Die Seele des Staates 60

von Alf Glocker
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Alles glimmt und alles glitzert! Und ich bin so glücklich, denn ich bade – in den Nebeln der Zeit. Bunte Traumbilder streichen an mir vorbei, sie berühren mich sanft. Nichts brauche ich ernst zu nehmen, denn ich bade – in den Nebeln der Zeit. Mein kleines Segelschiff, über das die Wellen der Ereignisse schlagen, taumelt wie verrückt, doch ich bin glücklich, weil ich bade – in den Nebeln der Zeit.

Ich tu so, als sei alles Vergangenheit. Das Licht erschreckt mich nicht, es ist golden und zärtlich. Es leuchtet in meine Wiege der Lust. Nichts trennt mich von meiner Zuversicht. Die Begierde zu leben ist so groß wie die Welt, die ich begreifen möchte, bis in ihre kleinsten Bestandteile hinein…oder besser nicht?

Mein Schlafzimmer hat einen Blick wie eine Diva, die gerade von 100 Verehrern bewundert wird. Dieser Blick ist sein An-Blick und sein Anblick bin ich. Ich bin sein Zentrum, seine Strahlkraft, seine einzige Liebe zu mir selbst und zu allem, was mir gewogen ist. Nichts Böses kann mehr geschehen. Auch dann nicht, wenn der Mond voll vor meinem Fenster steht und mir vertraulich zuzwinkert.

Er ist mein heimlicher Vater! Mein Großvater ist der Wind, der mich hierher geführt hat, ohne ein „anderer“ zu sein, der von irgendwoher weht. Ich brauche keine Belehrungen! „L'État, c'est moi“ singe ich stolz in den Spiegel hinein – Kind geblieben, Kind werdend, jeden Tag neu, so wahr ich geborgen bin, durch die Macht meiner Freude.

Kommt, seid bei mir und verzeiht mir, was ich mir nicht verzeihen kann, weil ich nichts davon weiß. Ich weiß nur, wie schön alles ist, wenn ich mich regiere. Dann leuchtet eine goldene Sonne über meinem Garten, wo die Kürbisse größer als Pferdegespanne und die Kräuter prächtiger gedeihen als mein Palast, in dem ich mich gottgleich fühle.

Herrlich ist diese immerwährende Gegenwart, in der ich nichts weiter zu tun habe, oder gedenke, als gänzlich zufrieden auf alles zu schauen, das ich vermeintlich erschaffen habe. Das nenne ich den „Seelenfrieden“ eines überaus tüchtigen Verleugners der Schwärze. Ich akzeptiere eben nur was mir Spaß macht – hauptsächlich mir, oder auch mir, ganz allein, wenn mir niemand folgen möchte, in dieses Paradies aus künstlichen Granatäpfeln.

Die Nebel der Zeit tragen mich, auf Wolke 7, zu allen Versprechungen, die gar nicht leer genug sein können, um nicht für erstrebenswerte Ziele gehalten zu werden. Was haben wir denn für eine Wahl? Wir haben uns doch nur selbst! Sind wir nicht gerade deshalb aufgerufen zu lieben, jung geblieben, durchtrieben – wir müssen es nur üben! Und gleich wird alles genießbar, sogar die klebrigste Honigwaffel, die jemals jemand gesehen hat. Stürzt euch drauf!

Titel: Prosit Neujahr/Technick, Stifte
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Kommentare

31. Dez 2015

Ein Staat, der derart Gold - vernebelt -
Sich abgrundtief und schief aushebelt...

LG Axel