte. Zum Schluss hatte sie seine Fragen nur noch mit einem hysterischen Lachen beantwortet. Für ihm Beweis genug. Aber deshalb hätte er sie doch nicht umgebracht!!!
Oder doch?
Die Verzweiflung, der Alkohol, diese verdammte Sommerhitze – waren ihm etwa die Sicherungen durchgebrannt? Nein, beruhigte er sich selbst, er hatte sich immer im Griff gehabt. Zu so einer Tat war er charakterlich doch gar nicht fähig.

Ihr Körper flimmert in der Mittagshitze. Hatte sie sich bewegt? Sie hatte ihm den Kopf zugewandt. Der Vorwurf in ihren Augen traf ihn tief in seinem Inneren. Sein Magen krampfte sich zusammen. Kalter Schweiß am ganzen Körper.
Und ihm war heiß, so heiß.
Bilder gaukelten durch sein Bewusstsein. Seine Hände, die ihre Kehle umspannten. Nein, nicht seine Hände – solche Hände hatte er gar nicht! Und doch trug die Rechte seinen Ehering. Er spürte, wie seine Daumen ihren Kehlkopf nach innen drückten, sah das Entsetzen in ihrem Gesicht.
Diese Hitze war erbarmungslos.
Schweiß tropfte in seine Augen. Brannte. Kühlaggregate tanzten vor seinen Blick. Verdichteten sich und häuften sich über einem Leichnam, der in der hintersten Ecke seines Kellers lag.
„I want to lay you down in an bed of roses“
Ein Bett aus Kühlaggregaten hatte er für sie gehabt. Aber er hatte die Aggregate regelmäßig ausgewechselt. Sie konnte sich nicht beschweren. Er hatte immer für sie gesorgt. Ihren Vorwurf, der in seinem Inneren wütete, wies er entschieden zurück. Was wollte sie denn, sie lag doch in ihrem Rosenbett.
Viel wichtiger war es, den Kerl zu finden, der seine kostbaren Polyanthas geköpft hatte.

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Kommentare

08. Jun 2016

Die Geschichte zieht hinein. Spannend bis zum letzten Wort. Toll! Wahrlich eine gelungene 'Kurzgeschichte'.
LG Monika