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Die Seele des Staates 57

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

(Geheime Eintragungen, Violett)

Wofür haben wir eigentlich das Gehirn? Wenn man die Leute so anschaut, ihr Handeln verfolgt, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluss, daß ihr Gehirn nichts weiter als ein Anhängsel ist. Ein Anhängsel, das die Aufgabe hat, eigene Unzulänglichkeiten erträglich darzustellen. In der Wirkung käme das, philosophisch betrachtet, einem Blinddarm gleich!

Wirklich ausschlaggebend sind hingegen die Temperamente und Veranlagungen. Sie bestimmen lebenslang, wonach es einen Menschen gelüstet. Das Gehirn ist dann gehalten, sämtliche Irrtümer für ihren Verursacher plausibel zu machen. Das ist die einzige Chance, die jemand wahrnehmen kann, der einfach nur „involviert“ ist.

Man könnte natürlich auch getrost darüber sinnieren, wer nun was erzeugt und was dabei herauskommt. Aber wer könnte das? Ein Blinddarm bestimmt nicht! Die Ereignisse aus seinem Körper und der ihn umgebenden Landschaft aus Körpern und Blinddärmen sind wenig geeignet für logische Erklärungen oder neutrale Schlussfolgerungen, wenn die Notwendigkeit, sich selbst erhalten zu müssen, dominiert.

Da sind immer noch diese kleinen Probleme, wie viele Muskeln man für ein Lächeln braucht, oder welche Bewegungen notwendig sind, um eine Hand zum Mund zu führen. Solche kleinen Probleme können sich rasend schnell zu ganz großen ausweiten, wenn direkt die eigene Person betreffend, eine Not, eine Epidemie, ein Krieg oder etwas anderes Gravierendes ausbricht. Dann kommt es gerade ausschließlich auf die Effizienz der mechanischen Impulse an!

Wer dabei auch noch das Gehirn, als unabhängig betrachtende Instanz bemüht, der ist schnell verratzt! Schutz und Sicherheit finden wir jedoch in allen Fragen, in den Tempeln der Welt. Dort brauchen wir nur verträumte Blicke, alles Weitere wird uns erklärt. Wir bekommen einen Sinn, da wir ja selbst keinen haben, nein, sogar keiner sind. Und unser Tun hat eine Richtschnur, die uns herausführen kann, aus den Selbstzweifeln, die einem blinddarmgeschädigten Armen im Geiste nur schadet.

Wir müssen uns nicht mehr analysieren, wir dürfen wissen! Wissen, daß wir schön sind und berechtigt, den Kampf um die Vorherrschaft der Temperamente und der Veranlagungen zu bestreiten. Klugheit ist da bereits inbegriffen! Sollten wir uns aber noch nicht klug genug sein, dann müssen wir nichts weiter tun, als eines der zahlreichen heiligen Bücher auswendig lernen. Das ist toll! Damit kann jeder sein Anhängsel zu einem Luftballon aufblasen, der solange nicht platzt, wie wir glücklich sind.

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Kommentare

28. Dez 2015

Bücher sind heilig - und Kühe auch!
(Bloß Sapiens steht meist auf dem Schlauch...)

LG Axel

29. Dez 2015

Rätsel:

Weil er sich selbst erklären kann,
denkt er sich auf der Spitze Kamm.
Dass er sich selbst erklären muss,
bereitet ihm allezeit Verdruss.

(Der Mensch)

29. Dez 2015

Was geht am Morgen auf 4, mittags auf 2 und abends auf 3 Beinen?

(Das Rätsel der Sphinx)

LG Alf

29. Dez 2015

... genau ...

(Gut, dass ich's wusste, da muss ich wenigstens nicht befürchten, von ihr [ihm?] erwürgt und verschlungen zu werden (wenigstens nicht von DER/DEM ...)