Fünf Geschichten vom Tod

von Hartmut Müller
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Fünf Geschichten vom Tod

Tut nicht dies oder das, euer Leben zu verlängern,
es wird euch nichts nützen, sondern seid dankbar
für jeden Tag, den Gott euch schenkt.
nach Matth.6, 24-24

Das Gleichnis vom reichen Kornbauern

Es war einmal ein reicher Mann, dessen Felder hatten gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun, ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und ich will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte. Und ich will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre, habe nun Ruhe, iss, trink, und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? Lukas 12, 16-21

Der Mandarin

Im alten China war ein Mandarin, der erfuhr von einem Weisen, dass er bald sterben werde, und er hatte große Angst. Er nahm seinen schwarzen Rappen und floh mit ihm in die Berge, wo er eine versteckte Hütte besaß. Als er die Tür öffnete, saß dort ein ernster Mann. Der Mandarin fuhr ihn an und fragte ihn, was er in seiner Hütte mache.
Da sagte der Mann: Ich habe hier auf dich gewartet, ich bin der Tod.

Der Gesundheitsapostel

Es war ein Gesundheitsapostel, der las alles, was er bekommen konnte, über eine gesunde Lebensweise, und er lebte danach. Er machte alle Vorsorgeuntersuchungen, trieb Sport, gönnte sich kei-
nen Genuss und war sehr sparsam. Es war alles in Ordnung. Von einem Tag auf den andern bekam er eine schwere Krankheit, und es war nichts mehr zu machen.

Der Tod in der Mülltonne

Als er zweiundsiebzig war, ließ er sich untersuchen, und der Arzt, der sein Freund war, sagte zu ihm: Deine Cholesterinwerte sind zu hoch, ich rate dir zu Schwarzbrot und Quark. Und so geschah es, morgens und abends aß er nur noch Schwarzbrot mit Margarine und Magerquark. Etwa zwei Jahre danach wurde ihm ohne ersichtlichen Grund plötzlich schwindlig, er war blass und fühlte sich schwach. Sein Freund untersuchte ihn und tippte auf Rheuma, aber sein Befinden verschlechterte sich rapide, und nach wenigen Tagen starb er. Die Obduktion ergab eine Quetschung der 6. cervicalen Bandscheibe mit teilweiser Durchtrennung des Rückenmarks. Das hatte er sich beim Anheben einer Mülltonne zugezogen, ohne es zu bemerken.

Eine an sich harmlose Sache

K. war 64, hatte keinerlei Beschwerden und stand kurz vor dem ersehnten Ruhestand. Sein Freund war Chefarzt einer Münchener Herzklinik und riet ihm zu einem Intensivcheck, um vorher ggf. eine „Generalreparatur“ machen zu lassen, was später finanziell bedeutend ungünstiger werden würde. K. willigte ein, und sein Freund stellte einen kleinen Klappendefekt fest, „eine an sich harmlose Sache, die sich schnell in den Griff kriegen lässt“. Die OP sollte schon in 2 Tagen stattfinden, da gerade ein schönes Einzelzimmer frei war. Alles lief nach Plan, nur K. nicht, er blieb seinem Freund „auf dem Tisch“, wie es in der Fachsprache heißt.

2010

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